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Wir sitzen unter der Tragfläche
eines Segelflugzeuges auf dem Flugplatz in Eskilstuna, außerhalb von Stockholm.
Um uns herum stehen in dichter Formation 116 der besten Piloten mit ihren
Segelflugzeugen und warten darauf, von einem der Schleppflugzeuge hochgezogen zu
werden. Spannung liegt in der Luft, aber der schwedische Pilot lächelt nur und
lässt sein Gesicht von der Sonne wärmen.
Nie wieder werden sich so viele Weltklasse-Segelflieger gemeinsam in die Luft
erheben. Es sind die letzten mehrklassischen Segelflugweltmeisterschaften, bevor
das Format aus Sicherheitsgründen geändert wird. Hier starten innerhalb von
eineinhalb Stunden 116 Segelflugzeuge – das sind doppelt so viele Flugzeuge wie
am Londoner Flughafen Heathrow. Und das alles ohne Flugsicherung.
Der Segelflugwettbewerb wurde vom schwedischen Sportverband als „grün“
eingestuft. Die schwedischen Organisatoren haben alle Anstrengungen unternommen,
um die Belastung für die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Man hat z. B
die Propeller der Schleppflugzeuge modifiziert, um den Lärm zu reduzieren.
Außerdem befinden sich die Schleppflugzeuge nur so lange in der Luft, wie es zum
Starten der Segelflieger notwendig ist. Die Wettbewerbsteilnehmer kommen aus der
ganzen Welt.
Die Segelflugzeuge folgen wie bei einem Formel-1-Grand-Prix einer bestimmten
Aufstellung. Jeden Morgen erscheinen die Piloten zu einer Besprechung, bei der
ihnen die Wettervorhersage sowie ihre jeweilige Aufgabe – gewöhnlich ein Flug
zwischen 300 und 600 km – mitgeteilt wird. In der Luft befindet sich eine
virtuelle Startlinie, gefolgt von einer Reihe von Wendepunkten, die die Piloten
passieren müssen, bevor sie zurückfliegen.
Bei einem klaren, blauen Himmel über den sich weit erstreckenden schwedischen
Kiefernwäldern kann Ortskenntnis ein entscheidender Vorteil sein. An einem Tag
mit starken Aufwinden misst man sich mit der Natur. Dann geht es mehr Mann gegen
Mann.
Das Außenlanden, d. h. das Landen außerhalb des Flugplatzes, ist oft eine
ernsthafte Erwägung. Im Falle einer Außenlandung muss das Segelflugzeug
auseinander genommen, auf seinen Anhänger verfrachtet und nach Hause gezogen
werden. Die meisten in einem Wettbewerb eingesetzten Segelflugzeuge kosten um
die 80.000 Euro. Kohle- und Glasfasern werden geschliffen, um Flugzeuge mit
Spitzengeschwindigkeiten von über 250 km/h und einem Gleitverhältnis von 1:60
oder besser herzustellen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass ein
Segelflugzeug, das 1 km über dem Boden startet, 60 km
fliegen kann, bevor es
landen muss.
Das Flugzeug ist bei engen Kurven in einer Thermik starken Gravitationskräften
ausgesetzt. Eine starke Thermik kann ein Segelflugzeug bis zu vier Meter pro
Sekunde anheben. Viele Leute meinen, Segelfliegen sei eine ruhige Angelegenheit,
wie Heißluftballonfliegen. Sie ahnen nicht, dass man durch die Luft saust und
das Cockpit dabei von Turbulenzen erschüttert wird. Also nicht der gesetzte
Gentleman-Sport, den sich einige darunter vorstellen.
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