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Das voll gepackte Schiff schlingert sich
gemächlich durch die romantische Inselwelt zwischen dem schwedischen Festland
und der offenen See. Hier liegt Stockholms Sommerparadies, und von vielen
Landungsbrücken oder kleinen Sommerhäuschen winken die Sommergäste dem
vorbeifahrenden Schiff zu.
Wir sind auf dem Weg nach Gotland. Um elf
Uhr geht die Sonne unter, aber schon um halb drei wird es wieder hell am
Horizont, und während das Herz des Schiffes langsam und stetig klopft, erleben
wir den herrlichsten Sonnenaufgang über den schimmernden, leicht bewegten
Wellen. Zuerst wie eine lange Zigarettenkiste, dann immer deutlicher
hervortretend am Horizont, bis wir schließlich Bäume und Häuser unterscheiden
können, rückt uns die Insel näher, bis wir schließlich in den Hafen von Visby
einlaufen.
Wir gehen durch die alte Stadt und wenn nicht die Autos herumschwirren würden,
so dass man sich immer wieder in den engen, winkeligen Gassen an eine Wand
drücken muss, könnte man glauben, dass wir im Mittelalter gelandet sind. Mauern
und Ruinen aus der Zeit, wo Dänen, Schweden, Lübecker und Russen sich um die
Vorherrschaft in der Ostsee stritten und wo in jedem Jahrhundert einige Male
fremde Kriegsflotten und Heere vor Visby auftauchten und Gotland brandschatzten.
Alte Patrizierhäuser, wo die Handelsherren
wohnten, die den umliegenden Markt monopolisiert hatten und den Bauern verboten,
Salz direkt von anlaufenden Schiffen zu kaufen, weil sie selbst das Dreifache
verlangten, Zeugnisse der Zunftherrschaft, unter der Visbys Handwerkerzünfte
durchdrückten, dass man auf den Dörfern weder Schuhe, Kleider oder andere
Bedarfsartikel herstellen durfte, wechseln ab mit Gasthäusern und Cafes.
Wir fahren hinaus aufs Land, wo die alten
Windmühlen grüßen. Man braucht sie heute nicht mehr, wo alles Getreide in den
großen Dampfmühlen vermahlen wird. Kirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert
schlummern dem Morgengottesdienst entgegen.
Es ist Sonntag und tausende Gotländer
pilgern zu einem Freigelände im Dorf Stänga, wo ein großes Sportfest stattfindet
- Stängaspelen, eine "gotländische Olympiade". Aus ganz Schweden
haben sich die Mannschaften versammelt, die einer Sportart huldigen, deren
Ursprung auf Gotland liegt. "Varpa" heißt die kleine Metallscheibe, 4-5
Kilogramm schwer, die in Händen geübter Sportler ruht und so geworfen werden
muss, dass sie mit größter Präzision einen zwanzig Meter entfernten kleinen
Pfosten trifft oder in seine Nähe kommt. Ein ruhiges Spiel, zu dem viel Geduld
und Übung gehört. Es ist auf Gotland entstanden, und die jüngsten Ausgrabungen
haben Beweise dafür erbracht, dass man es bereits in der Steinzeit betrieben
hat. Sein Ursprung wird in der Abwehr gegen Invasionsflotten gesucht. Schon die
kleinen Kinder beginnen sich darin zu üben. Auf der großen Grasfläche drängte
sich das Volk aus allen Bevölkerungsschichten. Das Spiel breitet sich immer mehr
in ganz Schweden aus.
Wir wohnen auf dem Lande, in einem ruhigen,
idyllischen Ferienhaus. Wie herrlich ist es, sich am Meeresstrand zu sonnen oder
zu einem kurzen Bad zwischen den Felsblöcken herumzuwaten. Gras und Blumen haben
die kräftigen, leuchtenden Farben, die man nur am Meer oder auf den hohen
Bergmatten sieht. In den Einzäunungen zu beiden Seiten des lang gestreckten
Badestrandes grasen Kühe. Fern am Horizont zeichnen sich die Konturen der
Karlsinsel ab, die von unzähligen Vogelschwärmen bevölkert ist. Es gibt da unter
den Klippen tiefe Höhlen, in denen man Geräte und Knochen aus der Steinzeit
gefunden hat. Die Menschen, die sich mit ihren kleinen Booten über die Ostsee
wagten, um neue Nahrungsquellen zu suchen, fanden hier eine erste, sichere
Unterkunft. Unter dem Kalkbewurf der Reformationszeit wurden in manchen Kirchen
auf Gotland alte Kirchengemälde entdeckt und restauriert.
Wie im Fluge vergehen die Tage, man isst,
schläft und badet. Einige Schilderungen über das mittelalterliche Gotland sind
mir in die Hände gefallen, man träumt sich zurück in diese Zeit, und ist froh
darüber, dass man nicht damals gelebt hat.
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