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Vogelkojen auf Föhr

 

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Die Vogelkojen waren ursprünglich keine Vogelschutzstätten, sondern Anlagen zum Einfangen von Wildenten. Auf Föhr sind noch sechs, auf Sylt drei und auf Amrum zwei Vogelkojen erhalten. Die Inselfriesen haben ihre Vogelkojen nach holländischem Vorbild angelegt, die meisten auf Föhr, wo es seit 1730 Kojen gibt. Von den sechs Föhrer Vogelkojen haben vier bis zum Ende des Jahres 1975 noch die Fangerlaubnis (Alte und Neue Ovenumer, Boldixumer und Ackerumer Koje). Die Ergebnisse der Entenjagd sind allerdings gering. In zwei Föhrer Kojen sind etwa im Jahr 1972 nur 899 Enten gefangen worden. Früher waren es oft Zehntausende in einem Jahr. Für 1975 hat die Oberste Jagdbehörde in Schleswig-Holstein nochmals eine Fangzahl von insgesamt 3000 Enten in vier Föhrer Kojen genehmigt. 25 Prozent der eingefangenen Vögel sind zu beringen und wieder freizulassen. Die Bedeutung der Föhrer Entenkojen könnte sich bald wandeln: Aus Vogelfangstätten könnten Vogelschutzstätten entstehen, entsprechend dem Beispiel der Kampener Vogelkoje auf Sylt.

Der Entenfang in den Vogelkojen der Nordfriesischen Inseln trug lange Zeit zum Lebensunterhalt der Inselbewohner bei. Die Wildenten waren als Delikatesse sehr begehrt und wurden auf den Inseln selbst und auf dem Festland preiswert verkauft. Die Kojen liegen meistens unweit des Seedeichs in einem künstlich angelegten dichten Wäldchen aus Weiden, Pappeln, Erlen und Birken. In der Mitte einer rund zwei bis zehn Hektar großen Koje befindet sich ein Süßwasserteich von etwa 60 mal 60 Meter Fläche. Die auf dem Teich eingefallenen Wildenten werden mit Hilfe von flügelgestutzten Lockenten, die an Futter gewöhnt sind, in einen der schmalen, 20–30 Meter langen Gräben gelockt, die von den Ecken des Teichs aus hornförmig gebogen ins Gesträuch verlaufen. Diese „Fangpfeifen”, auch „Piepen” genannt, sind mit Strohkulissen zur Seite hin abgedeckt und mit Netzen überspannt. Sie enden in einem Fangkasten oder in einer Reuse („Hamen"), dem Fangsack. Um den menschlichen Witterungsgeruch zu überdecken, pflegt der Kojenwärter ein Gefäß mit rauchenden Torfbrocken mit sich zu führen, eine "Feuerkieke". Man nahm früher an, die Wildenten würden über einen feinen Geruchssinn verfügen. Neuere Verhaltensforschungen haben dies jedoch nicht bestätigt. Trotzdem ist dieser Brauch heute noch üblich, auch in den holländischen Entenkojen. Zum Fang ist jeweils die Fangpfeife vorgesehen, über die der Wind dem Teich zuweht; denn die Vögel schwimmen und fliegen gern gegen den Wind. Von dem zwischen den schräge verstellten Schilfwänden hervortretenden Koienwärter werden die Tiere in die deren Ende in der Reuse gefangen und „geringelt”, das heißt durch Hals umdrehen rasch getötet.

Als Fangzeit in den Entenkojen gelten die Monate August bis Dezember. Nach den erhaltenen Fangbüchern wurden in der Vogelkoje Kampen von 1809 bis1921 insgesamt 686.169 Enten gefangen. Die Höchstzahl von 25.224 Enten ist dort anno 1841 notiert, das schlechteste Ergebnis im letzten Fangjahr 1921. In der Alten Övenumer Koje war das beste Fangjahr 1789 mit 66 882 Enten. Eine große Zahl von Enten wurde auf den Inseln verzehrt. Die Knechte und Mägde der Miteigentümer oder „Interessenten” einer Koje mussten sich verpflichten, zweimal wöchentlich Wildente zu essen. In Wyk auf Föhr gab es von 1885 bis 1931 eine Wildentenkonservenfabrik. Die Konserven sind an Passagierschiffe und Hotels in Hamburg und Berlin verkauft worden. Seit 1967 werden in Deutschland nur noch auf der Insel Föhr Wildenten gefangen, vornehmlich Krickenten. Obwohl der Entenfang heute wirtschaftlich keine Rolle mehr spielt, hängen die Föhrer "Interessenten" an dieser alten Einrichtung, sie weisen darauf hin, dass die verbliebenen vier deutschen Vogelkojen verglichen mit den fast 100 in Holland nicht ins Gewicht fallen.

Welch ganz andere Rolle eine Entenkoje heute spielen kann, zeigt das Beispiel der Vogelkoje Kampen, der ältesten Sylter Entenfangstätte aus dem Jahr 1767. Sie wurde 1935 zum Naturschutzgebiet erklärt. Als gut erhaltene, für den Nordseeraum typische Entenfangstätte aus dem 18. Jahrhundert ist sie eine der schönsten Anlagen dieser Art und zählt daher heute zu den gern besuchten Ausflugszielen auf Sylt. Der Deutsche Bund für Vogelschutz ist seit 1971 Pächter des Kojengeländes, um hier für den Naturschutz Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und ein naturkundliches Informationszentrum zu unterhalten. Der gemeinnützige Verein möchte damit neue Wege der Naturschutzpädagogik erschließen. Er geht davon aus, dass der Besucher der Vogelkoje in der urwüchsigen Landschaft Erholung und Anregung zugleich findet. Ähnliche Einrichtungen in Nordfriesland hat die Naturschutzgesellschaft Wattenmeer geschaffen, zum Beispiel auf der Hallig Hooge und auf Föhr. Auch der Verein Jordsand, der die Vogelkoje Eidum auf Sylt als Landschaftsschutzgebiet betreut, gibt naturkundliche Informationen an interessierte Kurgäste. Auf den Teichen der Vogelkojen in Kampen und' Eidum droht den Wildenten keine Gefahr mehr.

Bis heute sind noch einige Vogelkojen auf Föhr erhalten und dienen touristischen Zwecken.


 
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