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Bekannt ist die "Strada
Alta", jener Wanderweg, der an der Nordseite von Airolo bis Biasca verläuft und
mit mächtigen Brückenbauten in der Talsohle über den Ticino-Fluss beeindruckt.
Weiter oben findet man eine Welt voll Geläut von Kuhglocken, voll rauschender
Bäche, von weißen Berggipfeln und tiefgrauen Gebirgsseen. Leider nur zu bekannt,
so dass man vor lauter "Grüzisagen" ganz außer Atem kommt, und derartig
ausgebaut, dass die Einheimischen von der "Strada Asphaltaa"
sprechen. Diesen Weg wollen wir lieber links liegen lassen und einen etwas
geheimeren Pfad einschlagen. Da wir in Airolo aufbrechen und am nächsten Tag in
Faido ankommen, muss man das Auto hier oder dort stehen lassen und eine Richtung
mit dem Zug fahren.
Ab Airolo folgen wir zunächst der "Strada Alta", steigen
durch die Dörfer Madrano und Brugnasco und erreichen nach anderthalb Stunden die
Mittelstation der steilsten Schienenseilbahn der Welt, die uns von Altanca bis
unter den Ritom Stausee emporhebt.
Der Fahrer ist ein begeisterter Wanderer, verliebt in diese
Ecke und gerne bereit, die verschiedenen Marschrouten zu erklären. Mit einem
skeptischen Blick auf unsere Tennisschuhe meint er, wir sollten eine mittlere
Strecke wählen und erst einmal bis zur Capanna Cadagno kommen, wo man
übernachten könne. Am schillernden See gehen wir linkerhand vorbei, um dann
durch grobes Geröll zum kleineren Lago di Tom aufzusteigen. Schon seit einer
Weile wird uns das Läuten von hundert Kuhglocken zugeweht, interpunktiert von
den kehligen Rufen des Hirten, denn hier oben erwartet uns ein kurioser Anblick:
Da schwimmt eine braune Kuh mitten im See! Die verschwitzte Bauersfrau findet
trotz allem Zeit, uns zu grüßen und zu erklären, dass das Tier zum Veterinär
muss und aus Angst geflüchtet ist.
Dann rennt sie weiter. Mitten durch die Herde geht unser Weg,
hinab zum Lago Cadagno und weiter zum Capanna, wo wir in einer Hütte auf
Matratzen übernachten. Am nächsten Morgen sollte man nicht allzu spät aufstehen,
da man fast sieben Stunden unterwegs sein wird. Ein kräftiges Frühstück ist
angebracht und Proviant für den Marsch. Wir steigen zuerst in etwa zwei Stunden
zum Passo Sole, und obwohl wir August haben, liegt hier oben etwas Schnee. Von
der Passhöhe sehen wir bis hinüber ins Adulamassiv, unter uns breitet sich das
wieder grüne Tal von Santa Maria aus.
Wir wandern den rechten Weg hinab, lassen einen weiteren
kleinen See links liegen und beginnen den Anstieg zum Passo Predelp. Spätestens
jetzt müssen wir einsehen, dass Bergschuhe doch angebracht sind. Ein Rutschen
auf den oft steilen Traversen könnte böse Folgen haben.
Auch ist der Weg hier leicht zu verlieren, aber wir wissen
ja, dass der Pass irgendwo da oben sein muss. Wieder werden Anstrengungen durch
den Anblick des Lukmanier-Sees erleichtert, der auf halber Höhe hinter uns
erscheint und bei Erreichen des Passes großzügig daliegt. Wir schauen steil
hinunter auf Predelp. Weiter hinten öffnet sich erneut die Leventina. Nach einem
kleinen Imbiss sind wir doch froh, nun wieder einen gut markierten Weg vor uns
zu haben. Denn auch bergab sind 800 Höhenmeter zu spüren, und man ist dankbar,
dass von Predelp ein Postauto nach Faido hinunterfährt.
Die Straße kreuzt bei Osco eine andere, und die vielen
Wanderer machen uns neugierig: Wir fragen, und richtig, das war sie wieder - die
Strada Asphaltaa.
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