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Tee wird in Ostfriesland mit Kandis und mit
"Wulkjes" aus Sahne getrunken. Die Art der Ostfriesen, Tee zu genießen, ist
einzigartig und mit einem festen Ritual verbunden. Und Ostfriesen schwören
darauf: Nur wenn der Tee nach alter Tradition zubereitet wird, kann er auch
seinen ganz speziellen Geschmack entfalten.
Doch dazu später mehr. Denn
echter Teegenuss beginnt schon beim Einkauf. Schließlich ist nicht jede Teesorte
geeignet, den Ansprüchen ostfriesischer Teetrinker – und das sind nicht wenige
–zu entsprechen. Genau genommen ist Ostfriesentee eine Mischung aus bis zu zehn
Schwarzteesorten, vorwiegend aber aus Assam. Damit der Tee sein volles Aroma
entfalten kann, sollte er nicht zulange lagern. Echte Teetrinker verwenden nur
Tees, die nicht älter als ein halbes Jahr sind. Übrigens: Nur Tee, der in
Ostfriesland gemischt wurde, darf sich "Echter Ostfriesentee" nennen. Anderer
kann sich allenfalls als "ostfriesische Mischung" bezeichnen.
Entscheidend für den Geschmack
ist auch das Wasser, mit dem der Tee aufgebrüht wird. Hartes und gechlortes
Wasser machen die feinen Tees ungenießbar. Wer nicht das Glück hat, das weiche
ostfriesische Wasser nutzen zu können, sollte einen Wasserfilter benutzen oder
frisches Regenwasser beziehungsweise stilles Mineralwasser wählen.
Ganz wichtig: Tee darf nicht "totgekocht"
werden. Das Wasser sollte nur kurz aufwallen und nicht brühend heiß auf die
getrockneten Blätter treffen.
Und nun zu den ostfriesischen
Besonderheiten: Der Tee wird stets in derselben Kanne ("Treckpott") zubereitet.
Diese hat im Idealfall durch den häufigen Gebrauch bereits innen und außen
Patina angesetzt, denn ein Zusammentreffen von Tee und Spülmittel ist verpönt.
Benutzte Teekannen werden nur heiß ausgespült. Das gilt auch für den Moment vor
dem Ansetzen des Tees.
Pro Person wird ein gehäufter
Teelöffel in die Kanne gegeben und zum Schluss ein weiterer "für die Kanne". Nun
wird das heiße Wasser zunächst etwa drei Finger hoch über die Blätter gegossen
und die Kanne auf einem wärmenden Stövchen beiseite gestellt. Nach etwa drei
Minuten füllt man das restliche für den Tee benötigte Wasser auf. Möchte man den
Tee längere Zeit genießen, so sollte man ihn in eine zweite Kanne umfüllen und
den Teesatz dabei abseihen, damit der Tee mit der Zeit nicht zu bitter wird. In
Ostfriesland ist es allerdings üblich, zunächst einmal eine "Runde" Tee
einzuschenken, und die Teekanne anschließend wieder mit kochendem Wasser
aufzufüllen.
Das Eingießen des Tees ist
ebenso eine Kunst für sich. Schon die dafür nötigen Utensilien unterscheiden
sich von denen der "Beutel-Fraktion". So werden anstelle von Teegläsern oder
Bechern kleine, hauchdünne Porzellantässchen verwendet. Bevor der erste Tropfen
Tee diese berührt, wird mit einer kleinen Silberzange – dem "Kluntjeknieper" –
ein "Kluntje" Kandis in die Tasse gelegt. Ergießt sich nun der heiße Tee über
das Zuckerstück, klirrt und knistert dieses leise in der Tasse. Mit einer
winzigen Kelle wird nun Sahne in die Tasse befördert. Andächtig beobachtet der
Ostfriesentee-Trinker nun, wie die Sahnewölkchen – "Wulkjes" – aufwallen. Die
Sahne setzt sich schließlich am Boden der Tasse ab und das ist der Moment, indem
der erste Schluck getrunken werden kann.
Umrühren ist bei der
ostfriesischen Teezeremonie "strengstens" verboten. Denn das Lebenselexier der
Ostfriesen wird "dreistöckig" getrunken: Nur so kann man das herbe Aroma des
Tees, die milde Sahne und den süßen Zucker in ihren geschmacklichen
Besonderheiten wahrnehmen. Einen Löffel legt der Gastgeber dennoch stets dazu.
Der wird aber nicht zum (heimlichen) Umrühren benutzt, sondern um dem Gastgeber
schließlich zu signalisieren, dass man sich von der Teetafel verabschieden
möchte: Dazu wird der Löffel in die Teetasse gelegt. Zuvor aber sollte man
mindestens drei Tassen Tee getrunken haben. Denn auch beim Teetrinken gilt: "Dreemol
is Ostfreesenrecht".
In Ostfriesland gibt es – anders
als in England – nicht nur eine traditionelle Tageszeit, zu der Tee getrunken
wird. Die "Teetiden" (Teezeiten) sind frühmorgens, vormittags um elf ("Elführtje"),
nachmittags um drei und abends um acht Uhr. Und da Tee, der lange gezogen hat,
beruhigt, statt wie der "Minutentee" zu beleben, nutzen ihn manche Ostfriesen
auch nachts als Einschlafhilfe. Kurzum: In den meisten ostfriesischen Haushalten
steht ein "Teepott" oder "Treckpott" den ganzen Tag über auf dem Stövchen. Es
könnte ja überraschend Besuch kommen.
Nun hat nicht jeder
Ostfriesland-Urlauber Gelegenheit, den Tee bei Einheimischen einzunehmen. Auf
eine Tee-Zeremonie nach ostfriesischer Art muss er dennoch nicht verzichten.
Denn vielerorts wird das goldene "Nationalgetränk" in Ostfriesland in
gemütlichen Teestuben nach altem Brauch serviert. Es lohnt sich auch ein
Abstecher zum Teemuseum in Norden.
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