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Burg Berwartstein

 

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Die Burg Berwartstein wurde 1152 erstmals urkundlich erwähnt und mehrmals in Mitleidenschaft gezogen. Heute ist sie in Besitz einer Erlenbacher Familie, die auch auf der Burg wohnt, und beliebtes Reiseziel für Touristen.

Burgführer Stefan füllt einen kleinen Eimer halb mit Wasser und kippt es in die runde Öffnung von zwei Metern Durchmesser. Es dauert, bis ein vernehmliches Klatschen oder eher Prasseln zu hören ist. Die Gäste sind beeindruckt. 104 Meter tief reicht der in einem Raum der Burg befindliche Schacht bis zur Grundwassersohle. "Echte Handarbeit, eine Meisterleistung", meint der Burgführer.

Das ist nicht das einzige Bemerkenswerte an der in und auf Sandstein gebauten Burg Berwartstein bei Erlenbach im Wasgau. Ziemlich einzigartig dürfte auch der einstmals einzige Zugang zur Oberburg sein: eine natürlich entstandene Röhre im Sandstein, weiter oben noch mit Schikanen versehen. Nur mit Korb oder Strickleiter war da hochzukommen. Kein Wunder, dass diese Burg nur einmal, in ihrer Zeit als Raubritternest Anfang des 14. Jahrhunderts, eingenommen wurde, allerdings durch Verrat.

Wie viele Burgen der Pfalz und des Elsass stammt der auf 280 Metern Höhe aufragende Berwartstein (auch Bärbelstein genannt) aus der Zeit, als unter Saliern und Staufern das Land am Oberrhein Reichskernland war. Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 1152, als die vormalige Reichsburg durch Schenkung auf das Hochstift Speyer überging. Es folgten wechselnde Lehens- und selbstständige Herrschaften, dann unterstand sie dem Kloster Weißenburg und schließlich, mit zeitüblicher Gewalt, Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz. Damit kam ab 1485 die Ara eines Mannes, der noch bis in unsere Zeit rund um Weißenburg als Kinderschreck herhalten musste: Hans Trapp, eigentlich Hans von Drodt oder Trott (heutiger Name des Geschlechts: von Trotha), kurfürstlicher Marschall und Heerführer. Für Kloster und Stadt Weißenburg war das nicht gut, denn die Familie Drodt hatte mit dem Abt noch eine Rechnung offen. Noch heute gewärtig ist, dass er die Wieslauter stauen ließ, um anschließend Weißenburg absaufen zu lassen. Schließlich musste sich der mit ihm befreundete neue Kurfürst Philipp II. von ihm distanzieren und verkaufte ihm kurzerhand die Herrschaft mit den Burgen Berwartstein und Grafendahn nebst zehn Dörfern. Jetzt hatte Hans Trapp erst recht freie Hand, bis schließlich Reichsacht und Kirchenbann über ihn verhängt wurden. Letzterer wurde erst zwei Jahre nach dem Tod des Ritters (1503) aufgehoben. Dennoch liegt er in geweihter Erde begraben: In einer Meinen Kirche etwas außerhalb von Niederschlettenbach.

Es mag aus heutiger Sicht ein Glücksfall sein, dass der Berwartstein 1591 nach einem Blitzeinschlag ausbrannte. Denn 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg sahen die Truppen des französischen Generals Melac nur noch eine Ruine, die sich nicht zu schleifen lohnte. Als im späten 19. Jahrhundert die Burgenromantik aufkam ließ der preußische Offizier Theodor von Bagienski die Burg wieder aufbauen. Die schlimmsten Auswüchse wurden zum Glück wieder beseitigt. Auf ihn folgte ein dänisch-mexikanischer Besitzer. Die Erlebacher Familie Wadle ist seit 1955 Eigentümer der Burg. Theo Wadles Vater Alfons hatte die Burg bereits seit den 20er Jahren verwaltet.

Im Zweiten Weltkrieg, als Erlenbach völlig zerstört worden war, und die Einwohner in den Katakomben des Berwartsteins Schutz vor den Bomben gefunden hatten, wurde sie schwer in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurde dann unter beträchtlichen Mühen wieder in Stand gesetzt. Die Familie Wadle wohnt auf der Burg, auch das ist eine Besonderheit. Einige Räumlichkeiten sind zudem fest als Ferien-Zweitwohnungen vermietet.

Aber zu sehen gibt es auch so genug. Das fängt mit dem Blick auf die Berge und Sandsteinfelsen des Wasgaus von den oberen Terrassen an, geht weiter mit Schlaf-, Folter- und Waffenkammer über den Rittersaal bis hin zu den Katakomben, die mit den Geschütztürmen und dem jenseits des Tals thronender Turm Kleinfrankreich unterirdisch verbunden waren. Das beschaffte passende Interieur einschließlich Piken, Streckbank und Rüstungen, wird erfreulich kitschfrei präsentiert.

Auch für das leibliche Wohl wird auf der bei Schulklasser und Reisegruppen beliebter Burg gesorgt. Die Schänke bietet vor allem pfälzische Kost, die - wie schon im Mittelalter - aus der höher gelegenen Küche per Aufzug herangeschafft wird.

Allzu viel Romantik beugt Burgführer Stefan vor. Zugig sei es hier gewesen, die Ernährung oft einseitig, die Hygiene und die medizinische Versorgung bescheiden: „Das war eine militärische Anlage und kein Pantoffelschlösschen. "Eine Besucherin während der Führung "Also das ist schon toll, aber hier leben?"


 

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