Reise- und Urlaubsartikel

Reiseziel: Świnoujście - Swinemünde

 

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Europa sei Dank. Wo früher der Eiserne Vorhang eine unüberwindbare Grenze zwei sich in Schach haltender Blöcke bildete, gehen heute Nachbarn normal miteinander um. Dieser Fortschritt zeigt sich besonders gut am Grenzübergang Ahlbeck/Swinemünde auf der Insel Usedom: Seit dem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen im Dezember 2007 dürfen ihn außer Fußgängern und Radfahrern auch Reisemobile bis 3,5 Tonnen passieren. Wer mit einem schwereren Mobil reist, passiert die Grenze sechs Kilometer südlich bei der Ortschaft Garz. Hier wie da ganz ohne Passkontrolle.

Das macht das Programm auf der geteilten Insel, die als zweitgrößte Deutschlands gilt, nur noch kontrastreicher. Nichts wie rüber also nach Świnoujście, das auf Deutsch Swinemünde heißt. Das Stadtgebiet und jener Teil, der bis zur Swine reicht, einem Meeresarm der Ostsee, bilden den polnischen Part Usedoms. Hier sind Gäste willkommen.

Was es zum Mittagessen geben soll, entscheiden wir schnell. Am ersten Tag unserer Reise mit dem WOMO schmoren Bratkartoffeln mit Pfifferlingen in der Pfanne. Kein Wunder, kostet das Körbchen Pilze in Polen doch gerade mal drei Euro. Welch leckerer Auftakt unserer Reise.

Die meisten Besucher kommen von Ahlbeck aus ins mondäne Seebad Świnoujście hinüber, um dort Badestrand und Kurviertel zu genießen. Wir kommen erst einmal auf dem Campingplatz Relax unter. Die 7,9 Hektar große Anlage mit Laub- und Nadelbäumen erstreckt sich im Grünen zwischen Kurpark und Promenade gerade mal 200 Meter vom Ostseestrand entfernt. Von hier aus können wir alles per Fahrrad erkunden.

Świnoujście ist ein Urlaubs- und Kurort und ein bedeutender Handels- und Fährhafen dazu. Wir radeln zum vier Kilometer langen Strand. Die Urlauber tragen hier Textil: In Polen ist hüllenloses Baden meist verpönt und das Publikum hier überwiegend älteren Semesters. Tatsächlich kommt ein Großteil der Besucher nach Świnoujście, um Erkrankungen von Herz, Kreislauf und der Atemwege auszukurieren. Kinder, die Sandburgen bauen, sehen wir entsprechend selten.

Świnoujście hat eine weiße Windmühle als Wahrzeichen, die als Navigationsmarke am Kopf der Westmole steht. Hier schauen Spaziergänger den großen Fähren hinterher, die Kurs auf Schweden oder Dänemark nehmen. Auf der Insel Wollin steht der mit 68 Metern höchste Leuchtturm der Ostsee.

Wer sich für alte Festungen interessiert, findet am westlichen Swineufer die Engelsburg und die Westbatterie. Sie dienten vorwiegend dem militärischen Schutz der Stadt und des Hinterlandes. Beide Militärbauten stammen aus dem 19. Jahrhundert, wurden um 1940 von den Nationalsozialisten ausgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg von den Sowjets genutzt.

Wir schlendern durch das Kurviertel mit seiner verspielten Bäderarchitektur mit langen Strandpromenaden und freiem Blick auf die Dünen. Gründerzeitvillen, vom Bombenhagel verschont, machen uns bewusst, dass der Ferienort einst Ziel herrschaftlicher Menschen war mit Macht und Geld. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die heute 41.000 Bewohner zählende Stadt polnisch.

Nach unserer dritten Pilzmahlzeit besuchen wir noch den Polenmarkt direkt an der Grenze. Hier kann man an dicht gedrängten Marktständen in Doppelreihen alles Mögliche billig kaufen - von Zigaretten über Cabanossi bis hin zu Miederwaren und Autotuningzubehör. Die Händler sind perfekt auf die deutschen Touristen eingestellt und die Verständigung ist durchwegs kein Problem.  Die Werbetafeln sind vorwiegend in deutscher Sprache abgefasst. Handeln erwünscht.

Bevor wir wieder nach Deutschland fahren, füllen wir unseren Tank mit dem preiswerten polnischen Diesel. Die Kraftstoffe unterliegen in Polen noch einer geringeren Steuerlast als in Deutschland.

 
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