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Die beiden Kinder hatten gute Nacht gesagt, und die Mutter
war mit ihnen hinausgegangen. Das ältere Kind, ein Mädchen von fünf, hatte sich
an der Tür noch einmal umgewandt und gesagt: "Du kommst doch noch, Großmutter,
du erzählst uns doch noch eine Geschichte?" und die Großmutter hatte
geantwortet: "Natürlich, eine ganz schöne Geschichte, aber erst müsst ihr im
Bett sein." Sie hatte es fast jeden Abend getan, seit sie bei ihrem Sohn zu
Besuch war.
Jetzt, da sie beide allein im Wohnzimmer saßen, wurde die
Großmutter wieder zur Mutter des jüngeren Mannes und er wurde wieder ihr Sohn.
"Du hast sie schön verwöhnt", sagte er. — "Es sind doch noch Kinder", antwortete
sie, "und ihre Großmutter kommt ja nicht so oft." — "Ja", sagte ihr Sohn, "was
tun wir, wenn du wieder weg bist. Dann gibt's keine Geschichten mehr." — "Annika
kann das genauso gut, viel besser als ich, vielleicht —", sie wollte sagen, dass
ihre Schwiegertochter ein bisschen eifersüchtig auf sie wäre, aber sie sagte es
nicht. — "Das kann nur eine Großmutter richtig", sagte er, "eine wie du, Mutter.
Die Kinder werden dich vermissen. Und wir auch. Sehr sogar." — "Ihr werdet mir
auch fehlen", sagte sie, "aber nun weiß ich doch wenigstens, wie es euch hier
geht und wie ihr lebt und so; denn es geht euch doch gut, sehr gut." — "O ja",
sagte ihr Sohn, "wir können nicht klagen." — "Und vielleicht komme ich doch
einmal wieder." — "Hoffentlich, Mutter, hoffentlich . . ." — Ihr Sohn wollte
etwas sagen, das spürte sie. Es war genauso gewesen, als er ihr hatte sagen
wollen, dass er fortgehen wollte, auswandern, nach Schweden. Wochenlang hatte er
herumgedruckst, bis sie ihn endlich gefragt hatte, was denn los sei. Damals
hatte ihr Mann noch gelebt. Seitdem waren neun Jahre vergangen; und jetzt war
sie bei ihm zu Besuch, in Umeå, in Lappland. Mit siebenundsechzig Jahren war sie
zu ihm gefahren. Er hatte das möglich gemacht; er hatte alles bezahlt. Er war
ein guter Sohn.
"Du hast etwas auf dem Herzen", sagte sie, "schieß los, mein
Junge." — Er blickte auf ihre Hände, die unaufhörlich die Stricknadeln bewegten;
und sie fühlte es und sah auf. — "Gefällt es dir bei uns?" sagte er. — "Sehr.
Ihr seid alle sehr gut zu mir. — "Wie wäre es", und er wiederholte diese Worte,
als müsste er einen neuen Anlauf nehmen, um über eine Hürde hinwegzukommen, "wie
wäre es, wenn du bei uns bliebst, Mutter? Ich meine, für immer. Wir haben uns so
an dich gewöhnt. Annika sagt das auch. Und du hättest es gut hier, das weißt du
doch. Besser als zuhause."
Die Mutter wusste nicht, was sie antworten sollte. Sie war
nun schon fünf Monate hier, viel länger, als sie hatte bleiben wollen. Im Mai
war sie gekommen, als hier dem Ausbruch des Blühens schon der Sommer folgte, und
jetzt war September, und die Wälder draußen und der kleine Park, in den sie bei
schönem Wetter mit den Kindern ging, brannten in einem goldenen Feuer, wie sie
es noch nie gesehen hatte. Alles war weit und groß und still, ganz anders als zu
Hause. Die Stille floss fern her, aus riesigen Räumen, die ohne Grenzen
schienen. Der Himmel leuchtete in durchsichtigem Blau ohne den geringsten
Schatten. Vor ein paar Wochen waren sie alle nach Kiruna gefahren, um das
Erzbergwerk zu sehen.
Aber sie brauchte auf die Frage ihres Sohnes nicht zu
antworten, nicht an diesem Abend. Gerade als ihr Sohn sagte: "Hast du auch schon
einmal daran gedacht, Mutter?", läutete das Telefon. Ihr Sohn stand auf und ging
zum Apparat. "Hallo", sagte er kurz; doch seine Stimme veränderte sich sofort
und wurde frisch, "Hallo, George." Dann hörte er einer Stimme zu und antwortete
nur manchmal mit "ja" und "javisst". Die Mutter wusste, was das hieß; ja und
selbstverständlich. Eigentlich hatte sie doch eine ganze Menge Schwedisch
gelernt, und sie fürchtete sich nicht mehr davor, allein in die Stadt zu fahren.
War es nicht erstaunlich, dass ihr Sohn fließend Schwedisch sprach und dass er
seinen guten Lebensunterhalt in einer anderen Sprache in einem anderen Land
verdiente? Sie war stolz auf ihn. Er war fünfundzwanzig Jahre gewesen, als er
nach Schweden ausgewanderte und in diesen Jahren hatte er für sich und seine
Familie eine feste Existenz aufgebaut, das heißt, und das musste sie ihrer
Schwiegertochter lassen, Annika hatte tüchtig mitgeholfen; seit die Mutter bei
ihnen zu Besuch war, arbeitete sie wieder. Sie wussten beide, was sie wollten.
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