|
Manche
glauben es kaum, aber Nordrhein-Westfalen ist ein beliebtes Land bei Gästen aus
dem In- und Ausland. Das liegt zum einen daran, dass ein Großteil der Reisenden
geschäftlich in NRW unterwegs ist. Sie besuchen die bedeutenden Messestandorte,
nehmen an Kongressen teil oder sind anderweitig in beruflichen Angelegenheiten
im Land unterwegs. Die Politikmetropolen Bonn und Düsseldorf ziehen ebenso eine
Vielzahl von Gästen an. Von daher verwundert es nicht, dass in
Nordrhein-Westfalen der Kurzzeittourismus ausgeprägt ist. Gerade mal drei bis
vier Tage beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Landesgäste.
Zum andern
ist Nordrhein-Westfalen aber auch ein klassisch touristisches Ziel, das neben
den urbanen Kulturzentren auch landschaftliche- und Freizeit-Attraktivität zu
bieten hat. Nicht erst die IBA Emscher Park hat
den Industriekultur-Tourismus angekurbelt. Auch die vielfältigen anderen
kulturellen Angebote üben eine große Anziehungskraft aus.
Die
Sportwissenschaft lehrt: Die Pause ist genauso wichtig wie die Belastung. Das
wissen auch die Bürger Nordrhein-Westfalens. Und sie wissen zu schätzen, dass es
etliche Möglichkeiten gibt, diese Pausen zu gestalten. So kann man an vielen
Flecken des Landes in der freien Natur Erholung suchen und finden. Im
Teutoburger Wald, in der Eifel, im Bergischen Land, dem Sauer- und Siegerland,
im Siebengebirge, Weserbergland, Eggegebirge und im Münsterland sowie am
Niederrhein: Die Zahl der attraktiven Ausflugs-, Naherholungs- und
Tourismusziele des Landes ist groß. Das gilt nicht nur für die 14 Naturparks des
Landes, die sich mit einer Ausdehnung von 10.000 qkm über mehr als ein Viertel
der Landesfläche ausdehnen (allerdings sind diese nicht mit eng begrenzten
Naturschutzgebieten zu verwechseln). Und natürlich auch für die Bäder und
Staatsbäder des Landes.
Neben vielen
Kulturdenkmälern wie dem Kölner Dom oder dem Rathaus zu Münster, den
Industriebauten des Ruhrgebiets, den Wasserschlössern und Fachwerkhäusern sowie
den 50 historischen Stadtkernen lohnt sich auch die Besichtigung der Kurparks,
Gartenschauen, der fünf Revierparks in Gysenberg (Herne), Nienhausen
(Gelsenkirchen), Vonderort (Oberhausen), Wischlingen (Dortmund), und
Mattlerbusch (Duisburg). Aber es müssen ja nicht nur diese institutionalisierten
Möglichkeiten sein. Im Sommer werden die Ruhrwiesen von Fröndenberg bis Mühlheim
zum größten Freibad des Landes.
Das
Münsterland ist nur geografisch gesehen überwiegend flach. Für Radtouren ist
diese Landschaft ebenso ideal wie der Niederrhein. Im Münsterland hat sich das
Pättkesfahren zu einer festen Tradition entwickelt. Abseits befahrener
Autostraßen drängt sich ein weit verzweigtes Netz von kleineren Straßen und
Pfaden für Radtouren förmlich auf. In und an den Ballungszentren von Rhein und
Ruhr finden sich zahlreiche grüne Möglichkeiten zur Entspannung. Und am Rhein
stellt man sich ja schon seit 200 Jahren unverändert die Frage, warum dieser so
schön ist. Wenn an schönen Wochenenden die Motorrad-Kolonnen in Richtung der
Stauseen von Eifel oder Sauerland donnern, kann man sich vorstellen, dass
Nordrhein-Westfalen so hässlich nicht sein kann, nur etwas zu laut.
In Brühl bei
Köln lockt seit jeher nicht nur das Brühler Barockschloss des Kurfürsten Clemens
August, sondern auch der Albtraum aller Lehrer für einen Schulausflug, nämlich
der Erlebnispark Phantasialand mit seinen Achterbahnen, Wasserrutschen,
sonstigen Spaßangeboten, aber vor allem: mit unglaublich langen
Menschenschlangen. Inzwischen gibt es mehrere solcher Erlebnis- und
Freizeitparks in NRW. Dass jede Medaille zwei Seiten hat, zeigt sich auch heim
Straßen- und Wegenetz: Einerseits ist der Rhein-Ruhr-Raum ziemlich
zugepflastert, andererseits ist auf diese Weise auch Inline-Skater's Paradise
entstanden. Wahrscheinlich gibt es nirgendwo in Deutschland so zahlreiche
Möglichkeiten, gepflegt über den Asphalt zu bladen, beispielsweise auf dem
Rundkurs um den Hengsteysee bei Hagen oder in Düsseldorf am neuen Rheinufer.
Inzwischen sind neben den üblichen Radwanderkarten auch Inline-Karten mit den
besten Pisten des Landes im Handel erhältlich.
In einem
Land mit 18 Millionen Einwohnern als potenziellen Kunden ist selbstverständlich
der kommerzielle Freizeitbereich weit entwickelt. Neben den oben genannten
Angeboten findet sich ein weites Spektrum der Freizeitwirtschaft, von Spaßbädern
über Fitness-Center bis hin zu Flohmärkten, Gaststättenbetrieben oder
Diskotheken. Gerade die Mega-City Ruhrgebiet mit
ihrer Ballung an Events wird ob dieser Konsum- und Freizeitmöglichkeiten oft als
die amerikanischste aller deutschen Regionen bezeichnet: Die jungen Menschen,
soweit schon fahrtüchtig, cruisen genauso gerne über die NRW-Highways wie ihre
Altersgenossen in L.A., San Francisco oder San Diego.
Zwischen
Dortmund und Duisburg werden die Parkplätze der Einkaufszentren zu Treffpunkten.
An den Nachtschaltern der Tankstellen werden bezüglich der Ladenschlusszeiten
längst neue Fakten geschaffen. Drive-Ins werden zu Versorgungsstationen auf dem
Weg zu den Multiplexen, in denen litergroße Colabecher und eimerweise Popcorn
geleert werden können. In Fußball-, Eishockey- und anderen Stadien, die sich
längst von den simplen Anfängen gelöst haben, wird auch auf den Rängen nicht
mehr Fankultur "gearbeitet", sondern zelebriert. In alten Gasometern werden
nicht nur von Künstlern Fässer gestapelt, in ihnen lässt sich mittlerweile auch
tauchen, und auf alten Hüttengeländen wird nicht mehr malocht, sondern
geklettert. NRW ist unterwegs, pardon, natürlich on the road again.
|