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Wir starten in St. Wendel unsere Tour durch die
Normandie. Der Navigator führt uns über Trier und Luxemburg nach Frankreich. Ein
Umweg von gut 50 Kilometern. Ich hatte vergessen im Menü "Mautpflichtige
Straßen" einzuschalten. Am frühen Nachmittag erreichen wir unserer erstes
Quartier, den Campingplatz "La Halte de Mainville" bei "Ressons-le-Long".
Am nächsten Morgen geht es schon früh los. Ein
Himmel wie von Emil Nolde gemalt lastet auf der Landschaft. Tintenblaue
tröpfelnde Wolkenbäuche berühren die dunkel erstarrte Flur. Da heute Sonntag ist
und viele Tankstellen geschlossen haben, versuchen wir es bei einer Tankstelle
ohne Personal, wo man mit einer deutschen EC-Karte bezahlen kann (Carte Bancaire).
Die Bedienung ist ohne Französischkenntnisse zwar etwas schwierig, aber wir
haben es hingekriegt. Zuerst steck man die EC-Karte rein und muss etwas warten,
dann den Code eingeben und mit V (rechts unten am Ziffernblock) bestätigen. Nun
kann man die Sprache wählen (Französisch oder Englisch) und wieder mit V
bestätigen. Nach Wahl der Treibstoffsorte wieder mit V bestätigen. Anschließen
kommt die Frage, ob man eine Quittung haben möchte, die mit Qui und anschließend
mit V beantwortet werden muss. Nun kann man die Karte entnehmen und der
Maximalbetrag, der getankt werden kann, wird angezeigt. Jetzt endlich darf man
die Zapfpistole aus der Halterung nehmen und tanken. Nachdem die Zapfpistole
wieder eingehängt wird, kommt die Quittung heraus.
Jetzt geht es zur ersten Station unserer Tour.
Wir wollen zum Schloss "Château de Sassetot" und dann die normannische Küste
abfahren. Das Prachtschloss aus dem 18. Jahrhundert liegt in einem 11 ha großen
Park direkt im Pays des Caux. Heute sind im Schloss ein Hotel und ein
Nobelrestaurant untergebracht. Dieser ruhige Ort ist ein schöner Zwischenstopp
auf der Fahrt zwischen Meer und Land.
Ein
grauer Schleier legt sich über die Stadt. Die Sonne geht nicht mehr auf, es ist
kalt und dunkel. Das ganze Grau der Welt schimmert wie von innen beleuchtet, als
wäre es eine chemische Reaktion der Steine. Fécamp mit insgesamt drei Häfen liegt an der Alabasterküste direkt am
Ärmelkanal zwischen Dieppe und Le Havre. In den Kreidefelsen sind Reste von
deutschen Radar-Bunkern des 2. Weltkriegs zu sehen. Das wohl bekannteste Produkt
aus Fécamp ist der hier destillierte Benediktiner-Likör aus 27 Kräutern und
Gewürzen (u. a. Kardamom, Koriander, Vanille, Zucker und Honig). Er hat einen
Alkoholgehalt von 40 Prozent. Die Basisrezeptur des Bénédictine stammt von dem
Benediktinermönch Bernardo Vincelli aus dem Kloster von Fécamp. In dem Palais
Bénédictine ist heute ein Kunstmuseum untergebracht, außerdem befinden sich dort
die Brennerei des Kräuterlikörs DOM Bénédictine, sowie die Bénédictine-Boutique.
In Le Havre fahren wir über die Pont de
Normandie (Die Brücke der Normandie) - ein Wunderwerk der Ingenieurskunst. Die
größte Schrägseilbrücke Europas, mit 856 m Spannweite, ist nicht nur Hightech
pur, sondern auch schön. Am Nordufer werden Details von den Verankerungen der
Brücke und einem Querschnitt durch einen Pylon gezeigt. Wir überqueren auf der
Brücke die Seinemündung und kommen nach Honfleur auf dem linken Ufer im Süden.
Schwere Wolkenmassen wälzten sich auf uns zu,
dass sich der blaue Himmelsstreifen zwischen ihnen über dem offenen
Meeresschlund erstreckt. In Arromanches tauchen bei Ebbe gewaltige, schwarze
Blöcke aus dem Wasser. Was wie Reste einer versunkenen Stadt aussieht, sind die
Fundamente eines künstlichen Hafens, den die Alliierten im Juni 1944 vor
Arromanches im Meer verankerten. Insgesamt 115 Betonklötze, jeder 7000 Tonnen
schwer, bildeten das Fundament, von dem binnen 100 Tagen 2,5 Millionen Soldaten
und eine halbe Millionen Fahrzeuge an Land geschafft wurden. Heute wirkt das
kleine Städtchen mit seinen Villen aus dem 19. Jahrhundert seltsam unberührt von
den kriegerischen Ereignissen.

US-Amerikanische Truppen landeten am D-Day auch
an Omaha Beach, für den die Stadt Omaha in den USA Namensgeberin war. Der
westlich gelegene, knapp fünf Kilometer lange Strandabschnitt bezeichnete man
als Utah Beach, die drei östlichen als Gold, Juno und Sword Beach. Die Sonne
steht schon tief als wir Utah Beach erreichen. Am großen Parkplatz vor dem
Museum übernachten wir. Im Cafe steht uns auch ein Internetanschluss zur
Verfügung. Hier stehen viele Gedenktafeln und Freiheitsmeilensteine, die den Weg
der US Armee auf der Strecke der Befreiung markieren. Die Straßen hat man zu
Ehren der Gefallenen nach deren Namen benannt.
6,5 Kilometer nordwestlich von Omaha Beach
kommen wir zu Pointe du Hoc, einer etwa 30 Meter hohen Steilküste. Hier
schaltete am D-Day ein US-amerikanisches Ranger-Bataillon eine deutsche
Geschützstation aus. Das 30 Hektar umfassende Areal, dass die Franzosen 1979 der
amerikanischen Regierung übertragen haben, sieht mit seinen Kriegsspuren noch
weitgehend so aus, wie es nach dem 8. Juni 1944 zurückgelassen wurde. Die
Umgebung erinnert an eine Mondlandschaft.
Es geht weiter an die Nordwest-Spitze der
Normandie, nach Cap de la Hague. Es ist eine schroffe, windige Heckenlandschaft
an der Atlantikküste. Wir kommen an der umstrittenen Wiederaufbereitungsanlage
vorbei, wo auch Brennelemente aus Deutschland wiederaufbereitet werden. Wir
parken oberhalb des Kaps und laufen bis zu dem kleinen Hafen herunter und
wollen einen Augenblick die Brandung rauschen hören und den Alltagsstress mit
den Wolken davonziehen lassen.
Der letzte Punkt unserer Reise durch die Normandie ist der
Mont Saint Michel. Am Mittag ist der
Parkplatz halb gefüllt – anders als im Sommer, wenn es auf der Zubringerstraße
schon morgens zum Stau kommt. Für 8,- Euro dürfen wir auf dem Parkplatz
übernachten – ein angemessener Preis (2008). Der Zugang zu dem kleinen Dorf um
den Berg ist kostenlos, nur der Eintritt zur Abtei kostet 7,50 Euro pro Person.
Von einer Terrasse oben an der Abtei bietet sich uns eine einzigartige
Gesamtansicht auf die Bucht und die Felswände der Normandie. Im Sommer soll man
hier wirklich durch die Gassen geschoben werden, doch jetzt im Oktober merkt man
nichts davon. Was für ein herrlicher Anblick, am Abend vom Wohnmobil über den
leeren Parkplatz auf den erleuchteten Mont Saint Michel zu schauen.
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