Reise- und Urlaubsartikel

Karneval in Venedig - Carnevale di Venezia

 

Startseite

Allgemein
Reiseplanung
Reiseberichte

Afrika

Amerika

Asien

Europa

Sonstige

 

Morgen ist "Giovedi grasso", der "fettige Donnerstag", jener Donnerstag vor dem Aschermittwoch, der einen der Höhepunkte des venezianischen Karneval darstellt. An diesem Tag gibt es besondere Leckereien in den Bäckereien der Lagunenstadt: In siedendem Fett bereitete kleine "Kreppel" oder "Berliner", Castagnole, die kleinere und Fritelle, die größere Ausführung. Hauchdünne Calani gehören zu diesem Dreigestirn süßer Teigwaren.

Es regnet Hunde und Katzen, der Markusplatz liegt in einem tristen Licht, dass wir selbst aus den vielen Sommerurlauben nicht kannten. Dunkel und düster, glänzende Steinplatten auf dem Platz, eine Melancholie breitet sich aus und nur unter den Balustraden der Piazza San Marco finden sich einige Menschen. Selbst die Tauben verstecken sich unter Brücken oder in den Nischen der umliegenden Gebäude. Vereinzelt huschen Kostümierte über den Platz, mit einem Regenschirm bewaffnet, damit das kostbare Gewand keinen Schaden nimmt. Selbst die Touristen haben sich in die Restaurants zurückgezogen. Das kann ja heiter werden mit dem Karneval in Venedig. Wir hatten uns doch so darauf gefreut. Also gibt's nur eins: Einen Bellini, Champagner oder Prosecco mit pürierten Pfirsichen aufgegossen, in Harry's Bar trinken – sündhaft teuer, aber ein Erlebnis – und dann mit dem Schiff wieder nach Punta Sabbione, der Dinge harren, die da so kommen werden. Ein Blick in das italienische Fernsehen lässt hoffen. Es soll schöner werden, trocken und Sonnenschein!

Und tatsächlich am nächsten Morgen scheint die Sonne. Wir nehmen den Bus nach Punta Sabbione. Bei der Ankunft sehen wir schon, heute wird Hochbetrieb in der Lagunenstadt herrschen. Der Busparkplatz ist fast voll und die abgetrennten Standplätze für Reisemobile sind ebenfalls gut belegt. Mit uns auf dem Schiff fährt eine Gruppe junger Menschen von der Halbinsel des Litorale Cavallino. Sie schminken sich auf der Überfahrt noch, wollen Sie doch auf Laufstelzen in historischen Kostümen durch die Stadt gehen.

Kaum angekommen sieht man schon die Touristen-Attraktion "Carnevale di Venezia". Schon nach wenigen Metern, an der offenen Seite der Piazetta, der Molo bleiben wir stehen und schauen zu. Auf den Treppen dieser Molo zum Wasser hin sitzt eine Maske und wird von einer Begleitung zurecht gezupft, sozusagen dekoriert. Rundum gut 20 Fotografen, die sich dieses Foto nicht entgehen lassen wollen und unzählige Fotos schießen. Dann sehen wir die nächsten Maskierten, die in Gruppen, zu zweit oder alleine von der Piazetta in Richtung Markusplatz wandeln. Sie gehen nicht, sie schweben förmlich! Die Tauben haben längst den Platz geräumt und wir schauen uns die zahlreichen Masken von einem der umliegenden Cafes aus an. Zwar wieder nicht gerade ein Sonderangebot, aber so sind wir mittendrin und können erleben, wie sehr sich die Maskierten bemühen gesehen und fotografiert zu werden. Der Karneval in Venedig ist ein großes Theater, ein schönes wohlgemerkt, an dem man bei diesem tollen Wetter wirklich Freude hat.

28 Grad zeigt das Thermometer, für Anfang März schon Rekordtemperatur. Wir machen einen Standortwechsel ins Cafe Florian, wieder ein sündhaft teurer Platz, aber wir sitzen unter Masken. Fast alle Maskierten kommen aus Frankreich! Das erklärt auch die vielen französischen Reisebusse in Punta Sabbione, auf dem Parkplatz, der auch als Stellplatz für Wohnmobile dient. Venezianer als Masken sind hier kaum zu finden. Ein junges Pärchen setzt sich vis a vis zu uns. Wir kommen ins Gespräch, auf Deutsch. Na so was! Ja, sie seien aus dem schwäbischen und würden seit sieben Jahren in der Woche vor Aschermittwoch nach Venedig fahren und dort mit verschiedenen mitgebrachten Kostümen auftreten. Nur tagsüber, obwohl die großen Bälle am Abend stattfänden, doch dazu braucht man spezielle Einladungen und die sind schwer zu bekommen, beim Carneval di Venezia.

Die Geschichte des Carnevals

Die Geschichte des Carnevale ist so alt wie die Stadt selbst. In einem Dokument vom 2. Mai 1268 werden zum ersten Mal die Masken erwähnt. Die Venezianer verstanden sich schon damals aufs Feiern. Bis auf eine kurze Unterbrechung an Weihnachten feierten Sie ihren Karneval von Oktober bis Himmelfahrt. Ihre Blütezeit hatte die Maskerade im 18. Jahrhundert. Trotz Verbot der Herrschenden feierten die Venezianer. Die Masken machten alle gleich:

Dame, Hure, Diener oder Edelmann. Kostümiert ging man ins Theater, ins Cafe, ins Bordell, zum Ball oder in den Spielsalon. Die Maskerade verschleierte die Identität, Geschlecht und Herkunft. Viele der Masken, die auch heute noch auf dem Markusplatz zu sehen sind, erinnern an frühere Zeiten, wie die Figur des Pestarztes, der mit Schnabelmaske und Stab in der Hand auffällt. Oder die Verkleidung des Pantalone, der mit Spitzbart und Hakennase den Geizhals schlechthin personifiziert. Mit dem Ende der venezianischen Republik verschwand auch der Karneval aus dem Leben der Lagunenbewohner. Erst in den 70er Jahren wurde der Carneval von Künstlern, Theaterleuten und Tourismusmanagern wieder aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Zur Freude der Gastronomen, aber zum Leid der Venezianer. Bis Aschermittwoch nämlich ist in der Stadt der Teufel los und hunderttausende von Besuchern, fast mehr als in der Sommer­Hochsaison, schlängeln sich durch die engen Gassen oder über die Plätze.

Wer mit dem Reisemobil nach Venedig möchte, sollte auf die Halbinsel des Litorale Cavalino gehen. Auf dem großen Busparkplatz an der Anlegestelle Punta Sabbione sind Stellplätze ausgewiesen, allerdings ohne Wasser, Strom usw. Man sollte also schon vorher "bunkern". Ebenfalls Stellplätze kann man auf dem öffentlichen Parkplatz an der Anlegestelle belegen. Aber Vorsicht, tagsüber wird das Reisemobil gnadenlos eingeparkt. Also ist die An- und Abreise auch nur Abends gefahrlos möglich. Die Campingplätze der Region, im Sommer Ziel hunderttausender Touristen sind zum Carnevale alle geschlossen.

Auch das Wochenende vor dem fettigen Donnerstag ist chaotisch. Während der Woche, an den Tagen um den Giovedi Grasso ist es am schönsten! Wer weiter außerhalb Station machen will, dem empfiehlt sich Camping Fusina, der das ganze Jahr über geöffnet hat. Eine Bootsverbindung bringt den Karneval-Fan auch über das Wasser in die Stadt.


 

Italien
Reiseartikel schreiben

Sitemap  |  Ferienwohnungen Italien   |  Impressum