Reise- und Urlaubsartikel

Hellenistische Mysterienreligionen

 

Startseite

Allgemein
Reiseplanung
Reiseberichte

Afrika

Amerika

Asien

Europa

Sonstige

 

Nach dem Vorgang von Johann Gustav Droysen (1836) wird mit Hellenismus die von Alexander d. Gr. durch seine Feldzüge eingeleitete Kulturperiode bezeichnet, in welcher griechische und orientalische Kulturelemente sich zu einer neuen Synthese vereinigten. Die hellenistische Periode in dem hier gemeinten Umfang umspannt also die ganze Zeit von Alexander bis Augustus, doch rechnen manche zu dieser Periode auch die ganze römische Kaiserzeit bis zum Untergang des Heidentums.

Obwohl die hellenistischen Mysterienreligionen seit jeher bekannt waren, weil viele antike Schriftsteller gelegentlich von ihnen berichten, hat man ihre spezifische, von der griechischen und römischen Staatsreligion verschiedene Wesensart erst im vorigen Jahrhundert zu erschließen begonnen.

Die Begegnung der Religionen der Griechen und Römer mit denen des Ostens hatte zur Folge, dass eine Reihe von fremden Kulten nach dem Westen gelangte und dort zahlreiche Anhänger fand. Obwohl zuerst von den staatlichen Autoritäten nicht gern gesehen, setzten sie sich infolge ihrer Beliebtheit in weiten Kreisen im ganzen europäischen Mittelmeergebiet schon frühzeitig durch. Nicht wenig trug hierzu der Umstand bei, dass der Glaube der Väter viele Menschen nicht mehr befriedigte. Angezogen durch die geheimnisvollen Lehren, tiefsinnigen symbolischen Riten, eindrucksvollen Weihehandlungen und absonderlichen Kultbräuche suchten und fanden viele fromme Seelen während dieser Zeit religiöser Gärung in den Mysterienreligionen ihre Hoffnung auf Unsterblichkeit verwirklicht. Das neue, nach Verinnerlichung drängende religiöse Bewusstsein fand an dem staatlichen Götterkult kein Genüge, sondern suchte in privaten Verbänden und Sekten eine individuelle Erbauung. Die Neigung zur Annahme fremder Kulte wurde wesentlich gefördert durch die auf einen weitgehenden Synkretismus abzielende Tendenz des Zeitalters: die eigenen Götter glaubte man auch in den fremden wieder zuerkennen, Anklänge in ihren Namen führten zu gewagten Identifikationen, und allegorische Deutungen stellten die Verbindung zwischen den eigenen und den ausländischen Göttern her und erleichterten dadurch deren Eindringen.

GRIECHISCHE MYSTERIEN

Die Mysterienreligionen lassen sich in zwei Gruppen scheiden: in solche, die in Griechenland heimisch waren und von dort nach Rom und anderen Gebieten kamen, und in andere, die aus dem Orient eingeführt wurden. Unter den griechischen Mysterien stehen die von Eleusis (bei Athen) an erster Stelle, die der Demeter, ihrer Tochter und dem Jakchas geweiht waren. Wie beliebt sie waren, zeigt der Umstand, dass sich von Augustus an manche römische Kaiser in sie einweihen ließen. Claudius wollte sie sogar nach Rom verlegen. Aber auch in Kleinasien und Alexandrien wurden sie gefeiert. Die Zerstörung der Tempel in Eleusis durch den Gotenkönig Alarich (370—410 n. Chr.) führte auch das Ende der Eleusinien herbei.

Die orphischen Mysterien, die von den Wanderpredigern der Sekte der Orpheotelesten in "heiligen Häusern" gefeiert wurden, verbreiteten die durch Pythagoras und Platon philosophisch vertiefte mystische Weltanschauung. In den Mysterien von Samothrake (einer Insel im Ägäischen Meer) wurden die beiden "großen Götter" Kabiros und sein Sohn, ursprünglich Fruchtbarkeitsgötter, verehrt. Beim Kultus spielte außer Beichte und Reinigungsriten und einem Widderopfer die Darstellung der heiligen Hochzeit des jungen Kabiros eine Rolle.

Aus dem Orient eingeführte Mysterien kamen aus Vorderasien, aus Ägypten und aus Persien.

Die Mysterien der phrygischen Muttergöttin Kybele und ihres jugendlichen Geliebten (oder Sohnes) Attis wurden in Rom zwar schon 204 V. Chr. anerkannt, erlebten aber erst in der Kaiserzeit ihre größte Verbreitung. Nach der Kultlegende seines Heiligtums in Pessinus wurde Attis als Frucht eines aus dem abgerissenen Glied des doppelgeschlechtlichen Zwitterwesens Agdistis entstandenen Mandelbaums geboren und starb, von der eifersüchtigen Agdistis an seinem Hochzeitstage in Raserei versetzt, durch Selbstkastration, wird dann aber wieder zum Leben erweckt. Bei dem Ende März gefeierten öffentlichen Fest, das mit Totenklage begann und mit Auferstehungsjubel endete, geißelten sich die Priester und die neu Eingetretenen (in Rom wohl kaum Römer, sondern meistens freigelassene Sklaven, Phrygier u. a.) vollzogen an sich die Selbstentmannung. In den nur für Eingeweihte bestimmten Mysterien wurden der Tod und die Auferstehung des Attis nacherlebt. Der Myste (Eingeweihte) musste dann, in einer Grube liegend, das Blut eines über ihm geschlachteten Stieres oder Widders auf sich herabrieseln lassen, um so ein "in die Ewigkeit Wiedergeborener" zu werden.

Die Mysterien der Isis und des Osiris (der in der Zeit der Ptolemäer auch als Serapis bezeichnet wurde) stammen aus Ägypten. Bei der Weihe hatte der Novize nach mehrtägiger Vorbereitung durch Fasten, von einem Priester geführt, nachts in das Allerheiligste hinab zusteigen, wo ihm verschiedene Gewänder angelegt wurden. Bei Sonnenaufgang empfing er dann ein Himmelskleid und eine Fackel und wurde dadurch erleuchtet und göttlich wiedergeboren. Dieser sein geistiger Geburtstag wurde dann durch ein festliches Mahl gefeiert.

Der Kult des persischen Lichtgottes Mithras erlebte seit dem 2. Jh. n. Chr. eine ungeahnte Ausbreitung über das ganze römische Reich, sind doch Mithras-Heiligtümer bei Wien und bei Frankfurt gefunden worden. Die Kultlegende, die vielfach auf Reliefs dargestellt ist, feiert Mithras als Töter eines Stieres. Der Sinn dieser Tat scheint darin zu bestehen, dass der Gott durch dieses Opfer das Gedeihen des Lebens in der Welt fördert. Es hatte zugleich aber wohl auch eine eschatologische Bedeutung, weil ja nach persischem Glauben der Saoshyant (Heiland) beim Weltenende einen Stier tötet, um so das Entstehen einer verklärten Welt zu ermöglichen. Die Mysterien fanden in unterirdischen Krypten statt, bei denen der Neuling durch sieben Grade der Weihe emporzusteigen hatte. Zweck der Mysterien war es, den Geweihten die Auferstehung beim Weltende zu sichern. Der Mithras-Kult scheint im Wesentlichen von Männern ausgeübt worden zu sein, vor allem von Soldaten des römischen Heeres, woraus sich z. T. das Vorhandensein von Mithras-Heiligtümern an Garnisonsorten erklärt, ist doch 1954 sogar ein solches in London entdeckt worden.

Der Mithraskult war zeitweise der größte Rivale des aufkommenden Christentums, zumal er mit diesem eine Fülle von Einzelzügen gemeinsam hatte: Mithras wie Christus sind Mittler zwischen dem Betenden und dem unsichtbaren Gott, beide Religionen lehren Unsterblichkeit, Auferstehung, jüngstes Gericht, Himmel und Unterwelt, beide kennen den Gebrauch der Taufe, des Weihwassers, die Feier der Sonntage und der Gottesgeburt am 25. Dezember. Beide gewährten sie Anhängern auch aus den untersten Schichten Aufnahme. Manche nehmen an, dass die Tiersymbole der Evangelisten (Löwe, Stier und Adler) dem Mithraismus nachgebildet sind, da diese Tiere im Mithraskult eine Rolle spielen.


 
Griechenland
Reiseartikel schreiben

Sitemap  |  Reisebericht schreiben  |  Impressum