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Slawische Religionen

 

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Die Slawen sind eine Völkergruppe der indogermanischen Sprachfamilie, deren ursprüngliche Heimat vermutlich zwischen Weichsel und Dnjeper lag. Seit dem 5. Jahrhundert haben sie sich auf der einen Seite bis hin zur Ostsee und Elbe auf der anderen bis zum Adriatischen und Schwarzen Meer verbreitet und sich in verschiedene Völker aufgespaltet. Ihre Bekehrung zum Christentum erfolgte zu sehr verschiedenen Zeitpunkten. Sie begann bereits im 6. Jahrhundert in Pannonien, zu Ende des 9. Jahrhundert bei den Kroaten-Serben und Bulgaren sowie bei den Tschechen und Slowaken; die Polen und Russen wurden im 10. Jahrhundert, die Saale-, Elbe- und Ostseeslawen erst im 11. und 12. Jahrhundert bekehrt.

Erforschung

Infolge ihrer Entfernung von den Kulturzentren des Altertums haben antike Schriftsteller nichts über die Religion der alten Slawen berichten können. Erst der byzantinische Chronist Prokop (6. Jahrhundert) bringt in seinem Buch über den Gotenkrieg eine kurze Notiz, in der er sagt, dass sie einem Gott des Blitzes opfern und Gottheiten der Flüsse und Nymphen verehren und bei den Opfern weissagen. Über die Bekehrung der Wenden in Mecklenburg und Pommern liegen Berichte von Kirchenschriftstellern vor (Thietmar v. Merseburg, gest. 1018, Saxo Grammaticus, gest. um 1110, Helmold, gest. nach 1177, die Biographen des Pommern-Bekehrers Otto v. Bamberg, 12. Jahrhundert), aus denen sich ein Bild vom Glauben und Kult der heidnischen Wenden gewinnen lässt. Über die Religion der übrigen Slawen fließen die Quellen überaus spärlich (die bedeutendste ist die Kiewer Nestor-Chronik um 1110), offenbar war den slawischen Verfassern das Heidentum ihrer Vorfahren schon fremd geworden. Weitere, wenn auch unsichere Quellen sind Heldenlieder, Märchen und oft sehr alte Festbräuche.

Als die Gelehrten der slawischen Völker seit dem 17. Jahrhundert sich der Erforschung des altslawischen Glaubens zuwandten, ließen sie sich von dem Wunsch leiten, einen slawischen Olymp zu konstruieren, der dem der Griechen nicht nachstehen sollte. Dadurch entstanden zwar eindrucksvolle Darstellungen, doch hat bei ihnen oft mehr die Phantasie als die strenge Forschung den Griffel geführt. Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, eine Geschichte der slawischen Religion zu geben, noch erhalten wir eine Antwort auf vieles, über das andere Glaubensformen Aufschlüsse zu geben suchen. Die nachfolgende kurze Zusammenfassung beschränkt sich daher auf eine gedrängte Darstellung dessen, was als gesichert gelten darf.

Die übernatürlichen Mächte

Aus der indogermanischen Urzeit haben die Slawen anscheinend nur den im Veda vorkommenden Gewittergott Pardschanya bewahrt, falls dieser nämlich mit dem Blitzgott, den die Litauer Perkunas, die Slawen Perun nannten, etymologisch identisch ist. Von den meisten slawischen Völkern unter ähnlichen Namen verehrt wurde der Feuergott Swarog. Die Russen beteten ihn noch im 13. Jahrhundert unter dem Namen Swaroshitsch (Feuerchen) an. Es ist nämlich eine Eigentümlichkeit der Slawen, dass sie ihre Götter gern mit Koseformen bezeichneten. Als sein Sohn gilt der Sonnengott Dashbog, der ebenso wie sein Vater in Kiew ein Standbild hatte. Mit Swaroshitsch identisch ist anscheinend der Gott der Oderslawen, der in Stettin als Triglav (Dreikopf), auf Rügen als Swantewit (richtiger Svetovit), in Havelberg als Jarowit bekannt war. Die Slawen haben das indogermanische Wort für Gott „deva“ verloren und durch das gemeinslawische „bog“ (im Sanskrit: bhaga = Glück), was „Habe, Reichtum“ bedeutet, ersetzt, ein passender Name, weil man von den Göttern Fruchtbarkeit der Felder usw. erwartete. Wenn ein böser Gott Tscherno-bog (schwarzer Gott) genannt wird, so liegt dabei wohl eine Anpassung an den christlichen Teufel vor. Ein ihm entsprechender „weißer Gott“ Bielobog ist in alter Zeit nicht nachweisbar und wahrscheinlich erst von Chronisten des 15. bis 17. Jahrhundert erdichtet worden. Das auch heute wieder von manchen Forschern behauptete Vorhandensein eines Dualismus zwischen einem guten und bösen Prinzip bei den alten Slawen ist daher sehr fraglich. Natürlich haben die Slawen als Gegenstück zu den Göttern auch Dämonen gekannt, die mit dem gemeinslawischen Wort „besy“ bezeichnet wurden. Andere dämonische Wesen sind die den Sirenen vergleichbaren Wilen und die gleichfalls weiblichen Rusalken, die meistens am oder im Wasser leben und mit den Menschen Schabernack treiben. In Polabien wurde eine Göttin Siva als Lebensspenderin verehrt (ihr Name lebt vielleicht in dem Ortsnamen Schivelbein weiter). Der Gott der Unterwelt, der die Toten in diese hinabführt, ist Weles (Wolos). Neben diesen gab es noch eine große Zahl von Gottheiten der Natur, wie des Mondes, des Windes, Schicksalsgöttinnen, Nixen, Hausgeister, Werwölfe, Vampyre usw. (das Wort Vampyr ist mongolischen Ursprungs und bedeutet Fresser). Eine merkwürdige Gestalt ist der im Igor-Lied erwähnte Trojan, der heute noch auf dem Balkan als Geist in der Dunkelheit eine Rolle spielt. Es ist dies der römische Kaiser Trajan, der zu Anfang des 1. Jahrhundert n. Chr. Dakien unterwarf. Dass ein feindlicher Herrscher als überirdisches Wesen verehrt und gefürchtet wird, hat eine Parallele in dem Napoleonkult einer russischen Sekte des frühen 19. Jahrhundert

Der Kultus der Himmlischen ging in ältester Zeit in einfacher Form vor sich. In der Periode, aus der uns eingehende Berichte vorliegen, war er hoch entwickelt. Der Merseburger Bischof Thietmar erzählt um 1015 von dem prächtigen, mit geschnitzten Götterbildern reich versehenen Tempel des „Zuarasici“ (Svarozic) in Radigost („Riedegost“, als Rethra in Mecklenburg bezeichnet). Ihm war ein heiliges Ross geweiht, das der Priester für Orakelzwecke verwendete. Im Ringwall von Arkona auf Rügen, das König Waldemar von Dänemark 1168 eroberte, stand in einem Heiligtum das Bildwerk eines bärtigen vierköpfigen Gottes, der in seiner Rechten ein Horn aus Metall trug, das alljährlich mit Met gefüllt wurde, um aus der Art der Beschaffenheit der Flüssigkeit die im nächsten Jahr zu erwartende Ernte vorauszusagen. Bei den heiligen Handlungen musste der Priester den Atem anhalten, um den Gott nicht durch seinen Hauch zu verunreinigen. Nach der Nestorchronik ließ Wladimir 980 in Kiew eine gewaltige Holzstatue des Perun mit silbernem Kopf und goldenem Schnurrbart errichten, wobei Söhne und Töchter geopfert wurden. Als sich der Herrscher 988 in Cherson (Krim) hatte taufen lassen, ließ er nach seiner Rückkehr die Statue des Perun an den Schweif eines Pferdes binden, unter Verabreichung von Geißelhieben durch zwölf Männer durch die Stadt schleifen und schließlich in den Dnjepr werfen.

Die Feste waren in erster Linie solche, die mit dem Kreislauf des Jahres zusammenhingen, es wurden dabei Fruchtbarkeitsriten vollzogen und Festmähler veranstaltet.

Ob es einen besonderen Priesterstand gab, der die Tier- und Menschenopfer darbrachte, aus dem Vogelflug oder aus geworfenen Losen weissagte und allerlei Zauberhandlungen ausführte, wissen wir nicht. Helmold (nach 1170) berichtet in seiner „Slawenchronik“ von den Priestern des Swantewit bei den Wenden auf Rügen: „Im Vergleiche zum Priester hat bei ihnen der König geringe Ehrfurcht, denn jeder erforscht die Antworten und erkundet den Ausgang der Lose. Jeder hängt ab von dem Winke der Lose, aber König und Volk hängen von seinem Winke ab.“

Die Vorstellungen von dem leben nach dem Tode

Die Toten wurden, jedenfalls in späterer Zeit, verbrannt. Bei dem Leichenbegräbnis wurden große Schmausereien veranstaltet. Fürstlichen Personen wurde eine Begleitung in den Tod mitgegeben. Der arabische Reisende Ibn Fadlan erzählte 921 n. Chr. von einer Leichenverbrennung, bei welcher ein Mädchen verbrannt wurde, nachdem sie mit einem Strick erwürgt und mit einem Dolch erstochen worden war. Von den Seelen wurde angenommen, dass sie in der Nähe ihres Bestattungsortes weilen, diesen aber auch umherschweifend verlassen können. Die sog. Kurgane der Ostslawen, d. h. hölzerne Hütten im oberen Teil der kegelförmigen Grabhügel, waren als Aufenthaltsorte der Seelen gedacht, wenn sie sich von ihren Ausflügen ausruhen wollten.

 

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