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Wir reisen mit dem Omnibus preisgünstig und
nicht unbequem zu den Schlössern an der Loire. Der luftgefederte Bus nahm uns
frühmorgens um 5:30 Uhr in Duisburg an der Busstreife an der Mercatorstraße auf.
Mitreisende stiegen am Hauptbahnhof von Essen, Düsseldorf und Köln zu. So eine
Bus-Besatzung ist natürlich „gemischt”, und manche Leute halten nicht viel von
dieser Art Tourismus. Da gibt es Unauffällige und Nervensägen, Wichtigtuer und
Bescheidene, Sympathische und Unausstehliche, Feinsinnige und Dickfellige — wie
das Leben so spielt. Man muss sich ja nicht verbrüdern, und für sechs Tage —
davon zwei für Hin- und Rückreise — ist jeder auszuhalten. Zumindest eint die
Reisegesellschaft, in diesem Falle 38 Personen, das Interesse fürs gemeinsame
Ziel, und dort waren alle pünktlich und aufnahmebereit für die vielen
Informationen, die der einheimische Führer locker aus seinem großen
Bildungsschatz schüttelte.
Dieser Jean-Louis war ein ebenso charmanter
wie energischer Erklärer seiner Heimat, der Touraine. Das ist die liebliche
Gegend um Tours, der „Garten Frankreichs” genannt wird. Mehr als 1000 Schlösser
liegen in dem 1.020 km langen Abschnitt des Loiretals, wozu auch die Nebenflüsse
Cher, Indre und Vienne gehören. Träge windet sich die Loire durch ihr
versandetes Bett, grün gefasste Nebenflüsse, wie der Cher, scheinen
stillzustehen. Von insgesamt etwa 40 sehenswerten Loire-Schlössern konnten wir
in der kurzen Zeit nur acht besichtigen, aber das reicht fürs erste. Mehr würde
die Kapazität von Urlaubern übersteigen, die ja nicht als Experten heimkehren
wollen.
Das gilt eigentlich für alle derartigen
Rundreisen, ob in Deutschland oder im Ausland. Spätestens nach einer Woche ist
der Bedarf gedeckt, verwischen sich die besuchten Objekte in der Erinnerung, die
daheim mit Hilfe von Aufzeichnungen und vor allem Fotos in Ruhe sortiert werden
will. Dann hat man auch genug von wechselnden Quartieren. Aber auch in dieser
Hinsicht hatten wir es an der Loire gut. Wir wohnen nur in dem Hotel Kyriad
Tours Centre zentral in Tours mit geräumigen Zimmern und dem Charme eines
renovierten Jugendstilhauses. Das ersparte uns lästiges Umziehen mit Ein- und
Auspacken. Die Halbpension (Abendessen in einem benachbarten Restaurant) war auf
die vorwiegend deutschen Gäste zugeschnitten. Raffinierte französische Küche
lernt man bei solchen Veranstaltungen nicht kennen. Und mittags war unterwegs
keine Zeit zum Schlemmen. Abgesehen davon, dass ein voller Bauch nicht gerne
fährt.
Zunächst haben wir unseren Standort Tours
besichtigt, uns mit der Altstadt und ihrem stimmungsvollen Platz Plumereau
angefreundet, wo man abends bei schönem Wetter unter freiem Himmel sitzen
konnte. Die alte Universitätsstadt ist erfüllt von Jugend, in den Randgebieten
macht sich moderne Industrie ohne sichtbare Umweltverschandelung breit, und vom
Kopfbahnhof verbindet der Hochgeschwindigkeitszug TGV Tours mit Paris in 55
Minuten.
Besuchergruppen aus vielen Ländern schlurfen durch die
aus dem weichen Kalkstein der Touraine erbauten Schlösser und Burgen - das von
Wasser und Gärten umgebene Chenonceau, das prächtige Amboise, in dem Leonardo da
Vinci die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, das wuchtige Chambord, das
herrschaftliche Blois mit einem umfassenden Überblick über die französische
Baukunst vom 13. bis zum 17. Jahrhundert, das in Privatbesitz befindliche
Jagdzentrum Cheverny, das trutzige Loches, das zierliche Azeyle-Rideau, das
wehrhafte Langeais und schließlich die zauberhaften Gartenanlagen von Villandry.
Alles geschichts- und kulturträchtige Orte, wo französische Könige und ihre
Mätressen, die Jungfrau von Orleans, Minnesänger, Hocharistokraten und Künstler
ihre Spuren hinterlassen haben.
Wer wenig von Frankreichs Vergangenheit
weiß, durchläuft hier einen historischen Schnellkurs. Wer etwas Vorwissen
mitbringt, gewinnt Anschauung von der Entwicklung unseres westlichen
Nachbarlandes zum Zentralstaat.
Unsere Heimreise führt uns über Paris mit
einer wunderschönen Stadtrundfahrt, die uns unvergessliche Eindrücke von
Frankreichs Hauptstadt bietet. Gegen Mittag beginnt die Rückfahrt zu unserem
Ausgangsort.
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