Reise- und Urlaubsartikel

Der Rothaarsteig

 

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Der im Mai 2001 eröffnete Rothaarsteig beschert dem modernen, von Stress geplagten Menschen ein Wandererlebnis der besonderen Art. Ein Erlebnis, das alle Sinne anspricht, das Ruhe, Ausgeglichenheit und Nähe zur Natur beschert. 154 Kilometer lang ist der Höhenwanderweg, der Brilon über eine abwechslungsreiche Wegeführung mit Dillenburg verbindet und der mit der Westerwald-Variante durch drei Bundesländer (Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz) führt. Innerhalb kürzester Zeit ist er zum "Flaggschiff" der deutschen Wanderwege geworden. Dabei führte das Wandern jahrelang ein eher stiefmütterliches Dasein unter den Freizeitbeschäftigungen. Zwar hielt der in Arnsberg ansässige "Sauerländische Gebirgsverein" mit seinen 50.000 Mitgliedern das Wanderfähnlein hoch - doch ansonsten zogen es die meisten Zeitgenossen vor, ins sonnige Ausland zu reisen, sich am Strand zu aalen und braun gebrannt zurückzukehren, ohne sich damit belastet zu haben, irgendwelche Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Das Pendel schlägt seit einiger Zeit schon in die andere Richtung aus: Urlaub in Deutschland ist wieder angesagt - und Wandern ist wieder in. Zwar nicht in großen Gruppen. Die Eröffnung des Rothaarsteigs im Mai 2001 hat deutlich gemacht, dass dem Tourismus in Zukunft eine besondere Bedeutung zukommen wird. Der Trend geht eindeutig zu mehreren Kurzurlauben im Jahr, zu drei- oder viertägigen Wanderungen mit Gepäcktransfer. Zahlreiche Expertisen gehen davon aus. dass "Genuss-Wandern" einen immer größeren Anhängerkreis finden wird. Im Klartext bedeutet das: Nach der Wanderung erwartet der müde Gast ein schönes Hotel mit vielerlei Annehmlichkeiten, mit einer herzhaften, gleichzeitig aber leichten regionalen Küche und natürlich ein frisch gezapftes Bier.

"Genussvolles Wandern" heißt das Motto - dazu braucht man eine hervorragende Strecke und natürlich gute gastronomische Einrichtungen entlang des Weges, Qualitätsbetriebe, die zum Beispiel auch für den Gepäcktransport sorgen. Beides findet der Gast auf dem Rothaarsteig und dementsprechend sind die Besucherzahlen. Hunderttausend Gäste laufen pro Jahr auf dem "Weg der Sinne". Der Rothaarsteig hat in der Tat viele Vorzüge. Der Steig verläuft als Höhenwanderweg in der Regel zwischen 600 und 800 Höhenmetern, er überquert den Langenberg und den Kahlen Asten, die beiden höchsten Berge Nordrhein-Westfalens. Er führt überdies durch die waldreichste Mittelgebirgslandschaft Deutschlands, das Rothaargebirge, schließlich durch das Lahn-Dill-Bergland und den Westerwald. Wald und Wasser (die Ruhr-, Lenne-, Eder-, Sieg- und Lahnquelle liegen unmittelbar am Weg) bestimmen den Kulturraum Rothaargebirge. Herrliche Ausblicke ins "Land der tausend Berge" machen die Wanderung zu einem bleibenden Erlebnis. Etwas versteckt steht am Briloner Markt das nördliche Eingangsportal des Rothaarsteigs. Hier macht sich der Wanderer auf den Weg, erreicht schon bald die geheimnisvollen Bruchhauser Steine, ein eindrucksvolles Naturschauspiel. Winterberg ist das Zentrum des Hochsauerlandes, vor allem im Winter, wenn sich das "Schnee-Karussell" dreht. Nur ein kurzes Stück weiter wird der Kahle Asten erreicht. Er ist Ausgangspunkt einer besonderen Tour, die erst Ende Mai 2004 eröffnet wurde: Über 82 Kilometer zieht sich die "Winterberger Hochtour" als Rundwanderweg und lohnende Ergänzung des Rothaarsteigs durch die Ortsteile Winterbergs. Dabei werden vier "Achthunderter" bezwungen, neben dem Kahlen Asten noch die Ziegenhelle (816 Meter) der Clemensberg (838 Meter) und der Langenberg (843 Meter). Das Motto lautet: "Kein Weg ist höher". Gut zehn Kilometer weiter wartet Kultur auf den Wanderer: Der Waldskulpturenweg Wittgenstein-Sauerland von Schmallenberg nach Bad Berleburg kreuzt hier den Rothaarsteig. Die elf künstlerischen Stationen auf 17 Kilometern Wanderstrecke geben dem Wanderer besondere Ruhepunkte, an denen er sich gedanklich mit den Kunstwerken auseinandersetzen - und seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Der nächste "Höhepunkt" ist der Rhein-Weser-Turm. Hier hat man nicht nur beim Turmaufstieg einen grandiosen Rundblick, hier kann man sich auch trauen, im wahrsten Sinn des Wortes: Im Rhein-Weser-Turm gibt es das am höchsten gelegene Standesamt in Nordrhein-Westfalen! Im Siegerland eingetroffen wartet schon die Ginsburg: Hier fiel am 6. Mai 2001 der Startschuss für den Rothaarsteig, Jahrhunderte vorher fiel hier sogar eine Entscheidung von europäischer Dimension: Wilhelm von Oranien (genannt der Schweiger) traf hier 1568 mit seinem Bruder, Graf Ludwig zu Nassau-Dillenburg, letzte Vorbereitungen für den Kampf der Niederländer gegen die spanischen Besatzer. Graf Ludwig zu Nassau-Dillenburg sammelte auf der Ginsberger Heide den dritten Heerbann, mit dem er am 23. Mai jenes Jahres in Friesland in einem Gefecht siegte. An Tagen mit guter Sicht kann man vom Turm der Ginsburg aus das rheinische Siebengebirge erkennen. Kurz hinter der imposanten Burganlage gluckert es zunehmend links und rechts des Weges: Eder, Sieg, Lahn und Dill entspringen hier in unscheinbaren Quellen und suchen sich ihren Weg nach Westen und Osten. Endpunkt des Rothaarsteigs ist das hessische Dillenburg, das ebenfalls von den Oraniern geprägt worden ist und deshalb enge Beziehungen zum Siegerland hat. Nicht versäumen sollte man hier die Grablege in der einstigen Sakristei der evangelischen Stadtkirche - und auch nicht den Wilhelmsturm mit seinem Nassau-Oranischen Museum. Das südliche Rothaarsteig-Portal steht in unmittelbarer Nähe des Hessischen Landgestüts dass sich zu einem viel besuchten Ort am Rothaarsteig entwickelt hat. Für den 154 Kilometer langen Steig sollte man sich Zeit nehmen: Neun Tage sollten es schon sein, schließlich will man ja den "Weg der Sinne" auch genießen. Wer es noch genussvoller mag, kann den Weg auch in zwölf Tagesetappen bewältigen. Nur der eilige - und durchtrainierte - Wanderer schafft die Strecke mit Tagesleistungen von rund 25 Kilometern in sechs Tagen. Das muss aber nicht sein ... Steigender Beliebtheit erfreuen sich mehrere Info-Stationen auf dem Steig (z. B. "Wald als Wirtschaftsraum" oder "Ökosystem Wald") sowie Themenrouten: So gibt es einen naturkundlichen Weg im Grubental bei Latrop und einen kulturhistorischen Rundwanderweg südwestlich von Brilon mit dem viel sagenden Titel "Meiler, Wälle, Wüstungen". Im Siegerland steht ein weiteres Kapitel Kulturgeschichte auf dem Programm: Die dort über Generationen ausgeübte "Haubergswirtschaft" wird an markanten Beispielen dargestellt und erläutert.

Der Sauerländische Gebirgsverein unterhält ein breit angelegtes Wandernetz im Sauerland, im Siegerland und im Wittgensteiner Land. Darunter befinden sich 36 "Hauptwanderwege", die für Mehr- Tages- oder Etappenwanderungen ausgelegt sind. Zu den SGV-Hauptwanderwegen gehören der historische Handelsweg "Plackweg" (Hagen-Brilon-Helminghausen), der Talsperrenweg (Hagen-Biedenkopf) und der Robert-Kolb-Weg (Hagen-Bad Wildungen). Darüber hinaus gibt es insgesamt 34.000 Kilometer Wanderwege die vom Sauerländischen Gebirgsverein ehrenamtlich unterhalten werden.


 
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