|
Im 12.
Jahrhundert kam die Region um Wolgast sowie die Insel Usedom zu Pommern.
Pfingsten 1128 nahmen die pommerschen Adeligen unter Otto von Bamberg auf dem
Landtag zu Usedom das Christentum an. Die Teilung des Herzogtums Pommern in
Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast fand 1295 statt, Wolgast wurde zur Residenz
der Pommerschen Herzöge, welche mit Unterbrechung bis 1625 regierten.
Kriege und
Brände sowie die Pest brachten der Stadt Wolgast Leid und große Schäden, beim
Wiederaufbau der Häuser wurde jedoch der Altstadtgrundriss beibehalten und blieb
bis zur heutigen Zeit erhalten. Der gitterförmige Altstadtgrundriss gibt
Auskunft über die Baukultur der Stadtbürgerschichten aus dem Mittelalter und
befindet sich seit 1991 unter Denkmalschutz.
In der Denkmalliste von 1986 sind
ca. 43 Häuser der Stadt Wolgast erfasst. Diese Liste wurde auf Grund
mehrmaliger Begehungen des zuständigen Amtes sowie des Denkmalpflegebeirates und
des Hauptkonservators für Denkmalpflege um ca. 65 Objekte erweitert.
Der Bereich
Rathausplatz mit seinem seit langem geschützten Rathaus sowie die dem Platz
einrahmenden Bürgerhäuser bilden den Mittelpunkt der Stadt. Die dreischiffige
Backsteinbasilika St. Petri ist eine der wichtigen Kulturdenkmale, sie ist
umgeben von einer Vielzahl Wohnhäuser, die zum geschützten Ensemble des
Kirchplatzes zählen.
Das Sanierungsgebiet Wolgast's umfasst die Schlossinsel
sowie den Stadtkern innerhalb der historischen mittelalterlichen Stadtmauer,
deren Reste noch am Lustwall in der Oberwallstraße und in der Straße 'An der
Stadtmauer' zu bewundern sind.
Wohnhäuser der mittleren und ärmeren sozialen
Schichten aus der Zeit des Mittelalters sind in den Vorstädten Wolgast's, der
Kronwiek, Fischerwiek und der Bauwiek, leider kaum noch in ihrer
Ursprünglichkeit angesiedelt. Die Erhaltung und Bewahrung der noch vorhandenen
historischen Bausubstanz in diesen Gebieten sowie im Sanierungsgebiet spielt in
der derzeitigen Bautätigkeit eine wichtige Rolle. Um ökonomische Zwänge
weitestgehend zu bewältigen, ist eine rege Zusammenarbeit zwischen Architekten,
Sanierungsträgern, Bauherren und der Denkmalschützern unumgänglich.
Besonderes
Augenmerk hinsichtlich der Belange des Denkmalschutzes wurde auf die Seebäder
Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck mit ihren wunderschönen, meist drei-
bis viergeschossigen Pensionsvillen mit Jugendstilelementen wie
pfeilergestützten Veranden, Balkonen, Fachwerkdetails sowie hölzerne
Dachüberständen gerichtet.
Die Seebäderarchitektur – eine Bauleistung aus der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hier vor allem im letzten Jahrzehnt
entstanden, wurde durch den Bau von Hotels, Pensionen und Privatvillen zur
entscheidenden Erwerbsgrundlage für die Bewohner der Badeorte.
In der
Denkmalliste von 1986 stehen lediglich 3 Objekte dieser Gebäude unter
Denkmalschutz. Seit 1990 wurden ca. 450 Gebäude/-teile/Ensembles in den
Seebädern unter Denkmalschutz gestellt. Den tätigen Baufachleuten in den
Seebädern kann großes Engagement bescheinigt werden, erstrahlen doch Villen wie
'Asgard',
'Am Meer', 'San Remo' und das ehemalige Gemeindehaus in Zinnowitz wieder in
ihrer ursprünglichen Eleganz. Eine denkmalgerechte Sanierung kann auch dem Hotel
'Zur Post' in Bansin bescheinigt werden, in Heringsdorf sind es u. a. Hotel
'Stadt Berlin', 'Villa 'Härte', in Ahlbeck Hotel 'Augusta Viktoria',
'Strandschloss', 'Am Meer' und eine Anzahl an dieser Stelle nicht genannter
Objekte.
Der Landkreis Wolgast weist eine stattliche Zahl Fischer- und
Bauernhäuser sowie herrschaftliche Gutshäuser wie z. B. in Kamminke,
Korswandt, Ulrichshorst, im Lieper- und Usedomer Winkel, Krummin, Neeberg,
Neuendorf und Freest mit ihrer typischen Rohreindeckung auf. Teilweise mit
Fachwerk, Lehm- oder Ziegelgefachung, Zargenfenster und Glockenschornsteinen
sind diese für die Region schützenswert, und unbedingt in ihrer Schlichtheit zu
bewahren, zeugen sie doch von der kargen Lebensweise ihrer ehemaligen Besitzer.
Diese Gebäude einer Modernisierung zu unterziehen, dabei den Erfordernissen der
heutigen Zeit an eine moderne Wohnkultur gerecht zu werden und gleichzeitig das
äußere Erscheinungsbild zu bewahren, soll Aufgabe der Architekten und des
Denkmalschutzes sein. Einem Verlust dieser zur Region gehörenden Bauern- und
Fischerhäuser bedeutet immer ein Verlust pommerscher Geschichte.
Anliegen aller soll es sein, in diesen Städten die zwar renovierungsbedürftige
kleinstädtische Struktur, die typische Art der Gebäude mit ihren unbedingt
erhaltenswerten wunderschönen Haustüren sowie die traditionelle
Straßenpflasterung zu bewahren. Wichtige Baudenkmale von außerordentlichem
historischem Wert sind im Landkreis Wolgast die Kirchen. Die Städte Wolgast,
Usedom und Lassan sowie die Dörfer mit ihren Gotteshäusern und Friedhöfen sind
Zeugen vom Leben und Leiden vergangener Generationen. Fast alle Kirchen des
Landkreises befinden sich unter Denkmalschutz bzw. sind seit 1990 unter Schutz
gestellt.
Im Jahre 1994 erfolgte im Landkreis Wolgast die Erfassung aller
schützenswerten Gebäude, Gebäudeteile und Ensembles durch das Landesamt für
Denkmalpflege in Schwerin. So erhielten ca. 850 unter Denkmalschutz
gestellte Objekte ihren gebührenden Wert als eingetragenes Denkmal. Durch
umfangreiche Fördermaßnahmen, auch mit Hilfe von Denkmalpflegmitteln sind sie
heute in ihrer einstigen Schönheit zu bewundern.
Quelle: Landesamt für Kultur und
Denkmalpflege in Schwerin
|