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Pariser Nachtleben

 

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Kaum ein Stereotyp hält sich so hartnäckig wie die Legende vom erotischen Flair des Nachtlebens am Fuß des Montmartre. Viele ausländische Touristen halten das Moulin Rouge und die Place Pigalle für den Inbegriff des Pariser Nachtlebens, weshalb „Pig Alley”, wie die Hardcore-Meile rund um die Place Pigalle im schönsten Middle-West-Französisch heißt, chronisch zugeparkt ist von ausländischen (vor allem deutschen) Reisebussen.

Fast hundert Jahre ist es her, dass das Moulin Rouge (Rote Mühle) im Pariser Stadtviertel Montmartre durch einen handfesten Skandal endgültig zum berühmtesten, weil frechsten Nachtclub der Epoche avancierte: Im Jahre 1896 hatten hier Kunststudenten einen freizügigen Ball veranstaltet, in dessen Verlauf sich mehrere Damen sämtlicher Kleidungsstücke entledigten. Dieser erste und historische nu integral auf einer Pariser Bühne rief den Staatsanwalt auf den Plan, und eine der Damen wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, woraufhin die Studenten im Quartier Latin sich ans Barrikadenbauen machten. Der Drei-Tage-Krieg um das Recht auf Nacktheit (in der Kunst!) eskalierte, zwei Studenten wurden von der Polizei erschossen, und die „rote Mühle” triumphierte über die Konkurrenz.

Um dem Ansturm der Japaner, Amerikaner und Deutschen gerecht zu werden, arbeitet das Moulin Rouge heute wie die meisten Nachtclubs im Schichtbetrieb. Täglich beginnt um zwanzig Uhr das Diner Dansant, gefolgt von der ersten Show (gerüschte Unterröcke und Pfauenfedern, French Cancan wie auf den Plakaten von Toulouse-Lautrec) um 22 Uhr. Der zweite Durchgang beginnt dann um Mitternacht (nur Show).

In den Folies-Bergere mit seinen 1600 Plätzen geht es nach einem Diner Grand Siecle hoch her. Mehr oder weniger hüllenlose Tänzerinnen geben bei Darbietungen von Musik- und Tanznummern hier, wo Josephine Baker große Tage erlebte, ihr Bestes. 42 Tänzerinnen, Sängerinnen und Musiker bringt das berühmte Lido in seiner Revue „Bonheur” auf die Bühne. Das Paradis Latin glänzt mit seiner Musikshow „Paradis d'amour”, und feinste Body-Art mit sehr freizügigen Tänzerinnen gibt es im Crazy Horse Saloon. Im Alcazar strippte auch Mathieu Carričre einst als Transvestit. Berühmte und auch beim französischen Publikum beliebte Transvestitenshows sind im Michou und Chez Madame Arthur zu sehen.

Es gibt Bretter, die wirklich die Welt bedeuten, den Weg zum Ruhm. Das Olympia gehört dazu. Es ist eine der klassischen Institutionen, wie sie nur Paris bieten kann. Ob Yves Montand oder Edith Piaf, Ingrid Caven oder Gilbert Bécaud – sie haben die Feuerprobe im Olympia bestanden und wurden Stars. Ohne das französische Chanson gäbe es diese Bühne wohl nicht, aber ohne diese Institution wäre auch das Chanson ärmer. Natürlich können nicht alle, die hier auftreten, diesem Niveau entsprechen. Aber wenn es immer wieder Entdeckungen in der Welt des Chansons gibt, dann werden sie im Olympia gemacht. Es ist eine Legende – und erstaunlich jung geblieben. Aber weil auch hier Tradition allein die Kasse nicht mehr füllen kann, hat man sich mit den Jahren als Music-Hall spezialisiert.

Für 70 bis 200 Euro (je nachdem ob mit oder ohne Dinner) bekommt man bei einer der Revuen eine recht aufwändige Show geboten.


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