Reise- und Urlaubsartikel

Wer gießt die Blumen im Urlaub?

 

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Einen Tag nachdem ich bei meiner Nachbarin die Pflanzen auf dem Balkon gegossen hatte, donnerte und blitzte es, und ein furchtbares Gewitter ging nieder. Ich habe noch zugeschaut, wie es geschüttet hat. Da klingelte es, und am Telefon war der Hausverwalter. Ob ich zufällig einen Schlüssel von unserer Nachbarin Frau S. hätte. „Gewitterbedingt“ (das Wort werde ich nie vergessen) habe es einen Wassereinbruch gegeben. Im Geist checkte ich sofort Hannas Wohnung. Alle Fenster: dicht. Und die Balkontür: zu. Also ich war mir da ziemlich sicher. Und hab' dann nur noch gedacht: „Oje, oje, ...hoffentlich war ich das nicht!“

Ich stürz' die Treppen rauf, mach die Tür auf. Nix. Geh' den Flur entlang. Nix. Die Wohnzimmertür auf. Ganz vorsichtig hab' ich reingeguckt. Der Schlauch, mit dem ich die Pflanzen auf dem Balkon gegossen hatte, endete in einem Plastikeimer. Und der war voll, randvoll und der Teppichboden: pitschepatschenass. Ich hatte den Wasserhahn hinten am Schlauch nicht zugedreht, und vorne an der Düse machte es tropf - tropf - tropf.

Sofort runter zu den Mietern, die unter Hanna wohnen, geklingelt und irgendwas gestammelt, ich glaube: „Wenn's bei Ihnen tropft, dann war ich's“. Wie ein Bündchen Elend bin ich mir vorgekommen und hab nur noch gedacht: „Scheiße, scheiße, scheiße!“

Im Telefonbuch stand eine Firma, die bei Wasserschaden Erste Hilfe leistet. Die habe ich angerufen. Breitbeinig standen die dann unten rum. Die Soße tropfte schon die Tapeten runter und der Kapo guckte an die Decke und sagte: „Da müssen wir sechs, acht faustgroße Löcher reinhauen, damit das ordnungsgemäß trocknet.“ Ab da war ich nur noch verzweifelt - und hab sie nach Hause geschickt.

Mein Mann ist dann gekommen mit einer Mitarbeiterin. Und wir haben bei Hanna Sofa, Schränke, Tisch und Stühle aus dem Zimmer geschleppt. Auf Knien haben wir die Wohnung mit Lappen und Lumpen trockengelegt. Ewig hat das gedauert, und am Ende haben uns allen die Hände und die Gelenke wehgetan. Irgendwann kam auch der Hausverwalter mit einem Wasserstaubsauger.

Zwei Tage später sollte Hanna zurückkommen. Was machen? Eine Flasche Champagner hab' ich gekauft und einen Blumenstrauß. Und daneben einen Zettel gelegt und darauf geschrieben, was und wie das passiert ist. Meistens kommen wir abends so gegen sechs Uhr vom Urlaub nach Hause. Aber an diesem Samstagnachmittag war es voll auf der Autobahn, und wir hatten ziemlich Verspätung und waren fertig. Also, das Gepäck aus dem Auto und unsere drei Stockwerke (ohne Fahrstuhl) hoch geschleppt. Oben sagt Rolf: „Komm schnell, alles umgeräumt.“ Ich verstehe „ausgeräumt“, denke an Horden von Einbrechern, stürze ins Wohnzimmer und - Schock! Nichts mehr an seinem Platz. Die Stereoanlage, der Fernseher, die Kabel. Alles steht und liegt übereinander: im Flur, in der Küche, im Schlafzimmer, in meinem Arbeitszimmer. Dann entdecke ich den Brief und begreife das Ausmaß des Malheurs. Mich durchzuckt nur ein Gedanke: „Um Himmels willen, die Ärmste, Gott sei Dank ist mir das nicht passiert!“

Glücklicherweise war der Boden schon getrocknet. Wir versuchten uns zunächst so einzurichten, dass Leben in dieser Wohnung wieder möglich war. Aber bescheuert wie wir nun mal sind oder vielleicht auch nur vor Verzweiflung waren, blieb es dabei nicht. Nein, wir fingen an, die Regale auszuwaschen. Zu guter Letzt, es war gegen halb zwei Uhr morgens, haben wir noch den Gummibaum zurückgestellt - und die Blätter mit Bier abgeputzt (sahen plötzlich auch ziemlich staubig aus).

Lisa hat einen Tag später bei uns geklingelt. Sehr zerknirscht hat sie dreingeschaut, und etwas gestottert hat sie auch – soweit ich mich erinnere. Sie tat mir so unendlich leid. Kein böses Wort. Stattdessen haben wir den Champagner aufgemacht Und die Sache war bereinigt. Vielmehr: wäre bereinigt gewesen, wenn die Versicherung mitgespielt hätte. Aber da Lisa die Blumen aus Gefälligkeit gegossen hatte und so eine Gefälligkeit nicht versichert ist... Also, Lisa musste angeben, sie sei lediglich beauftragt worden, die Post aus dem Briefkasten zu holen, wobei sie die traurigen Pflanzen entdeckt und eigenmächtig gegossen habe. Nach diesem juristischen Winkelzug zahlte die Versicherung die Renovierungsarbeiten bei den Mietern unter uns. Aber nur zu zwei Dritteln. Und der Rest? Den hat Lisa aus ihrer eigenen Kasse nachgeschossen. Das habe ich vor zwei, drei Tagen erfahren. Und nun? Nun hab' ich das schlechte Gewissen, und alles ist wieder im Fluss. Typisch Wasserschaden.


 
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