Reise- und Urlaubsartikel

Das Tal der Loire

 

Startseite

Allgemein
Reiseplanung
Reiseberichte

Afrika

Amerika

Asien

Europa

Sonstige

 

Die Loire, Frankreichs längster Fluss, entspringt nahe dem Mittelmeer und mündet in den Atlantik. Die Hälfte ihres Weges wird sie von Schlössern und Weinbergen begleitet.

Kurz vor dem gut zwei Jahrtausende alten Nevers wird der Fluss durch die einmündenden Wasser des Allier und der Nievre zum - einst schiffbaren - Strom. Hier befindet sich das erste der Loire-Schlösser. Die Kathedrale, auf einem Baptisterium des 6. Jahrhunderts gründend, hat zwei Absiden: eine strenge romanische im Westen und eine Licht erfüllte gotische im Osten. Die Nachbarstadt Bourges glänzt sowohl mit kirchlicher wie profaner Gotik: Die Kathedrale hat fünf Portale nebeneinander, der Financier Jacques Coeur baute sich ein Palais. Sancerre, flussab, produziert auf seinen Feuerstein-Hügeln einen würzigen Wein; er passt gut zum Ziegenkäse aus dem Nachbardorf Chavignol.

In Briare führt eine elegante Kanalbrücke über die Loire, das Wasserschloss von Sully zapft gleich hinter dem Deich den Fluss für seine Gräben an. Gien war wie Nevers eine Hochburg der Fayence-Produktion, hier wurde auch nach Vorbildern aus China und Japan gearbeitet. Richtung Orleans folgen zwei bedeutsame Kirchenorte dicht aufeinander. In St.-Benoit lag vermutlich der Mittelpunkt des Druidenkults der Gallier. Im 7. Jahrhundert wurde die Benediktinerabtei gegründet, in der auch die Gebeine des heiligen Benedikt ruhen. Von hier aus gründete unter Karl dem Großen der Abt Theodulf überall im Abendland Klosterschulen. Ein einzigartiges Kunstwerk ist die romanische Basilika (1067- 1218).

Eine der ältesten Kirchen Frankreichs steht in Germigny-des-Pres. Ursprünglich ein Privatorium des Abtes Theodulf, wurde sie offenbar nach dem Vorbild der Aachener Pfalzkapelle errichtet und 806 geweiht. Ihr Vorplatz wirkt mit seinen Zypressen und Tamarisken fast mediterran.

Die Kathedrale von Orleans gehört bereits zur Welt des Nordens. Ihre wie von Tortenaufsätzen gekrönten Türme wurden im 16. Jahrhundert der Gotik »nachempfunden«. Doch das Sinnbild der Stadt ist Jeanne d'Arc, die Jungfrau von Orleans. Hier schritt sie 1429 dreimal zum Chor, um im Gebet Kraft zu suchen für ihren Befreiungsfeldzug gegen die Engländer. Hier wurde sie 1920 heilig gesprochen, eine Kapelle ist ihr gewidmet.

Ein Kontrast zu den weiter flussab liegenden Prunkschlössern ist in Meung-sur-Loire zu besichtigen. Die Grundmauern der feudalen Schlossburg reichen ins Jahr 406 zurück. Da gibt es noch eine unterirdische Kapelle, Folterkeller und einen in die Erde versenkten Rundturm, einen »Brunnen des Vergessens«, aus dem nur wie durch ein Wunder der dort Monate schmachtende Poet Franwis Villon wieder herauskam. Das nahe Schloss Talcy gibt sich eher verspielt mit seinem gut erhaltenen Taubenturm.

Chambord ist ein Paukenschlag. Leonardo da Vinci hat vermutlich seinen Rat beigesteuert, als dieser unvollendet gebliebene Spleen eines Jagdschlosses von König Franz I. im 16. Jahrhundert in die Lichtung eines wildreichen Staatsforstes gesetzt wurde. Vom Grundriss einer mittelalterlichen Festung ausgehend, gipfelt der Bau in einer bizarren Turmlandschaft. Die zentrale, doppelte, ineinander verschlungene Wendeltreppe kommt wohl den königlichen Wunschträumen am nächsten. Dagegen wirkt das Renaissance-Schlösschen Villesavin am Forstrand wie hingetupft.

Eine Hochburg der Jagd war und ist auch der Herrensitz Cheverny. Hinter dem Gemüsegarten wartet noch immer eine Meute von 70 Hunden, dass rot befrackte »Waidmänner« zum Aufbruch ins Horn blasen. In der flachen Orangerie waren im Krieg Kunstwerke aus dem Pariser Louvre versteckt, darunter auch die »Mona Lisa«, die da Vinci 1516 als Geschenk für Franz I. auf Maultierrücken über die Alpen gebracht hatte. Der hatte dem italienischen Universalgenie einen komfortablen Lebensabend zugesichert. Blois, ein Versailles der Renaissance, spiegelt in all den architektonischen Wendungen seines pompösen Schlosses und der Rampen, Plätze und Gärten auch die Wirren jener Zeit, als es Königsstadt war.

Schloss Beauregard am anderen Loire-Ufer lässt auf dem Fußboden eines lang gestreckten Saals, der mit Delfter Kacheln ausgelegt ist, eine ganze Armee aufmarschieren, seine Galerie mit 363 Porträts zeigt auch 15 Könige. Chaumont am Flussufer wird von seinem Schloss fast erdrückt, um das Katharina von Medici, Gemahlin Heinrichs II., und dessen Geliebte Diana von Poitiers im 16. Jahrhundert rivalisierten. Das Märchenschloss Chenonceau am Nebenfluss Cher, das der Herrscher seiner Favoritin schenkte, jagte Katharina ihr als Witwe wieder ab.

Sechs Könige prägten innerhalb eines Jahrhunderts die Residenz Amboise, nur noch ein Zehntel des Schlossbezirks ist erhalten. Leonardo da Vinci war bereits 63 Jahre alt, als ihm der kunstsinnige Franz I. das nahe gelegene Herrenhaus Clos-Luce als Alterssitz und Wirkungsstätte überließ. Dort entstanden im Gedankenaustausch mit dem Herrscher zukunftsweisende technische Projekte. Zum 500. Geburtstag da Vincis ließ die Firma IBM dort Modelle nach den Zeichnungen des Künstlers installieren: u.a. einen ersten Fallschirm und Hubschrauber, einen Raddampfer und im Prinzip bereits das Auto.

Winzerorte von Ruf, Montlouis und Vouvray, liegen am Weg nach Tours. Der heilige Martin (216-97), kaiserlich-römischer Gardeoffizier, der bei Amiens in der Picardie seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt haben soll, wurde hier begraben. Seine Reliquienstatue steht auf der Kuppel der Basilika. Ein Stück flussab sind die Anlagen von Schloss Villandry ein Paradebeispiel französischer Gartenkunst. Zwei Ziergärten, ein Wassergarten und ein Obst- und Gemüsegarten greifen harmonisch ineinander. Das nahe Azay-le-Rideau am Nebenfluss Indre (1518-29) ist ein »Edelstein« früher Renaissance – so Balzac. Usse über der Loire gilt als französisches Dornröschenschloss.

Chinon – sein sanfter Rotwein wird geschätzt – war im 11. und 12. Jahrhundert Hauptstadt des mittelalterlichen Frankreichs. Johanna soll hier dem Thronfolger Karl prophezeit haben, dass er – nach Vertreibung der Engländer – in der Stadt Reims gekrönt werde. 1450 gab der Hof diesen Königssitz auf.

Vier aus Tuff geformte, bunt bemalte Grablegen sind Mittelpunkt der Abtei von Fontevraud: Sie beherbergen Heinrich II. Plantagenet, seine Gemahlin Eleonore von Aquitanien, den gemeinsamen Sohn Richard Löwenherz und Richards Schwägerin Isabella von Angoulême.

Im Stundenbuch des Herzogs von Berry (1412-16) zeigt das Schloss hoch über Saumur noch wesentlich mehr Türme inmitten von Rebenfeldern; seine Eleganz blieb jedoch erhalten. Saumur war Traditionsgarnison der französischen Kavallerie, die Nationale Reitschule nebenan verfolgt nun rein sportliche Ambitionen.

Düster und bedrohlich wirkt die Festung von Angers mit schwarzen Bändern im Turm und im Mauerwerk. Sie birgt eine Sammlung einzigartiger Wandteppiche, u.a. den Zyklus der »Apokalypse«, den Versuch, die Offenbarungsvisionen des Johannes auf Patmos darzustellen. Zwei Drittel des ursprünglich 170 Meter langen gotischen Webwerks sind erhalten. Die schmale, himmelwärts strebende Turmfassade der Kathedrale St.- Maurice (um 1140 begonnen) ist ein kühner Triumph der Anjou-Gotik.

Richtung Nantes, der einstigen bretonischen Herzogsstadt schon nahe dem Atlantik, folgt nach all diesen Glanzlichtern geruhsame, kleinbürgerliche Provinz, die lange Zeit von der Schifffahrt und ihren Zulieferungsberufen bestimmt war.


 

Frankreich
Reiseartikel schreiben

Sitemap  |  Reisebericht schreiben  |  Impressum