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Friesland – ein Land zwei Sprachen

 

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Das Ijselmeer im Westen, das Wattenmeer im Norden, dazwischen Seen und Kanäle. Hat sich der Frieslandbesucher erst mal auf seinem Campingplatz eingerichtet, wird er es den Friesen gleich tun und die nächsten Ziele mit dem Fahrrad ansteuern. Auf zweispurigen Radwegen gelangt man an so mancher Schleuse oder Klappbrücke vorbei. Hier kann man stehen bleiben und den vielen Freizeitkapitänen beim Schleusen oder passieren zusehen. Die einzige "Steigung", die man bewältigen muss, ist die kleine Auffahrt zu den Brücken. Wie in den meisten Teilen der Niederlande ist es auch in Friesland tischeben, und so kann man nicht nur weit blicken, sondern schaut Segel- und Motorbooten zu wie sie an weidenden Kühen vorbeifahren. Kaum zu zählen sind die vielen Seen und erst recht nicht die zahlreichen Schiffe, denn Friesland ist ein unbestrittenes Eldorado für Wassersportler.

Friesland, eine von zwölf niederländischen Provinzen, beheimatet rund 650.000 Menschen. Hier wird nicht nur Niederländisch, sondern auch Friesisch gesprochen. Schon an den Ortsschildern wird deutlich, dass die Provinz "Fryslän" zweisprachig ist. Die selbstbewussten Friesen mögen es gar nicht, als Holländer bezeichnet zu werden. Dieser Begriff trifft ohnehin nur auf die Bewohner von Nord- und Süd-Holland zu.

An den Booten und vor den Häusern weht in der Provinz Friesland eine besondere Flagge: Blau-weiße Streifen mit roten Seerosenblättern fallen dem Reisenden sofort ins Auge. Zunächst glaubt man an kleine Herzen, doch die sieben Seerosenblätter symbolisieren die einstigen friesischen Küstenländer des Mittelalters. In die Geschichte taucht man an vielen Stellen der Provinz ein, denn so mancher Ort wirkt wie ein Freilichtmuseum. Ein gutes Beispiel hierfür ist das malerische Örtchen Sloten. Über altes Kopfsteinpflaster, vorbei an kleinen Kaufmannshäusern schlendert man durch die Altstadt und freut sich, wenn man im Straßencafe einen Sitzplatz ergattert. Das Schild "kopje koffie is klar" weist darauf hin, dass hier das beliebte Getränk gebrüht wird. In der prächtigen Slotener Altstadt scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, darauf deutet auch der Pranger hin.

Sloten ist ein Genuss und ein Muss und reiht sich in die vielen herrlichen friesischen Städte ein - auch wenn sie mit ihren 700 Einwohnern nicht größer als so manches Dorf ist. Elf Städte erhielten im Mittelalter in Friesland die Stadtrechte.

In strengen Wintern sind diese Städte auf besondere Weise miteinander verbunden: Frieren die vielen Wasserflächen zu, wird die so genannte "Elf-Städte-Tour" durchgeführt (erstmalig 1890). Auf Schlittschuhen sind dann unzählige Läufer unterwegs und versuchen die rund 200 Kilometer lange Strecke unter 24 Stunden zu bewältigen. Beim letzten Lauf im Jahre 1997 gingen 17.000 Läufer an den Start.

Dass die Friesen begeisterte Anhänger des Segelsports sind, bleibt keinem Urlauber verborgen. Plakate in den Läden, auf Campingplätzen und Häfen sowie Radio- und Fernsehberichte informieren über das beliebte "Skutsjesilen". Es handelt sich hier um eine Regatta mit den großen Plattbodenschiffen, bei der sich die friesischen Städte seit 1820 messen. Das Finale bestreiten dann 14 Schiffe.

Um das Regattafeld herrscht ausgelassene Volksfeststimmung: Tausende Wassersportbegeisterte feuern bei Bier, Käse und Wurst die Segler ihrer Heimatstadt an. Versierte Crews manövrieren die sonst so behäbigen Schiffe, die alle um 1900 gebaut wurden, geschickt um Tonnen herum, ein riesiger Spaß für Segler und Zuschauer gleichermaßen.

Es lohnt sich für den Besuch historischer Städte - wie Dokkum und Stavoren - ausreichend Zeit einzuplanen. In Dokkum soll im Jahre 754 der angelsächsische Missionar Bonifatius ermordet worden sein. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Dokkum zu einem Pilgerstädtchen entwickelt hat. Natürlich lockt auch die idyllische Altstadt mit ihren schönen Bauwerken. Fast großstädtisch wirkt dagegen Leeuwarden mit seinen vielen Geschäften. Die pulsierende Altstadt, ist von einer schützenden sternförmigen Gracht umgeben. Bereits im Mittelalter war die Stadt ein bedeutender Handelsplatz. Heute ist Leeuwarden die Hauptstadt Frieslands. Berühmteste Bürgerin der Stadt war Mata Hari. Die legendäre Tänzerin und Spionin wurde gegen Ende des Ersten Weltkriegs in Frankreich hingerichtet. Das Fries Museum dokumentiert die Lebensgeschichte dieser geheimnisvollen Frau.

Sneek, die zweitgrößte Stadt Frieslands, liegt reizvoll inmitten des friesischen Seengebietes. Das Wahrzeichen der Stadt ist das Brückentor "Waterpoort" aus dem Jahre 1613, das von vielen Wassersportlern passiert wird. Abseits der größeren Städte locken auch kleinere wie Heeg, Balk, Woudsend oder das Örtchen Hindeloopen. Hinter seinem schützenden Deich tummeln sich alte Häuser. Geht man die wenigen Stufen den Deich hinauf, blickt man über das Ijsselmeer, dessen weiter Horizont darüber hinwegtäuscht, dass es sich um ein Binnengewässer handelt. 1932 wurde durch den 30 Kilometer langen Abschlussdeich die einstige Meeresbucht Zuidersee von der Nordsee abgetrennt. Aus Salzwasser wurde mit der Zeit Süßwasser, aus kleinen Lemmer ist mit seinen vielen Sporthäfen eine Metropole des Wassersports. Vor der altehrwürdigen Schleuse "Lemstersluis" drängeln sich die Boote, die hinaus auf das Ijsselmeer fahren wollen. In Lemmer steht auch das älteste Dampfschöpfwerk Europas, das schon in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde.

Als Autofahrer wird man bei seinen Über-Land-Touren gelegentlich dazu gezwungen, den Motor auszuschalten und eine Pause einzulegen, denn der Verkehrsfluss auf den Straßen wird vielerorts durch Brückenzeiten unterbrochen. Dann öffnen sich die jeweiligen Klappbrücken für eine Weile, um die wartenden Sportboote passieren zu lassen. Generell lassen sich Wassersport und Camping in Friesland ideal miteinander kombinieren. Die meisten Campingplätze verfügen über Sporthäfen und bieten Mietboote an. Das Angebot reicht von Segeljollen, über Ruderboote und Kanus bis hin zu Motorbooten.

Auch geführte Wanderungen auf dem Meeresboden sind ein heißer Tipp für Friesland-Urlauber: Über Salzwiesen geht es ins Watt mit freiem Blick auf die der Küste vorgelagerten friesischen Inseln. Sie empfehlen sich übrigens als Ziele für Tagesausflüge mit dem Schiff.


 
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