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Die Reise beginnt mit Verzögerung. Dreißig Minuten Verspätung kündigt der
Kapitän aus dem Cockpit an, der überfüllte Luftraum, Wartezeiten am Boden, man
kennt die Litanei. Die Reiseleitung lässt keinen Leerlauf aufkommen: Das
Besichtigungsprogramm wird "durchgenommen", damit die Passagiere die
Stadtrundfahrt schon einmal im Geiste vorvollziehen können. Das ist auch ratsam,
denn von jetzt bis abends 18.30 Uhr sitzt den Ausflüglern die Zeit im Nacken.
"Viele Wege führen nach Rom", zitiert der Reiseleiter ein anderes Sprichwort,
doch so ein Tagesausflug sei wohl einer der schönsten, "denn da schlafen Sie am
Abend wieder in Ihrem eigenen Bett." Obschon die Gäste daran in diesem
Augenblick zuallerletzt denken.
Mit halbstündiger Verspätung hebt der Jet ab, die Stimmung an Bord ist
aufgekratzt lustig, erste Champagnerfläschchen werden geordert. Nach gut
eineinhalb Stunden landet die Maschine in Campio, einem ehemaligen
Militärflughafen, der für Sonderflüge benutzt wird. "Ein etwas mickriger
Airport", erklärt später die italienische Reisebegleitung, doch sie tröstet:
"Von hier aus startet immer der Papst."
Gegen elf setzt sich die Buskolonne in Bewegung auf die Via Appia Nuova Richtung
Capitol, die erste Station. Im Bus aber reden die Leute zunächst einmal übers
Wetter, das nicht ganz so glänzend ist, wie viele sich das an diesem Tag
vorgestellt hatten. Aber man ist sich darüber einig, dass zu große Hitze beim
anstrengenden Sightseeing ebenso ungünstig ist wie Regen. Bei einer Befragung im
Bus stellt sich heraus, dass die meisten Ausflügler noch nicht in Rom gewesen
sind. Ihren Erzählungen aber ist zu entnehmen, dass es durchaus weit gereiste
Leute sind. Aber die Ewige Stadt lag irgendwie bisher nicht auf der Route.
Auf der Via Appia Nuova kommt der Bus zügig voran, bis er sich, wie die anderen
Fahrzeuge auch, in den Staus des chaotischen Verkehrs in der Weltstadt verkeilt.
Deshalb müssen sich die Passagiere "ein bisschen beeilen", als sie endlich am
Capitol ankommen. Vor dem Aussteigen noch ein bisschen Verunsicherung mit dem
Hinweis, acht zugeben auf Taschen, Geld und Kameras – und das Forum Romanum
liegt den Ausflüglern zu Füßen.
Die Reiseleiterin erklärt, was zu erklären ist. Sie tut es professionell und mit
Charme, gibt ein bisschen Anschauungs- und Geschichtsunterricht, stellt
gelegentlich Fangfragen an ihre Zuhörer, die dann beweisen können, was sie alles
wissen. Eine halbe Stunde, und es geht weiter zum Kolosseum. Der gewaltige Bau
liegt in der Sonne, die jetzt doch die Wolken vertrieben hat, von den Kirchen
der Stadt läuten die Glocken zum Angelus. Erzählt werden die blutrünstigen
Geschichten, die sich um diese gewaltige Arena des Altertums ranken, bei denen
es sich so schön schaudern lässt. Eine Viertelstunde für das Innere des
Rundbaus. "Viel Arbeit haben die Leute damit", stellt voller Respekt eine Dame
fest. "Wie bei uns am Kölner Dom", pflichtet der Mann bei.
Der Bus fährt weiter zum Circus Maximus, zwischen den Hügeln des Palatin und des
Aventin. Möchte jemand aussteigen und fotografieren? Auf jeden Fall
Erinnerungsfotos, die Tempel und Thermen der römischen Kaiser geben eine
phantastische Kulisse. Wir müssen weiter zur Piazza Augusto Imperatore, die
Fahrt geht am Tiber entlang. Unterhalb der spanischen Treppe ist der erste Teil
der Rundfahrt zu Ende. Eine Stunde bleibt Zeit zum Verschnaufen, Essen und
Trinken. Die Gäste verteilen sich in den Trattorias, Bars und Restaurants. Oder
einfach ein schneller Imbiss, man isst nicht, man ist in Rom.
Freiwillige und zusätzlich zahlende Gäste treffen sich nachmittags um drei zu
einer weiteren Stadtrundfahrt. Thema ist das mittelalterliche Rom. Die großen
Plätze und selbstverständlich der Vatikan. Aber wer will, kann den Nachmittag in
eigener Regie verbringen. Immerhin bleiben noch drei Stunden. Wohin also?
Den Tiber entlang über die Engelsbrücke – vor jeder der Figuren möchte man
stehen bleiben – auf den Petersplatz. Zurück zur Piazza Navona, dann zum Corso
und von dort zur Piazza del Popolo. Am besten geht man zu Fuß, aber nicht stehen
bleiben, die Zeit drängt. Rom an einem Tag?
Es gilt, einen Entschluss zu fassen. Von der Piazza del Popolo hinauf auf den
Pincio. Von hier aus hat man einen weiten Blick über die Stadt, die einmal das
Herz der Welt war und für viele Menschen noch immer ist. Die Holzbänke unter den
Pinien sind warm von der Sonne. Von unten dringt, durch die Entfernung gedämpft,
der Verkehrslärm herauf. Denn die Stadt, wenngleich ein gigantisches Museum,
lebt, und die Römer bestimmen ihr Bild mit selbstverständlicher Weltläufigkeit.
Die Touristen aus aller Herren Länder werden absorbiert, die Bürger Roms sind
schon mit ganz anderen Eroberern fertig geworden. Im Park auf dem Pincio spielen
Kinder, Pärchen schmusen, würdige Männer spazieren bedächtigen Schrittes oder
lesen Zeitungen. Sie leben in dieser Stadt, die für die Fremden immer wieder
eine Sensation ist, unerschöpflich. Im Reiseführer steht, dass man vom Pincio
aus die schönsten Sonnenuntergänge von ganz Rom erleben kann. Das Stichwort: Um
sechs startet der Bus zum Flughafen.
Auf der Rückfahrt noch schnell die Via Appia Antiqua. "Das war's", sagen die
Passagiere. Kritisches hört man nicht. Einer seufzt erleichtert: "So
anstrengend, wie ich mir das vorgestellt hatte, war es nicht." Immerhin hat der
Ausflug 285 Euro gekostet, "aber endlich einmal etwas anderes", sagt eine
Mitreisende. Dafür ist Rom natürlich immer gut.
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