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Lyon und das Rhônetal

 

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Seit der Antike ist das Rhônetal Frankreichs Nord-Südachse, Handelsweg und in heutiger Zeit Ferienstraße der West- und Nordeuropäer zum Mittelmeer. Dort, wo sich der ungestüme Alpenfluss mit der aus dem Burgund südwärts fließenden Saône vereinigt, liegt die Stadt Lyon. Mit ca. 460.000 Einwohnern ist sie die drittgrößte Metropole nach Paris und Marseille. Sie war unter dem lateinischen Namen Lugdunum einst Hauptstadt von drei römisch-gallischen Provinzen. Im archäologischen Museum kann man sich über das Leben in der gallischen Hauptstadt Lugdunum (Lyon) informieren. Lyon besitzt viele antike Schätze aus der Römerzeit, unzählige Aquädukte, Tempel, das Amphitheater, das Mausoleen und vieles mehr. Die Altstadt von Lyon wurde 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Die antike Stadt erstreckte sich auf dem rechten, hohen Ufer der Saône im heutigen Stadtteil Fourvière. Zum Ausgrabungsfeld gehören Aquädukte, Mausoleen, ein Cybele-Tempel, antike Theater, ein Odeon und ein Museum. Seit 1896 überragt die Basilika Notre-Dame mit vier Turmspitzen den Hügel, zu dem zahlreiche schmale Treppengassen, die montèes, hinaufführen. Das Herz der Stadt bildet die schmale Halbinsel zwischen Rhône und Saône mit der Place Bellecour, auf der Sonnenkönig Ludwig XIV. in Bronze und in Römertoga auf das Treiben schaut. Die überwiegend gotische Kirche St.-Nizier besitzt noch eine Krypta aus dem 6. Jahrhundert.

Der Nordteil der Flusshalbinsel, das Viertel La Croix Rousse, war einmal vom Textilgewerbe beherrscht. Sogar Seide aus Japan wurde verarbeitet. Hier webten bis zu 30.000 Frauen und Männer auf den 1804 von Joseph-Marie Jacquard erfundenen Musterwebstühlen. Die Textilindustrie spielt noch heute eine Rolle, auch wenn man längst zur industriellen Produktion von Kunstseide, Herms-Schals oder Spezialgeweben für die Raumfahrt übergegangen ist. Im Ateliers de Soierie Vivante kann man Arbeitsplätze der Lyoner Seiden-Heimarbeiterinnen aus dem 19. Jh. besichtigen.

Auch mit dem futuristischen TGV-Bahnhof Satolas und dem Glasgewölbe auf der alten Oper hat sich Lyon der Neuzeit zugewandt. Zugleich hat es die reiche Vergangenheit und städtischen Besonderheiten wieder ins Licht gerückt: Die traboules, gewölbte Passagen zwischen den Straßen, die schönen Innenhöfe der Bürgerhäuser und die Zahnradbahn hinauf zur Altstadt wurden repariert und herausgeputzt.

Lyon ist eine südliche Stadt mit nördlicher Effizienz. Denn hier herrscht bei aller Aktivität bereits mediterrane Lebenslust. Obwohl ganz in der Nähe, in Collongesau-Mont-d'Or, das Kochgenie Paul Bocuse die leichte nouvelle cuisine erfand, ist die typische Lyoner Küche doch eher deftig. Sie wird vor allem in den Bistros, hier bouchons (Korken) genannt, kultiviert. Über den Tresen gehen mit Vorliebe Kutteln oder herzhafte Würste. Dazu fließen Beaujolais-Weine von der Saône und Côte du Rhône von südlicheren Lagen.

Auch die Stadt Vienne, gleich flussab von Lyon auf einem Bergvorsprung, hat eine antike Vergangenheit. Der römische Tempel des Augustus und der Livia liegt zwischen einem romanischen Kloster und der gotischen Kathedrale. Auf Valence erinnern Weinhänge an Rhein und Mosel. Im klimatisch begünstigten Rhônetal wachsen einige der besten Rhône-Weine wie die berühmten Crozes-Hermitage sowie die außerhalb Frankreichs kaum bekannten roten Côte Rotie, St.-Joseph, Cornas und auch der weiße Condrieu.


 

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