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Ferienparadies Bretagne

 

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Mit ihren zerklüfteten Granitfelsen, fjordartigen Buchten und einsamen weißen Sandstränden ist die bretonische Küste ein ursprüngliches Ferienparadies. An der bretonischen Küste reiht sich ein Fischerdorf an das andere. Bis in afrikanische Gewässer führen die Fangfahrten der Bretonen, der besten und härtesten Seeleute Frankreichs. Von den Handelszentren Frankreichs und den europäischen Märkten weit entfernt, nahm die Industrie in den fünf bretonischen Departements eine rückläufige Entwicklung. Über 70 Prozent der Bretonen sind Bauern und Fischer. Noch heute wird die Hälfte des europäischen Schalentierfangs von der bretonischen Fischerei eingebracht.

Die Provinzhauptstadt Rennes ist der günstigste Ausgangspunkt für eine Reise durch die Bretagne mit Bahn oder Bus. Die Touristen besuchen vornehmlich in den Sommermonaten dieses westliche Ferienparadies mit dem Winterklima Genuas und einer Sommermitteltemperatur von + 17 Grad.

Finistère – Weltende – heißt der westliche und am frühesten besiedelte Teil der bretonischen Halbinsel, in dem seit Jahrtausenden zahllose Wegkreuze den wilden Stürmen trotzen. Eine widerstandsfähige, graugelbe Flechte überzieht die von der Sonne und vom Salz der Meeresluft zerfressenen Formen. Die bretonische Halbinsel setzt sich mit ihrem mächtigen Schild aus Granit seit Urzeiten gegen den ständigen Angriff des Meeres zur wehr. Buchten und Grotten höhlt das Meer in den Fels, tiefe Fjorde schiebt es weit ins Land und bestimmt — durch seine Gezeiten — noch weit im Landesinnern den Lebensrhythmus der Bewohner.

Baie de Tripasses (Bucht der Toten) heißt die Bucht nördlich des Kap. An der äußersten Grenze des Kontinents, dieses Küstenstreifens, der so bezeichnend auch Finistere (Weltende) heißt, wo der Blick keine Begrenzung mehr findet, schenkt das Meer dem Menschen beim Sonnenuntergang das Erlebnis unvergesslicher Verbundenheit mit dem Kosmos. Hier fühlt man das Meer, das weite Meer. Obwohl der Stein, der Granit, die Halbinsel nicht nur schützend umschließt, sondern auch regelrecht durchwächst und damit ihr Landschaftsbild wesentlich mitprägt, ist doch kein Name treffender, als der, den die Kelten ihr einst gaben und der sich bis heute erhalten hat: AR MOR (Meerland).

Lange vor den Kelten haben geheimnisvolle Völker an der Küste gehaust, wie die Zeugen aus prähistorischer Zeit, die großen Steinmal-Reihen im Gebiet von Carnac und Pointe de Pen-Hir, beweisen. Zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert siedeln sich keltische Briten, die von den Angeln und Sachsen aus Großbritannien vertrieben wurden, hier an. Mit ihnen kamen irische Mönche als Apostel, deren Namen in vielen Ortsnamen enthalten sind, und die heute noch als Heilige verehrt werden. Druidenkulte, heidnisches und christliches Brauchtum haben sich hier unentwirrbar miteinander verbunden. Bretagne

Nur langsam regte sich ein allgemeines Interesse für dieses Randgebiet des Kontinents, das durch Jahrhunderte völlig unbekannt war und auch heute noch abseits der großen Touristenstraße liegt. Allerdings erwacht in den Hochsommermonaten die 1200 Kilometer lange, überaus reizvolle Küstenstraße zu turbulentem Leben. Die bretonischen Badeorte sind ein Dorado für französische Familien, die dem mondänen Leben an der Cöte d'Azur abgeschworen haben und nun einem behaglichen Feriendasein mit den Genüssen der bretonischen Küche huldigen. Auch Engländer finden sich hier gern ein, schließlich liegt die Bretagne vor ihrer Tür, Deutsche hingegen trifft man eher selten.

Von der Côte d'Emeraude, der Smaragdküste, an der das Wasser so unwirklich smaragdfarben leuchtet, bis zur Côte de Granit Rose, an der die roten Granitfelsen im Abendlicht zu brennen beginnen, liegt eine Kette reizvoller Badeorte. Stille kleine Fischerdörfer verlocken ebenso zum Verweilen wie erstklassige Hotels. Begünstigt vom wärmenden Einfluss des Golfstromes, ist die Vegetation hier überaus üppig und farbig, so dass mit Recht vom goldenen Gürtel gesprochen werden darf. Nicht weit davon breitet sich hungrige Öde der Bretagne aus.

An den Westufern, da wo sich die Wellen des Ärmelkanals mit denen des Atlantik vereinen und zahlreiche Leuchttürme ihr zuckendes Warnlicht in die Nacht senden, liegt die sagenumwitterte Bucht von Douarnenez. Ist hier die geheimnisvolle Stadt Is versunken, nach der Paris ihren Namen bekommen haben soll? (Par-Is bedeutet im Keltischen: gleich Is.) Besonders stark haben sich die alten Bräuche auf der Halbinsel Cornouaille erhalten. Hier liegt auch das kleine Land der Bigouden, die ihren merkwürdigen Namen ihrer Haartracht verdanken (Les Bigoudins = Lockenwickler). Ihre hohen weißen Röhrenhauben wird man am lebhaftesten von den unzählbaren Coiffes — den Spitzenhäubchen, von denen bald jedes Dorf ein anderes trägt — in Erinnerung behalten. Die bretonische Folklore ist vornehmlich in der westlichen Bretagne beheimatet, die offiziell als Basse-Bretagne bezeichnet wird. Die Grenze verläuft etwa zwischen St. Brieuc und Vannes, westlich davon ist Bretonisch die eigentliche Muttersprache.

Bretonisch ist kein Dialekt, wie gemeinhin angenommen wird, sondern eine eigene Sprache, die sich aus dem Keltischen entwickelt hat. Es gibt noch manchen alten Bretonen, der kein Französisch versteht und kaum einen Franzosen, der Bretonisch spricht. Für den Touristen ist es gut, sich wenigstens mit einigen Sprachsilben vertraut zu machen, dann werden ihm viele der nie gehörten Ortsnamen leicht verständlich sein. Denke man nur an die so häufigen Silben wie Plou = Gemeinde, Ker = Haus (Kermaria, also Haus der Maria), Loc = hl. Ort (Locronan, Ort des hl. Ronan), Menez = Berg und Beg = Landspitze. Zur Basse-Bretagne gehört auch die Bucht von Morbihan (kleines Meer), die an der Südküste liegt und gegen den Ozean fast ganz abgeschirmt ist. Hier duftet es nach Pinien, blühenden Mimosen und Kamelien, hier liegen bezaubernde kleine Inseln und märchenhafte Grotten, in denen man den Gesängen der Sirenen lauschen kann.

Wer von Norden kommend der Bretagne zustrebt, sollte es machen wie Maupassant, der abends Avranches erreichte, das noch auf normannischem Boden liegt, und vom „Jardin des Plantes“ über die Bucht von St. Michel schaute. Vielleicht hat man ein ihm gleiches Erlebnis, dass sich der märchenhafte Mönchsberg gegen den Abendhimmel abzeichnet, traumhaft, einer Fata Morgana gleich. Dann sollte man sich in der „Auberge St. Michel“ einmieten, einem intimen kleinen Hotel im englischen Landhausstil, das von drei liebenswürdigen alten Damen geleitet wird. Sie verstehen ein herrliches Festessen auf den Tisch zu zaubern, als wüssten sie, dass der Abend vor dem Tor zur Bretagne eines besonderen Akzentes bedürfe.


 

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