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"Ihr wollt nach Rom? Dann müsst ihr unbedingt in den Vatikan,
zur Villa Borghese, zum Circus Maximus und danach zur Cestius-Pyramide."
Meine Frau und ich zwinkern uns zu. Wir mit unseren
beiden angehenden Schulkindern haben jedenfalls keine Liste mit abzuhakenden
Sehenswürdigkeiten. Viel lieber möchten wir in Italien erholsam urlauben und
zwischendurch kleine, schöne Häppchen in Sachen Kultur genießen. Nach dem
Brenner wird deshalb gleich ein echtes Urlaubsparadies angesteuert - der
Gardasee.
Kaum haben wir unser WOMO auf einem Terassenplatz von Piani
di Clodia abgestellt und einen weiten Blick über den See geworfen, beginnt die
Erholung. Die Kinder haben mehr Pools, als sie zählen können und wir lassen uns
vom milden, sonnigen Klima einlullen.
Zwischendurch gucken wir bei einem Spaziergang hinter die
alten Mauern des idyllischen Lazise und probieren in einer der engen Gassen
etwas aus der Wein und Eiskarte. Einmal erzähle ich beim Frühstück eine kleine
Geschichte über den Hafen von Lazise, vor dem einst die Venezianer ihre eigene
Kriegsflotte versenkten. "Sind das die aus Venedig mit den Gondeln?", fragt da
Reiner. Und weil auch Nina beim Wort Gondel ganz neugierige Augen macht, ist das
nächste Ziel schon anvisiert.
Auf der Landzunge östlich von Venedig erwartet uns mit Union
Lido Vacanze wieder ein großzügiger und familienfreundlicher Campingplatz mit
eigenem Adria-Strand. Die Kinder bestimmen, dass der Vormittag dem Badevergnügen
gehört und am Nachmittag die Lagunenstadt besucht werden soll.
Unsere doppelte Bootstour, erst mit dem Vaporetto über die
Lagune und dann mit der Gondel durch enge Stadtkanäle, löst große Begeisterung
aus. Geheimnisvolle Paläste, das Überqueren der steilen Brücken sowie das
Treiben der Tauben auf dem Markusplatz sind Erlebnisse, die mit einem echten
italienischen Eis gefeiert werden müssen.
Zurück im Wohnmobil werden als erstes Malblocks und Stifte
hervorgeholt, damit das Erlebte auch ganz frisch und bunt aufs Papier gelangt.
Als wir mal wieder mit den Handtüchern um den Hals vom Baden kommen, hat Anke
nicht nur das Mittagessen, sondern auch den nächsten Reiseköder vorbereitet:
"Wer kennt ein Bauwerk, das sehr schief ist und trotzdem nicht umkippt?" "Der
schiefe Turm von Pisa!", kommt es wie aus der Kanone von Reiner. "Aber hat der
auch einen Swimmingpool?", fragt Nina skeptisch. Klar hat er das - jedenfalls
aus unserer mobilen Elternsicht. Und außerdem führt der Weg dorthin mitten durch
eine der schönsten Landschaften Europas, durch die Toskana. Vor allem die am
Fenster vorbeiziehenden Baumformen beflügeln die Fantasie der Kinder: Vom Delfin
bis zur Rakete wird alles gesammelt.
Doch dann muss unser WOMO erst einmal die steile Anhöhe des
Monte Albano erklimmen, bevor wir in den Genuss der freundlichen Begrüßung und
der herrlichen Aussicht des Camps Barco Reale kommen. Von hier aus gönnen wir
uns Ausflüge nach Lucca und Pisa. Die begehbare Stadtmauer von Lucca ist genau
nach dem Geschmack der Kinder, aber rund um den schiefen Turm von Pisa ist es
ihnen zu rammelig. Dafür schaffen wir noch einen erfrischenden Sprung ins Meer
vor dem Ort Tirrenia.
Eines Morgens schallt es ziemlich ungeduldig aus dem Alkoven:
"Wann kommen wir denn endlich nach Rom?". Noch ein kurzer, elterlicher Toskana-was-wollen-wir-mehr-Seufzer und das Wohnmobil wird wieder reisefertig
gemacht. Als Zwischenstopp bietet sich jetzt noch Siena an, dessen
mittelalterliches Zentrum prima zu Fuß erobert werden kann. Reiner und Nina
kaufen sich große, bunte Flaggen mit toskanischen Wappen und hüpfen ausgelassen
über den großartigen Campo. Dann nutzen wir wie schon einige Male vorher das
Mittagsloch der müden Kinder, bringen ihre Sitze in Schlafposition und machen
einen großen Schlag auf der Autobahn Richtung Süden.
Rom empfängt uns mit sonnigem Glanz und mächtigem Trubel: An
den großen Kreuzungen stehen Mopeds, Roller und Motorräder zu zehnt
nebeneinander vor den Autos an der Ampel, um bei Grün so richtig Vollgas zu
geben. Natürlich hat diese uralte Stadt viel Staunenswertes zu bieten: Der
Vatikan bewirkt bei den Kindern ein Wechselbad der Gefühle, erst heiteres
Losrennen auf dem weiten Petersplatz, dann ehrfürchtiges Verstummen unter der
gewaltigen Kuppel des Petersdoms und wieder freudig große Augen beim Anblick der
bunten Schweizergarde. Ein Stück weiter Richtung Zentrum ruft Reiner plötzlich:
"Ein Gladiator, ein echter Gladiator!" Tatsächlich, auf einem steinernen Podest
vor dem Kolosseum hat sich ein Römer in antiker Kampfausstattung aufgebaut und
lässt sich in allerlei Furcht erregenden Waffenpositionen mit Touristen
fotografieren. Auch Nina ist begeistert und will dem Kämpfer gleich den mit
Kunstblut bemalten Dreizack abnehmen.
Das nebenan liegende, weitläufige Forum Romanum ist ein
wunderbarer Tummelplatz für Groß und Klein. Hier, wo einst der zentrale
Treffpunkt des alten Roms war, kann man unter weitem Himmel einmalige Tempel und
Statuen bestaunen. Dank Gnocchi und Gelato erleben wir sogar noch in entspannter
Bummellaune die Fontana di Trevi und den Brunnen an der Spanischen Treppe, bevor
sich erste Sehnsüchte nach einem richtigen Pool melden.
Weil wir alle neugierig auf den Süden Italiens sind, und die
Kinder lautstark für ein echtes Feriencamp stimmen, landen wir kurz vor Neapel
im zum Superplatz gekürten Baia Domizia Villaggio. Nach vergnüglicher Palmen-,
Pool- und Party-Zeit lässt uns die Möglichkeit eines ausgiebigen Blicks auf eine
gewaltige, noch immer lebendige Naturerhebung weiterziehen: Über 1200 Meter hoch
ragt der Vesuv direkt an der Küste in die Höhe und strahlt trotz blauem Himmel
immer eine gewisse Bedrohung aus. Hinter Castellammare zieht uns die kurvige
Steilküstenstraße in ihren Bann. In Sorrent wird das Panorama für uns alle
unvergesslich: Im mediterranen Abendlicht liegt uns der gesamte, friedlich
glitzernde Golf von Neapel samt Vesuv zu Füßen.
Unsere Entdeckungslust trägt uns schließlich bis nach Paestum, wo wir mit einem
Erlebnis bester italienischer Art beglückt werden: Bei einer Radtour werden wir
an einem Firmengebäude von einem winkenden Mann mit weißer Papiermütze gestoppt.
Während ich noch auf einem Schild "Azienda Casearia" lese,
hat uns der freundliche Mann schon in eine Halle mit Chrom glänzenden, rührenden
Maschinen gelotst und zu einem großen, metallenen Bottich mit milchiger
Flüssigkeit geführt. Die Kinder müssen die Hand aufhalten und bekommen jeder
eine nasse, superfrische Kugel Mozarella aus Büffelmilch hineingelegt.
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