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Geschichtlicher Überblick von Ungarn

 

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896 Eintreffen der Ungarn in der Donauebene unter der Führung des Fürsten Arpad.

955 Niederlage der ungarischen Reiter auf dem Lechfeld bei Augsburg. Ende der Einfälle in den Westen.

1000 Krönung Stephans des Heiligen, des ersten Königs von Ungarn.

1077 Thronbesteigung Ladislaus I. - Festigung des Feudalregimes.

1222 Andreas II. gewährt dem aufständischen Adel die Goldene Bulle, welche die jährliche Einberufung von zwei Landtagen vorschreibt und eine der Grundlagen der zukünftigen Verfassung sein wird.

1241 Die von Batu Khan befehligten Mon­golen fallen in das Land ein und vernichten die ungarische Armee bei Mohi. Die ungarische Geschichts­schreibung verleiht dieser Invasion weiterhin den Namen Tatarfaras (Einfall der Tataren), aber in Wirklichkeit sind die Tataren gerade von den Mongolen an den Grenzen Sibiriens vernichtend geschlagen worden.

1301-1308 Erlöschen der Arpadischen Dynastie, Thronbesteigung der Anjou (Karl-Robert, Ludwig der Große).

1387 König Sigismund von Luxemburg heiratet die Tochter Ludwigs des Großen und wird König von Ungarn. In der Folgezeit wird er zum König von Böhmen und Kaiser von Deutschland gewählt werden.

1456 Janos Hunyadi besiegt die Türken bei Belgrad.

1458 Regierungsantritt Matthias Corvinus, des Sohnes Hunyadis. Ungarische Renaissance, Höhepunkt des Königreichs.

1514 Nach dem Tode Matthias Corvinus (1490) geht die Krone an die polnischen Fürsten, die Jagellonen, über. Unter ihrer Herrschaft ist das Land schweren Unruhen ausgesetzt. Der große, von dem Szekler Adligen Gyorgy Dózsa geleitete Bauernaufstand wird grausam unterdrückt.

1526 Schlacht von Mohacs, Vernichtung der ungarischen Armee durch Suleiman II. Ende der ungarischen nationalen Unabhängigkeit. Das wehrlos gemachte Ungarn wird von zwei Königen regiert: Ferdinand von Habsburg, der vom Landtag von Pressburg gewählt worden ist, und Janos Szapolyai, der Wojwode von Siebenbürgen, der vom Landtag von Fehervar gewählt worden ist und den Sultan als seinen Lehnsherren anerkennt.

1541 Besetzung Budas durch die Türken. Von nun an gehört Mittel- und Süd­ungarn zum Osmanischen Reich. Die westlichen und nördlichen Provin­zen sind unter dem Szepter der Habs­burger. Siebenbürgen allein wird seine Unabhängigkeit bewahren.

1552 Das in Torda versammelte sieben­bürgische Parlament garantiert die Religionsfreiheit in Siebenbürgen und verkündet, dass niemand seiner religiösen Überzeugungen wegen seines Amtes beraubt werden darf.

1553 Niederlassung der Jesuiten in Ungarn, Beginn der Gegenreformation.

1604 Beginn des von Istvan Bocskay, des Fürsten von Siebenbürgen, gegen die religiöse Intoleranz geführten Kampfes.

1613-1660 Goldenes Zeitalter Siebenbürgens.

1678 Graf Imre Thököly löst den ersten Kuruzzenkrieg gegen die Machtmissbräuche Wiens aus.

1686 Buda wird den Türken wieder abge­nommen.

1699 Vertrag von Karlowitz (KarIóca) zwischen den Habsburgern und den Türken. Die Türken ziehen sich, außer in der Gegend von Temesvár (heute Temeschwar in Rumänien), aus Ungarn zurück.

1703-1711 Unabhängigkeitskrieg, der von Franz II. Rákózi gegen die Österreicher geführt wird.

1716-1718 Die Armeen des Prinzen Eugen von Savoyen verdrängen die Türken endgültig aus dem ganzen ungarischen Territorium.

1740-1780 Regierung Maria Theresias, durch den Österreichischen Erbfolgekrieg und den Siebenjährigen Krieg gegen Friedrich den Großen geprägt. Anfänge der modernen ungarischen Literatur.

1780-1790 Regierung Josefs II. (der «König im Hut», weil er nie die Krone Ungarns getragen hat). Aufgeklärter Absolutismus.

1792 Verschwörung Martinovics' und der ungarischen Jakobiner. Zwei Jahre darauf verhaftet die österreichische Polizei die Verschwörer. Sieben werden auf dem « Blutacker» (Vérmezö) in Buda hingerichtet. Ein Teil der ungarischen Intelligenz wird in österreichische Gefängnisse geworfen.

1825 Gründung der Akademie der Wissenschaften Ungarns durch Graf István Szechenyi und Beginn der «Ära der Reformen».

1848 Am 15. März Ausbruch des Aufstandes in Pest.

1849 Proklamation der Unabhängigkeit Ungarns. Am 13. August kapituliert Arthur Görgey, der Oberbefehlshaber der ungarischen Armee, bei Világos (Siria) vor den Russen.

1850-1867 Österreichischer Absolutismus, dessen Beginn durch die Regierung Bach markiert wird.

1867 Österreichisch-ungarischer Kompromiss nach der Niederlage Österreichs gegen Preußen. Liberale Regierung unter Géza Andrássy (Ferenc Deáls Deáls Justizminister).

1914-1918 Ungarn nimmt auf der Seite der Deutschen am ersten Weltkrieg teil.

1918 31. Oktober: Bildung des revolutionären Nationalrates von Budapest unter der Leitung des Grafen Mihály Károlyi.

1919 Am 21. März demissioniert Károlyi angesichts der Forderungen der En­tente. Proklamation der Diktatur des Proletariats und der Räterepublik unter der effektiven Leitung Béla Kuns. Am 31. Juli wird die ungarische Kommune, die schwere militärische Rückschläge erlitten hat, vernichtend geschlagen. Budapest wird von den Rumänen besetzt. Kurz darauf setzt Miklós Horthy eine Rechtsregierung ein. Die ersten Monate ihrer Existenz stehen unter dem Zeichen des Weißen Terrors.

1920 Vertrag von Trianon. Ungarn wird um zwei Drittel seines Territoriums amputiert: im Norden die Slowakei, im Osten Siebenbürgen, im Süden das Banat und Kroatien, im Westen einige an Österreich angeschlossene Orte.

1939 Ungarn gehört dem Anti-Komintern-Pakt an, was ihm 1940 dank des deutsch-italienischen Schiedsspruches den Wiedergewinn eines Teiles der verlorenen Provinzen, insbesondere in der Slowakei und in Siebenbürgen, einbringt.

1941 Selbstmord des Ministerpräsidenten Graf Teleki, der einen Freundschaftsvertrag mit Jugoslawien unterzeichnet hat und den Durchzug der deutschen Truppen durch das ungarische Staatsgebiet billigen soll. Im Dezem­ber erklärt Ungarn den angelsächsischen Ländern den Krieg.

1943 Zusammenbruch der auf Seiten der Deutschen gegen die Sowjets kämpfenden ungarischen Armee. Die Regierung Kállay, die eine Schaukelpolitik verfolgt, versucht, sich den Alliierten anzunähern.

1944 Am 19. März besetzen die Deutschen durch Überrumpelung das Land. Im Oktober kündigt der Reichsverweser Horthy an, dass er die Alliierten um Waffenstillstand bittet, aber die Deutschen verhaften ihn und setzen eine faschistische Pfeilkreuzler-Regierung ein.

1945 4. April: Befreiung des Staatsgebietes durch die Russen. Einsetzung einer provisorischen Regierung, in der die antifaschistischen Parteien vertreten sind.

1947 Unterzeichnung des Friedensvertrages mit den Alliierten. Ungarn wird um die 1940 zurückerstatteten Gebietsteile amputiert. Heute noch wird der Verlust Siebenbürgens, wo 1.700.000 Ungarn leben, im ganzen Land grausam empfunden.

1948 Jahr der Wende. Verstaatlichung von Banken und Industrie, Vereinigung der sozialdemokratischen und der kommunistischen Partei unter Führung der letzteren. Verhaftung des Komplottes und der Devisenschiebung beschuldigten Kardinals Mindszenty.

1949 Verhaftung des Außenministers László Rajk, der bald seine Hinrichtung folgt. Errichtung der Volksdemokratie unter Mátyás Rákosis Leitung. Start des ersten Fünfjahresplanes.

1953 Am 4. Juni verliert Rákosi das Mini­sterpräsidentenamt zugunsten Imre Nagys, der eine durch die Abschaffung der Internierungslager und die Erhöhung des Lebensstandards gekennzeichnete neue politische Ära einleitet.

1955 Der des Deviationismus beschuldigte Imre Nagy wird abgesetzt. De facto übernimmt Rákosi die Zügel wieder.

1956 Rákosi ist gezwungen, Rajk zu rehabilitieren und seine Selbstkritik zu vollziehen. Angesichts der allgemeinen Unzufriedenheit verschwindet er jedoch vor Erno Gero, der versuchen wird, seine Politik fortzusetzen. Am 23. Oktober bricht in Budapest der Aufstand aus und dehnt sich über das ganze Land aus. Nach einigen Tagen der Unschlüssigkeit schlägt die sowjetische Armee am 4. November die Aufstandsbewegung nieder und setzt die Regierung János Kádár ein.

1958 Im Juni wird Imre Nagy nach einem Geheimprozess hingerichtet.

1960 Liberalisierungen im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich, die unter dem Begriff „Gulaschkommunismus“ bekannt wurden.

1987/1988 Oppositionsgruppen treiben den friedlichen Systemwechsel voran und die Legitimität der sowjetischen (faktisch russischen) Vorherrschaft wird in Frage gestellt.

1988 tritt der inzwischen greise Kádár unter dem Druck der Verhältnisse auf einem Sonderparteitag der Staatspartei USAP zurück, Nachfolger wird Károly Grósz.

1989 hat Ungarn einen entscheidenden Anteil an der politischen Wende in den ehemaligen Ostblockstaaten und damit auch an der friedlichen Revolution in der DDR, die den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands ebnete. Ungarn wird politischer Teil des westlichen Staatensystems. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wird auch das ungarische Staatswesen erneuert. Am 23. Oktober wird die Republik Ungarn ausgerufen.

1990 finden die ersten freien Parlamentswahlen Ungarns seit 1947 statt. Ministerpräsident wird József Antall, Staatspräsident Árpád Göncz.

1999 tritt Ungarn der NATO bei.

2004 tritt Ungarn der Europäischen Union bei. Die anfängliche Begeisterung wich aber angesichts der sich wirtschaftlich verschlechternden Lage zahlreicher Menschen (insbesondere alter Menschen) einer Ernüchterung. Die Folge sind Resignation und politisches Desinteresse, was sich auch schon in der Wahlbeteiligung des Referendums zum EU-Beitritt am 12. April 2003 ausdrückte: Zwar stimmten 84 % für den Beitritt, aber lediglich 45,6 % der acht Millionen Wahlberechtigten gingen zur Abstimmung.

2005 gewinnt László Sólyom, der ehemalige Präsident des ungarischen Verfassungsgerichts, die Wahl zum Präsidenten.

 
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