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Englands Süden ist wie für den Wanderer geschaffen. Abseits
der Autostraßen führen uralte Wege an kleinen, von dichten Hecken gesäumten
Feldern und Weiden vorbei und verbinden Herrenhäuser und Dörfer, in denen die
Zeit stillzustehen scheint. Das Gegenstück zu diesem pastoralen Idyll findet man
im Dartmoor, wo das Wandern durch den Nebel schon mal zum Abenteuer werden kann,
auf den alten Schmugglerpfaden an der Küste von Cornwall und auf den Wegen über
die spektakulären Kreideklippen des Südens.
Eine gute Möglichkeit, Südengland auf markierten Pfaden zu
durchstreifen, bieten die Fernwanderwege, deren Netz ständig erweitert wird.
Einer der neuesten ist der 166 km lange Tarka Trail. Er durchläuft die
Nationalparks Dartmoor und Exmoor und verbindet Ivybridge im Süden Devons mit
Lynton an der Nordküste. Dort trifft er auf den längsten der acht englischen
National Trails, die man am gemeinsamen Wegzeichen, einer stilisierten Eichel,
erkennt, auf den South West Coast Path. Er umrundet zwischen Minehead im Westen
von Somerset und Poole im Süden von Dorset auf 962 km den südwestlichen Zipfel
der Insel. Zu seinen schönsten Abschnitten gehört die Strecke von Osmington
Mills nach Lulworth Cove an der Küste von Dorset.
Bevor man sich im Dorf Osmington Mills auf den etwa 12 km
langen Weg macht, sollte man im Smugglers Inn einkehren. Dieses Pub war die
Stammkneipe von French Peter: Der legendäre Schmuggler soll einst mit dem Wirt
dunkle Geschäfte ausgeheckt haben — belauscht vom Steuereintreiber, der im Kamin
versteckt war. Der Küstenpfad führt nach Osten, wo er ein kleines, von einem
Wald umschlossenes Feld passiert. Hier liegen die Reste der Siedlung Ringstead,
die im 14. Jh. von der Pest ausgelöscht wurde. In seinem weiteren Verlauf wird
der Pfad zum Panoramaweg mit phantastischen Ausblicken. Über sanfte Hügel und
steile Klippen, vorbei an einem Obelisken, einem alten Orientierungspunkt für
die Schifffahrt, geht es zum Felsportal Durdle Door. Diesen berühmten Bogen
wusch die See im Laufe der Jahrhunderte aus dem Kalkstein. Von hier aus ist es
nicht mehr weit zu den Höhlen von Stair Hole und zur Bucht von Lulworth Cove,
dem Endpunkt einer eindrucksvollen Tour.
Ähnlich spektakulär ist die erste Etappe an der Küste entlang
auf dem South Downs Way, der sich über 171 km von Eastbourne in Sussex nach
Winchester in Hampshire zieht.
Die gut 20 km lange Tagestour beginnt an der Strandpromenade
von Eastbourne und führt zunächst in südwestliche Richtung. Nach wenigen
Kilometern und einem steilen Aufstieg durch das Gestrüpp erreicht man die
berühmten Klippen von Beachv Head. 170 m hoch über dem Meer empfiehlt sich ein
respektvoller Abstand zum Klippenrand, denn das Gestein bricht leicht weg.
Bei Birling Gap kann man von einer Plattform aus das Panorama
genießen, zum Strand hinabsteigen und sich im Pub für den anstrengendsten Teil
der Tour stärken. Die Seven Sisters, sieben steile Flügel in Folge, fordern
kräftige Lungen und Beine. Für die Mühe entschädigen phantastische Ausblicke
aufs Meer und ins Binnenland. Nun folgt der Weg landeinwärts dem
Flüsschen Cuckmere und erreicht die Straße A 259, wo man die Wanderung beenden
und den Bus zurück nach Eastbourne nehmen kann. Hinter der Exceat Farm (Museum,
Informationsbüro) führt der South Downs Way weiter durch den Friston Forest zum
Weiler Westclean.
Die alte Bischofsstadt Wells ist Ausgangspunkt des West
Mendip Way, der 48 km weit durch die anmutige Hügellandschaft von Somerset über
die Käsestadt Cheddar bis zum Bristol Channel führt. Einen besonders schönen
Eindruck von den Mendip Hills vermittelt der etwa 8 km lange Weg von Wells nach
Priddy. Die Wanderung beginnt bei einer der schönsten Kathedralen Südenglands,
folgt einer kleinen kopfsteingepflasterten Allee nach Nordwesten und führt zu
einem Steinbruch hoch über der Stadt. Anschließend geht es hinunter ins Dorf
Wookey Hole mit seinen Höhlen, deren unterirdische Seen vom Flüsschen Axe
gespeist werden. Die Ebbor Farm Road führt aus dem Ort heraus. Der mit „WMW
Priddy 3” markierte Weg biegt nach Norden ab und führt zur Ebbor Gorge,
einerphantastischen, mit Efeu und Farn bewachsenen Felsschlucht. Dahinter öffnet
sich das stille Mendip Plateau. Über eine alte, wackelige Steinmauer und einige
Zäune, die man mit Stiegen überklettern kann, geht es nach Priddy, der
höchstgelegenen Siedlung in den Mendip Hills. Hier wartet der Lohn für die
Wandertour — ein heimeliges Pub.
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