Reise- und Urlaubsartikel

Reisebericht der etwas anderen Art

 

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Der doofe Koffer lässt sich einfach nicht schließen - schnell werfe ich ein paar Schuhe wieder in die Ecke, damit ich den Kampf gegen den Reißverschluss gewinne. Man muss im Leben eben Kompromisse eingehen. Ob ich mit neun Paar Schuhen auskomme? Da wären die Pumps, die Stilettos, die Ballerinas, die High Heels, ... ja, das dürfte reichen. Doch jetzt bleibt keine Zeit mehr zum Nachdenken, das Taxi wartet schon seit einer halben Stunde. Ich schlüpfe in meine neuen Manolo Blahniks und fahre mit dem Lift ins Erdgeschoss. Da der Taxifahrer das Gaspedal nicht finden will, komme ich mit mehr als 45 Minuten Verspätung am Flughafen an. Während ich den Check-In betrete, sehe ich schon das vorwurfsvolle Gesicht meiner Freundin Franziska. Ihr rechter Zeigefinger hämmert krampfhaft auf ihre Armbanduhr. Alles verläuft problemlos - perfekte 20 Kilo - nicht umsonst habe ich eine meiner Waagen zuhause auf die des Flughafens abgestimmt. Nun ist der schwierigste Teil überstanden, nur noch kurz durch die lästige Kontrolle, ein paar Stunden Flug erster Klasse und schon haben wir das Ziel unserer Sehnsüchte erreicht.

Achtung: Bombe

„Sie führen ein Parfüm und eine Zahnpasta mit sich.” Ein griesgrämiger Beamter reißt mich aus meinen Tagträumen. „Na und?”, meine Verblüffung ist mir regelrecht ins Gesicht geschrieben. Der Beamte erklärt mir mit lehrendem Lächeln die neuen verschärften Anti-Terror-Kontrollen: Zahnpasta, Cremes oder Parfüms dürfen nicht mehr "frei" im Handgebäck transportiert werden, sondern in einem transparenten Beutel. Als „Vorzeige-Staatsbürgerin” will ich natürlich mein Land beim Kampf gegen den Terror unterstützen und verlange nach einem der Super-Beutel. Nachdem ich ihn gekauft habe, erfahre ich, dass man nicht mehr als 100 Milliliter einer Flüssigkeit mitnehmen darf. Das konnte nur ein Scherz sein. Schnell mache ich meine Haare zurecht und suche verzweifelt nach einer versteckten Kamera - vergeblich, es scheint dem Beamten ernst zu sein. Unvorstellbar, jetzt verzichte ich schon seit Jahren auf meine Nagelfeile während des Flugs und nun auch noch auf mein Parfüm. Wenn ich das nochmals zusammenfassen darf: Wer schafft es bitte, aus einer Zahnpasta, einer Creme und einem Parfüm eine Bombe zu bauen? Bin ich MacGyver oder was? Und falls dies möglich wäre: Wie kann ein transparenter Plastikbeutel das verhindern? Doch jegliche Diskussion ist vergeblich und nicht einmal eine meiner Krokodilstränen zeigt Wirkung. Der Beamte ist gnadenlos und mein Escada-Parfüm landet im Müll.

Immenhof in echt

Nach einem mehr oder minder angenehmen Flug fahren wir mit einem Taxi zum Hotel. Am Fenster zieht die Landschaft vorbei: Grüne Wiesen, Bäume, Kühe und noch mehr grüne Wiesen. Dann hält das Taxi. Ich blicke zu Franziska, die genauso verwundert ist wie ich. „Warum halten wir hier?” „Weil hier ihr Hotel ist', antwortet der Taxifahrer schnippisch. Kritisch blicke ich auf das alte Gebäude neben mir. Es erinnert mich an eine Kirche aus der Serie Immenhof. Aber dass es so etwas wirklich gibt? Wo sind wir hier nur gelandet? Kilometerweit entfernt von jeglicher Zivilisation. Kein Shopping, kein hübscher Tiroler, kein Luxushotel — am liebsten würde ich wieder nach Hause fahren. Doch ich versuche, mit dieser Extremsituation zu Recht zu kommen. Mutig öffne ich die Taxitür und mache den ersten Schritt in die Wildnis des österreichischen Gebirges.

Warmer Weißwein im Hotel „Bergmästaren”

Nach einer ausgiebigen Dusche und einem netten Abendessen habe ich mich wieder erholt. Wenigstens erfüllen der Hotelservice und die Anlage annähernd das, was das Prospekt versprach. Franziska und ich beschließen, uns noch ein Glas Wein in der Hotelbar zu gönnen. Die Bar des „Bergmästaren” ist wie ausgestorben, nur vereinzelt sitzen ein paar ältere Gäste an den Tischen. Ich bestelle ein Glas des besten Weißweins und zünde mir eine Zigarette an. Mein Blick schweift durch die etwas dürftige Ausstattung der Bar und bleibt an einem der jüngeren Gäste hängen. Wie kann man sich nur so anziehen? Eine giftgrüne Samthose kombiniert mit einem gestrickten Norweger-Pullover mit Elch-Motiven — furchtbar. Endlich kommt mein Weißwein und ich nehme einen kräftigen Schluck des guten Tropfens. Ein paar Gläser später sind Franziska und ich bereits in ein nettes Gespräch mit Ansgar verwickelt. Anfängliche Verständigungsprobleme sind schnell behoben. Dann fragt er uns, ob wir sportlich sind. Was für eine Frage, natürlich, ich nehme meistens die Treppe und gehe mit meinem „Chiwawa Tiger” jeden Tag eine Runde durch den Park. Wie es Tiger wohl geht? Ehe wir uns versehen, hat uns Ansgar für eine Wandertour des morgigen Outdoor-Programms eingetragen. Als ich an diesem Abend meine Gurkenscheiben auf die Augen lege, muss ich mir fast selbst auf die Schulter klopfen: Mein Umgang mit Krisensituationen ist bewundernswert.

Kein Ende in Sicht

Ein lautes Klingeln stört meinen Schönheitsschlaf: 7:30 Uhr. Was für eine unmenschliche Zeit! Plötzlich dämmert es mir: die Wandertour. Gott sei Dank habe ich mein Outfit bereits am Abend vorbereitet: meine weißen Leggins, goldene Sandalen und den dazu passenden Gürtel — perfekt. Nur noch schnell die Haare machen, Lippenstift, Wimperntusche, Rouge, Make-Up und Kajal. Eine Gruppe voller Touristen wartet bereits im Foyer. Als ich den Aufzug verlasse, ziehe ich alle Blicke auf mich. Die älteren Herrschaften sind sichtlich überrascht von meinem gelungen Outfit und meinem selbstbewussten Auftritt. In einer Ecke sehe ich Franziska und gehe mit erhobenem Haupt auf sie zu. Immer noch spüre ich die neidischen Blicke der anderen Touristen hinter meinem Rücken. Mein Blick schweift durch die Gruppe. „Wo ist Ansgar?” Eine kleine Frau mit ungeheuerlichem Outfit erklärt mir, dass Ansgar krank ist und sie nun die Gruppenleitung übernehme. Schade, aber meine Motivation, mit der Natur und der Bergwelt eins zu werden, kann heute keiner zerstören. Ich öffne die Tür und wage den ersten Schritt dieser Expedition. Plötzlich spüre ich, wie sich der Stöckel meiner Designersandalen zentimetertief in den matschigen Boden bohrt. Mir steigen die Tränen in die Augen — immerhin waren dies meine Lieblingsschuhe. Was ich mit denen schon alles erlebt habe! Trotz des großen Verlustes, folge ich der Touristengruppe den schmalen steilen Bergweg hinauf. Ich fühle, wie mir mein gesamtes Blut in den Kopf steigt und meine weiße Hose die Farbe wechselt. Als wir nach ganzen 45 Minuten endlich unser Ziel erreicht haben, nutze ich die Zeit, um mein Make-Up aufzufrischen. Ich packe meine Spiegel wieder ein und blicke über die Berge, Wiesen und Täler. Die Aussicht ist wirklich süß, fast so süß wie Ansgar. Ob ich ihn wohl heute Abend wieder sehe?


 

 

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