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Rorbu-Urlaub auf den Lofoten

 

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Zunächst nur als flacher Strich, dann schwarz und noch konturlos wächst die steinerne Wand aus dem Horizont, scheint mit jeder Umdrehung der Schiffsschraube das Blau von Meer und Horizont mehr zu teilen, gewinnt schließlich Form: Spitze Zinnen, die sich bis zu 1000 Meter hoch in den Himmel recken, Felsabhänge, die sich selbstmörderisch in die See zu stürzen scheinen, an ihren Füßen Holzhäuser als winzige rote Flecken, davor die weißen Punkte kleiner Schiffe.

Die "Lofotwand", wie die 200 Kilometer lange, fast alpine Felskette dieser Inseln weit nördlich des Polarkreises genannt wird, wirkt auf jeden, der sich ihr von See her nähert, bedrohlich, buchstäblich überwältigend, wenn die Autofähre von Skutvik drüben am norwegischen Festland nach zweistündigem Tuckern schließlich in Svolvaer anlegt. Urgewalten der Natur haben hier in grauer Vorzeit gewütet, Landschaft gestaltet. Eiskalte Schneestürme vom Nordmeer, durch nichts gebremste Sturmtiefs vom Atlantik, monatelange arktische Nacht: die Lofoten, ein Urlaubsgebiet? Und was für eins!

Millionen Dorsche ziehen Anfang Januar aus dem Eismeer hierher, von den Ausläufern des Golfstroms zu den flachen Bänken vor den Inseln gelockt, wo sie ablaichen. Im März und April sorgt hier eine gewaltige Vermehrung des Planktons im Meer dafür, dass die geschlüpften Jungdorsche den Tisch reichlich gedeckt finden, von dem aus die Strömung sie in die fischereiliche Kinderstube der Barentsee treibt. Nach sieben Jahren kehren dieselben Tiere, nun geschlechtsreif, zu den Lofoten zurück, um ihrerseits zu laichen - und gefangen zu werden.

Seit dem elften Jahrhundert hängen Wohl und Wehe der Inselbevölkerung von diesem Kreislauf ab. Schon die Wikinger tauschten gefangene und getrocknete Dorsche gegen Nahrungsmittel und Waren südlicher Regionen. Im späten 19. Jahrhundert entschied der Lofotfang darüber, ob die Kurse an der Osloer Börse stiegen oder fielen. Wenn die Armada der kleinen Boote aus Mittel- und Südnorwegen die Lofoten im April verlassen hat, die Sonne auch nachts nicht mehr unterzugehen beginnt, kommt die Zeit der Touristen. Es sind fast ausschließlich Einzelreisende, die den weiten Weg - gut 1500 Autokilometer ab Oslo - nicht scheuen. Es sind keine Heerscharen. Für sie wäre auf den Lofoten gar kein Platz, denn die vorhandene touristische Infrastruktur darf nicht mit mitteleuropäischen Maßstäben gemessen werden: Es gibt gerade zwei Hotels, 18 Pensionen und Gasthäuser, elf kleine Campingplätze sowie etwa 1000 "Rorbuer". Das sind (meist zweiräumige) Fischerhütten, die ihre eigene Geschichte haben.

Die ersten Rorbuer ließ 1120 der norwegische König Öystein auf den Lofoten bauen. Die Boote der Dorschfischer waren damals noch kleiner als heute, auf ihnen zu übernachten war selbst nach mittelalterlichen Komfortansprüchen kaum zumutbar.

Deshalb wurden an den Anlegeplätzen auf Pfählen im Wasser stehende Hütten gebaut. Ein Raum diente der Aufnahme und Vorbereitung der Fanggeräte, im anderen schliefen acht bis zwölf Männer in winzigen Kojen. Ganz so spartanisch sind Rorbuer heutzutage nicht mehr. Doch wer zum Beispiel im ungemein malerischen Nusfjord die "nur" 200 Jahre alten, restaurierten Hütten aus der hohen Zeit des Lofotfangs besichtigt, bekommt zumindest eine Vorstellung von dem, was früher hart Arbeitenden zugemutet wurde.

Heute dienen Rorbuer fast ausschließlich der Unterbringung von Urlaubern, die ein Ruder- oder Motorboot zum Fischen vor der Haustür, das Glucksen des Wassers direkt unterm Bett und die Illusion des Lebens von anno dazumal schätzen. Noch immer haben Rorbuer meist nur zwei Räume mit vier bis sechs Schlafstellen, doch es gibt heute eine Kochmöglichkeit, Toilette, Strom und oft eine Dusche. Einfache Unterkünfte sind sie jedoch ebenso wie die etwas geräumigeren "Sjoehus" geblieben. Benutzern empfiehlt sich eine gehörige Portion Sinn für Atmosphäre und Hafenmilieu - und am besten schaut man die Unterkunft genau an, bevor man bucht. Die Preise liegen ca. 1000 Kronen pro Rorbu und Nacht auf dem in Norwegen üblichen Niveau für "Hytter", die Hütten, die man am Festland allerorten findet.

Ideales Quartier und Urlaubsgefährt in einem ist für Nordnorwegen-Urlauber natürlich ein Wohnmobil das nicht zu groß sein sollte, um auf den schmalen, aber inzwischen fast ausnahmslos asphaltierten Straßen einigermaßen vorwärts zu kommen.

Natürlich gehört zum Rorbu-Urlaub eine Angel - auch Gelegenheitsfischern haben geliehene Rute und Rolle samt ein paar Meerespilkern schon zu manchem schmackhaften Essen verholfen: In den fischreichen Gewässern Nordnorwegens ist es selbst für Laien fast unmöglich, nichts zu fangen. Es muss ja nicht gleich der 40-Kilo-Rekorddorsch der Lofotfischer sein ...


 

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