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In
Nordrhein-Westfalen wird ständig Theater gespielt. Die Theater und Opernhäuser
des Landes machen sich mit schwerer Kunst und leichter Unterhaltung einen Namen.
96 öffentliche und 53 private Bühnen bemühen sich in 34 Städten um die Gunst des
Publikums. Einige der Bühnen sind weit über die Landesgrenzen bekannt — so z.B.
das Bochumer Schauspielhaus, wo Leander Haußmann an die Sendungswirkung der
früheren Intendanten Peter Zadek und Claus Peymann anzuknüpfen versucht, oder
auch die Bühnen in Köln und das Düsseldorfer Schauspielhaus. An dem letzteren
ist das Land zu 50 % beteiligt. In diesem verkappten Staatstheater traten auch
schon mal die Toten Hosen in der Bühnenversion von "Clockwork Orange" auf, und
der Filmemacher Sönke Wortman führte Regie bei der Bühnenversion von Woody
Allens "Bullets over Broadway". Pina Bausch mit ihrer Tanztheatertruppe aus
Wuppertal ist auf den großen Bühnen der Welt erfolgreicher und bekannter als in
der Heimat.
Eine ganz
besondere Rolle im Theaterland spielen die Ruhrfestspiele Recklinghausen. Nach
dem Krieg unter dem Motto "Kunst gegen Kohle" entstanden — Hamburger
Schauspieler waren zu Aufführungen ins Ruhrgebiet gereist und bekamen als
Vergütung heiß ersehntes Heizmaterial — hat die Veranstaltung die
Theatertradition im Ruhrgebiet neu entfacht. Unter der Leitung von Hansgünther
Heyme haben sich die Spiele heute zu einem europäischen Festival mit der
Aufführung von international renommierten Produktionen weiterentwickelt.
Die
Ruhrfestspiele werden vom DGB, der Stadt Recklinghausen und vom Land NRW
getragen und geben sich traditionell politisch engagiert. Seit 1999 finden sie
im frisch renovierten Festspielhaus statt. Von jeher lockt dieses Fest mit mehr
als 50-jähriger Geschichte alljährlich im Mai und Juni Zuschauermassen, die für
ein Volksfest rund um die Festspiele sorgen.
Vier
Landestheater gibt es in Nordrhein-Westfalen, die aber ihren Namen nicht wegen
ihres Trägers haben, sondern weil sie über das Land ziehen und vor allem Klein-
und Mittelstädte mit Theater versorgen, die über kein eigenes Bühnenensemble
verfügen. Zu diesen zählen das Landestheater Detmold, das Westfälische
Landestheater Castrop-Rauxel, die Burghofbühne Dinslaken sowie das Rheinische
Landestheater Neuss; eine ähnliche Einrichtung ist das Grenzlandtheater Aachen.
Neben den
öffentlichen Bühnen gibt es noch 53 private Theater mit festen Spielstätten, die
nicht oder nur unwesentlich aus Steuergeldern alimentiert werden. Das
Millowitsch-Theater in Köln, die Düsseldorfer Komödie und das Theater an der
Ruhr in Mülheim/Ruhr sind auch bundesweit bekannt. Darüber hinaus tragen über
400 Freie Theatergruppen zu einem reichhaltigen und flächendeckenden Angebot in
Sparten wie Kabarett, Comedy, Clownstheater, Figuren- und Puppentheater bei.
Der gesamte
Theatersektor Nordrhein-Westfalens bietet dem 3. Kulturwirtschaftsbericht NRW
zufolge mindestens 11.000 Menschen einen Arbeitsplatz, darunter alleine 6.000 im
öffentlichen Theaterbetrieb.
Kultur als Wirtschaftsfaktor
So ein
Affentheater — Comedy und Kabarett
"Sehr
geehrte Damen und Herren, liebe Neger". Spätestens mit dem Sauerländer Heinrich
Lübke, Bundespräsident von 1959 bis 1969, hat Nordrhein-Westfalen eine
Comedy-Dynastie entwickelt, auf deren heutige Protagonisten die gesamte Republik
neidisch ist. Wenn man die lebenslustigen Rheinländer mit den drögen Westfalen
zusammentut, musste ja so etwas wie die singende Herrentorte Helge Schneider
dabei herauskommen, der im Nebenberuf auch ein begabter Jazz-Musiker ist.
Herbert
Knebel samt seinem Affentheater konnte als Wiedergeburt von Adolf Tegtmeier nur
im Ruhrgebiet das Licht der Welt erblicken. Genauso verhält es sich mit seinen
Mitstreitern Fritz Eckenga, der als prolliger Bademeister beim Rocktheater
N8schicht in die Comedy-Historie eingegangen ist, oder Günna, der volksnahen
Puppe von Bruno Knust aus Dortmund.
Piet Klocke
ist der Oberlehrer des Landes. Auch Paderborn holt comedytechnisch gesehen auf
und schickt die sprachliche Konterbremse Rüdiger Hoffmann ins Rennen. Als
Lordsiegelbewahrer des "ernsten" Kabaretts präsentieren sich nach wie vor das
Senftöpfchen in Köln und das Kom(m)ödchen in Düsseldorf. Letzteres hat auch der
Schwabe Harald Schmidt als Sprungbrett für seine Karriere genutzt, bevor er in
die große weite Welt (Köln) hinauszog.
Der
Niederrhein hat Kabarettistisches und Komisches zu bieten: Hanns Dieter Hüsch
hat in 50 Jahren Bühnenpräsenz die Lebens- und Sprachgewohnheiten der Menschen
dieses Landesteils zu vermitteln gewusst, so auch das kommunikative Nachfragen
der Niederrheiner: "Wie, das kommunikative NachfragenP" Hüschs Landsmann Walter
Moers ist der einzige, dem es gleichzeitig gelingt, mit Käpt'n Blaubär
anspruchsvolle Kinderunterhaltung zu machen und mit dem kleinen Arschloch eine
erwachsene Leserschaft provozierend zu unterhalten.
Der
allergrößte Comedy-Star kommt selbstverständlich vom WDR. Das Krabbeltier aus
der Sendung mit der Maus fasziniert Generationen und länderübergreifend mit
seinen lustigen Mini-Geschichten und ist zu allem fähig. Selbst der Posten des
Fußball-Bundestrainers wurde der Maus seinerzeit von der taz angetragen. Zum
Bedauern der Fangemeinde beerbte aber ein anderer rheinischer Comedy-Held den
Bundes-Berti aus Korschenbroich bei Mönchengladbach.
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