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Morgen ist "Giovedi grasso", der "fettige
Donnerstag", jener Donnerstag vor dem Aschermittwoch, der einen der Höhepunkte
des venezianischen Karneval darstellt. An diesem Tag gibt es besondere
Leckereien in den Bäckereien der Lagunenstadt: In siedendem Fett bereitete
kleine "Kreppel" oder "Berliner", Castagnole, die kleinere und Fritelle, die
größere Ausführung. Hauchdünne Calani gehören zu diesem Dreigestirn süßer
Teigwaren.
Es regnet Hunde und Katzen, der Markusplatz liegt in
einem tristen Licht, dass wir selbst aus den vielen Sommerurlauben nicht
kannten. Dunkel und düster, glänzende Steinplatten auf dem Platz, eine
Melancholie breitet sich aus und nur unter den Balustraden der Piazza San Marco
finden sich einige Menschen. Selbst die Tauben verstecken sich unter Brücken
oder in den Nischen der umliegenden Gebäude. Vereinzelt huschen Kostümierte über
den Platz, mit einem Regenschirm bewaffnet, damit das kostbare Gewand keinen
Schaden nimmt. Selbst die Touristen haben sich in die Restaurants zurückgezogen.
Das kann ja heiter werden mit dem Karneval in Venedig. Wir hatten uns doch so
darauf gefreut. Also gibt's nur eins: Einen Bellini, Champagner oder Prosecco
mit pürierten Pfirsichen aufgegossen, in Harry's Bar trinken – sündhaft teuer,
aber ein Erlebnis – und dann mit dem Schiff wieder nach Punta Sabbione, der
Dinge harren, die da so kommen werden. Ein Blick in das italienische Fernsehen
lässt hoffen. Es soll schöner werden, trocken und Sonnenschein!
Und tatsächlich am nächsten Morgen scheint die Sonne.
Wir nehmen den Bus nach Punta Sabbione. Bei der Ankunft sehen wir schon, heute
wird Hochbetrieb in der Lagunenstadt herrschen. Der Busparkplatz ist fast voll
und die abgetrennten Standplätze für Reisemobile sind ebenfalls gut belegt. Mit
uns auf dem Schiff fährt eine Gruppe junger Menschen von der Halbinsel des
Litorale Cavallino. Sie schminken sich auf der Überfahrt noch, wollen Sie doch
auf Laufstelzen in historischen Kostümen durch die Stadt gehen.
Kaum angekommen sieht man schon die
Touristen-Attraktion "Carnevale di Venezia". Schon nach wenigen Metern, an der
offenen Seite der Piazetta, der Molo bleiben wir stehen und schauen zu. Auf den
Treppen dieser Molo zum Wasser hin sitzt eine Maske und wird von einer
Begleitung zurecht gezupft, sozusagen dekoriert. Rundum gut 20 Fotografen, die
sich dieses Foto nicht entgehen lassen wollen und unzählige Fotos schießen. Dann
sehen wir die nächsten Maskierten, die in Gruppen, zu zweit oder alleine von der
Piazetta in Richtung Markusplatz wandeln. Sie gehen nicht, sie schweben
förmlich! Die Tauben haben längst den Platz geräumt und wir schauen uns die
zahlreichen Masken von einem der umliegenden Cafes aus an. Zwar wieder nicht
gerade ein Sonderangebot, aber so sind wir mittendrin und können erleben, wie
sehr sich die Maskierten bemühen gesehen und fotografiert zu werden. Der
Karneval in Venedig ist ein großes Theater, ein schönes wohlgemerkt, an dem man
bei diesem tollen Wetter wirklich Freude hat.
28 Grad zeigt das Thermometer, für Anfang März schon
Rekordtemperatur. Wir machen einen Standortwechsel ins Cafe Florian, wieder ein
sündhaft teurer Platz, aber wir sitzen unter Masken. Fast alle Maskierten kommen
aus Frankreich! Das erklärt auch die vielen französischen Reisebusse in Punta
Sabbione, auf dem Parkplatz, der auch als Stellplatz für Wohnmobile dient.
Venezianer als Masken sind hier kaum zu finden. Ein junges Pärchen setzt sich
vis a vis zu uns. Wir kommen ins Gespräch, auf Deutsch. Na so was! Ja, sie seien
aus dem schwäbischen und würden seit sieben Jahren in der Woche vor
Aschermittwoch nach Venedig fahren und dort mit verschiedenen mitgebrachten
Kostümen auftreten. Nur tagsüber, obwohl die großen Bälle am Abend stattfänden,
doch dazu braucht man spezielle Einladungen und die sind schwer zu bekommen,
beim Carneval di Venezia.
Die Geschichte des
Carnevals
Die Geschichte des Carnevale ist so alt wie die Stadt
selbst. In einem Dokument vom 2. Mai 1268 werden zum ersten Mal die Masken
erwähnt. Die Venezianer verstanden sich schon damals aufs Feiern. Bis auf eine
kurze Unterbrechung an Weihnachten feierten Sie ihren Karneval von Oktober bis
Himmelfahrt. Ihre Blütezeit hatte die Maskerade im 18. Jahrhundert. Trotz Verbot
der Herrschenden feierten die Venezianer. Die Masken machten alle gleich:
Dame, Hure, Diener oder Edelmann. Kostümiert ging man
ins Theater, ins Cafe, ins Bordell, zum Ball oder in den Spielsalon. Die
Maskerade verschleierte die Identität, Geschlecht und Herkunft. Viele der
Masken, die auch heute noch auf dem Markusplatz zu sehen sind, erinnern an
frühere Zeiten, wie die Figur des Pestarztes, der mit Schnabelmaske und Stab in
der Hand auffällt. Oder die Verkleidung des Pantalone, der mit Spitzbart und
Hakennase den Geizhals schlechthin personifiziert. Mit dem Ende der
venezianischen Republik verschwand auch der Karneval aus dem Leben der
Lagunenbewohner. Erst in den 70er Jahren wurde der Carneval von Künstlern,
Theaterleuten und Tourismusmanagern wieder aus seinem Dornröschenschlaf geweckt.
Zur Freude der Gastronomen, aber zum Leid der Venezianer. Bis Aschermittwoch
nämlich ist in der Stadt der Teufel los und hunderttausende von Besuchern, fast
mehr als in der SommerHochsaison, schlängeln sich durch die engen Gassen oder
über die Plätze.
Wer mit dem Reisemobil nach Venedig möchte, sollte
auf die Halbinsel des Litorale Cavalino gehen. Auf dem großen Busparkplatz an
der Anlegestelle Punta Sabbione sind Stellplätze ausgewiesen, allerdings ohne
Wasser, Strom usw. Man sollte also schon vorher "bunkern". Ebenfalls Stellplätze
kann man auf dem öffentlichen Parkplatz an der Anlegestelle belegen. Aber
Vorsicht, tagsüber wird das Reisemobil gnadenlos eingeparkt. Also ist die An-
und Abreise auch nur Abends gefahrlos möglich. Die Campingplätze der Region, im
Sommer Ziel hunderttausender Touristen sind zum Carnevale alle geschlossen.
Auch das Wochenende vor dem fettigen Donnerstag ist
chaotisch. Während der Woche, an den Tagen um den Giovedi Grasso ist es am
schönsten! Wer weiter außerhalb Station machen will, dem empfiehlt sich Camping
Fusina, der das ganze Jahr über geöffnet hat. Eine Bootsverbindung bringt den
Karneval-Fan auch über das Wasser in die Stadt.
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