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Reiseziel: Kykladeninsel Naxos

 

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Die griechische Insel Naxos liegt im Ägäischen Meer und ist mit einer Fläche von 448 km² die größte Insel der Kykladen. Naxos hat mit seinem Mythos von der rücksichtslosen Aussetzung Ariadnes durch Theseus immer wieder die Erinnerung und das Interesse der ganzen Welt und aller Zeiten erweckt.

lm Gegensatz zu fast allen anderen Inseln der Kykladen ist Naxos eine raue, gewaltige, hohe und fest fundierte Insel mit derbem Rückgrat, das in der Hauptsache aus den drei höchsten Bergen der Kykladen gebildet wird: Zas (Zeus), Fanari und Koronos.

Wenn die Fähre sich der Insel nähert, bietet sich das Städtchen Naxos, der Hauptort der Insel, an einem niedrigen Hügel empor klimmend, den Blicken des Reisenden. Links von der Stadt, auf dem kleinen Inselchen des Bakchos, die das Volk heute "Palatia" (Paläste) nennt, erscheint ein gewaltiges Marmortor, Teil eines nie vollendeten Dionvsos-Tempels, die "Portaria", wie ein großes offenes Fenster der Stadt zum blauen Meer. Dieses Tor steht nun schon Jahrhunderte allein, hoch und stolz auf dem Gipfel der kleinen Insel. An den Sommerabenden klettern Jungen und Mädchen von Naxos hinauf, setzen sich auf die großen Marmorquadern der Basis und blicken aufs Meer.

Das kleine Inselchen des Baischios fällt zur Seite des offenen Meeres hin steil ab, die Wogen branden frei heran und brechen sich in seinen tiefen Höhlen. Hier, so sagt man, hat Theseus Ariadne verlassen, als er von Kreta nach Athen zurückkehrte. Und hier, so sagt man, hat Dionysos sie gesehen und sich in sie verliebt. Auf der Seite der Stadt ist die Bakchosinsel sanft geneigt und verliert sich langsam im Meer. Sie stützt sich auf den Arm der Hafenmole von Naxos und ist so mit der schmalen Landzunge verbunden.

Wenn das Schiff Anker wirft und der leichte, erfrischende Wind es ein wenig um seinen Ankerplatz treibt, erblickt man in der Mitte des Hafens ein sehr flaches Stückchen Erde, gerade so groß, dass eine kleine weiße christliche Kirche Platz findet, die "Panagia i Myrtidiotissa". Die Wellen des Meeres spielen mit den geweihten Fundamenten der Kirche, belecken den Marmor ihrer Eingangstür, und die an den Gittern ihrer niedrigen Fenster festgebundenen Fischerboote wiegen sich sanft in ihrem Schutz.

Die Stadt ist unten von einem breiten Uferweg umgürtet, der auf der einen Seite zur Mitropolis, der Hauptkirche der Orthodoxen, führt, wo die Salzluft vom offenen Meer die weißen Wände der Kirche und der Häuser zerfrisst. Auf der anderen Seite zieht der Weg hinauf ins Innere der Insel, vorbei an dem großen, modernen Gebäude des Gymnasiums, wo in einem Saal des Erdgeschosses auch das archäologische Museum von Naxos untergebracht ist. Alle anderen Gässchen der Stadt sind eng und gewunden, ziehen sich zur Burg, dem "Kastro", hinauf. Sie verkriechen sich in überwölbten Durchgängen unter den Häusern, irgendwo tauchen sie wieder auf.

Wir betreten die Burg durch ein gekrümmtes, große Burgtor und wenn wir uns dann langsam von dem Gewühl und Lärm des Hafens entfernen, in die Stille und Ruhe des alten, nunmehr spärlich bevölkerten Viertels der Katholiken eintauchen, spüren wir, dass wir um Jahrhunderte zurückwandern. Wir meinen in der Zeit zu leben, als die Franken die Insel in ihrer Gewalt hatten.

Aber wenn auch in der Hauptstadt der Insel und in einigen ländlichen Gebieten, in Melanes, in Engares, in Potamies und in der Oliven bestandenen Ebene von Tragaia mit den verstreuten venezianischen Schlössern und fruchtbaren Besitzungen, die vergangene Epoche der Franken noch spürbar ist, so leben doch im übrigen rauen und männlichen Teil der Insel immer noch die alten griechischen Götter. Auch Bakchus, der Gott der Insel, lebt noch.

Die einfachen Menschen der Insel, stark und derb, aber gut und gastfreundlich, wissen nicht viel von dem fröhlichen Gott. Sie verstehen aber, dass ein Gott auch jetzt noch ihre Weinstöcke beschützt und den naxischen Wein segnet.

Wein und Oliven wurden von alters her auf Naxos angebaut, und auf Schritt und Tritt, an den Meeresküsten und im bergigen Innern und in den Schluchten, die von Bächen durchflossen werden und mit Oleander bewachsen sind.

Die Bauern, von denen recht viele noch die eigentümliche Tracht mit Pumphosen tragen, pflügen und bebauen mit hesiodischen Geräten die gealterte Erde. Sie heben ihre Augen zum Herrscher der Himmel und versprechen ihm als Weihgaben Öl, Käse und Wein, wenn er ihnen hilft mit seinem Regen und seiner Sonne.

Oft stößt die Hacke der Bauern auf Marmor. Scheu graben sie nach. Irgendwie ist es, als seien es zerbrochene Skelette der Vorfahren. Andere Bildwerke liegen zutage: ein riesiger, halbvollendeter archaischer Apollon in der Küstengegend, ein weiterer in der Nähe des Dorfes Melanes im Zentrum der Insel. Auf der einsamen Insel Delos kann man die Stoa mit den Löwen, eine Weihgabe der Naxier, bewundern. Die naxischen Bildhauer zählten zu den ersten, die den Marmor bearbeitet haben, und der Naxier Beles hat als erster die marmornen Dachsteine geschnitten.

Trotz allem erschließt sich Naxos dem eiligen Reisenden nicht widerstandslos. Man muss im Inneren der Insel umherstreifen, wandern, Berge besteigen, in die Schluchten eindringen, um seine mystische Schönheit zu erfassen. Die Verschmelzung der festländischen Berglandschaft mit der kvkladischen Seelandschaft gibt Naxos eine eigene Farbe und lässt es in den Landschaftstypen, in Sitten und Gebräuchen, in den Trachten und nicht zuletzt im Dialekt der großen Insel Kreta ein wenig ähnlich werden.

Vielleicht symbolisiert der Mythos von Ariadne auf Naxos diese Ähnlichkeit der beiden Inseln, eine Wechselbeziehung, die durch neuerliche archäologische Funde auf Naxos, die an Originale der minoischen Epoche erinnern, bestätigt zu werden scheint.


 
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