Reise- und Urlaubsartikel

Mit dem Heißluftballon über das Münsterland

 

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Alle, die eine Reise im Ballon unternommen haben, schwärmen davon, als hätten sie in das Paradies geschaut. Wenn es so einfach ist, ins Paradies einzugehen, wollen wir nicht länger mit der Reise zögern und uns schleunigst einen Stehplatz im Himmel sichern. Der Startpunkt ist eine Wiese bei Gremmendorf im Münsterland. Auf der Wiese liegt ein großes, formloses Paket, geheimnisvoll verschnürt - unser Luftfahrzeug. Es wird von kundigen Händen zu einer riesengroßen bunten Scheibe entfaltet und ausgebreitet. Noch ist die Hülle zweidimensional, noch ruht sie als schlapper, kraftloser Balg am Boden. Der Ballon wird anschließend mit kalter Luft gefüllt, die mit Hilfe eines Propangasbrenners erhitzt wird. Nun richten die 3400 Kubikmeter, auf ca. 90 Grad erhitzte Luft den Ballon auf.

Wer hätte gedacht, dass diese Heißluft einen so schöpferischen Akt vollbringen kann? Unendlich langsam wie die Abendsonne geht der Ballon über der Wiese auf, zuerst ein wabbliges Segment, dann eine Halbkugel und schließlich prall und rund - ein glänzender Ball. Der Ballon drängt entschieden aufwärts und wiegt sich unternehmungslustig im Wind. Der schwere Weidenkorb wird herbeigeschafft. Die Helfer befestigen ihn mit Haken und Ösen. Rund um den Korb wimmeln viele Menschlein und helfen den wenigen Auserwählten beim Einstieg in die Gondel.

Ausgewogen ist das gewaltige Gebilde, ein paar Männer haben den unruhigen Ballon im Griff. Nun lasst schon los, Erdenbürger! Das Luftschloss bewegt sich und zieht uns behutsam hinauf. Ganz leise stehlen wir uns davon. Zurück bleibt ein unordentliches Stückchen Erde und die armen Helfer haben allerhand zu tun. Das winkende Bodenpersonal schrumpft schnell dahin. Die Kugel, die uns trägt, schwimmt mit dem Luftstrom, es regt sich kein Lüftchen. Bewegen wir uns überhaupt? Über die Brüstung gebeugt, stehen wir wie auf einem Balkon, und mit wachsender Entfernung glauben wir alle paar Sekunden, wir seien in die nächst höhere Etage umgezogen.

Wo ist die Pforte zum Paradies? In himmlischer Ruhe schweben wir zwischen 150 und 500 Metern Höhe über dem Land. Der Horizont tritt zurück. Die Erde wird größer, ihre Bestandteile werden kleiner. In einem gelinden Dunst erblasst die grüne Fruchtbarkeit der Felder. Die Fahrt geht auf Münster. Gelegentlich erreichen uns die Lebenszeichen der Welt, die der Flieger in seiner dahinrauschenden Kabine nie zu hören bekommt: das Bellen eines Hundes, das Rollen einer Eisenbahn, Glockenläuten. Wenn man im Himmel ist und die Glocken läuten hört, so haben sie, weiß Gott, einen besonderen Klang. Wir sind zu fünft in der Gondel, fünf Menschenleben hängen an zwei Dutzend Seilen. Neugierig umkreist uns ein kleines Sportflugzeug. Ehrlich, Kamerad, nur Ballonfahren ist schöner! Als der Ballon in den Schatten einer Wolke gerät, kühlt das Gas ab — wir sinken. Laut Auskunft des Variometers geht es mit vier Meter pro Sekunde abwärts. Der Pilot dreht den Brenner auf, um den Abstieg zu bremsen. Das Luftschloss fängt sich und gleitet niedrig über Busch und Baum.

Bewegung ist nicht zu spüren — wir stehen scheinbar still und erleben, wie eine höhere Gewalt bedächtig das Land unter uns wegzieht. Ernüchternd, aber schmerzlos ist die Rückkehr aus dem Paradies. Nach 1 Stunde Ballonfahrt sucht der Pilot eine geeignete Landegelände und öffnet kurz vor der Landung den so genannten Parachute des Ballons. Nun entweicht langsam die warme Luft aus der Hülle und der Ballon schwebt ruhig der Erde entgegen, bis er sanft aufsetzt.

Wo ein Ballon auch landet, das Bodenpersonal ist zur Stelle. Bauern, Großväter und Enkel, alle, die in der Nähe sind, eilen herbei, den vom Himmel gefallenen Tropfen nah zu sehn. Sofort bildet sich eine schaulustige Menge. Der Ballonführer rekrutiert sie zum Hilfsdienst.

Gemäß alter Tradition werden wir nach der Landung mit einem Glas Sekt in den Adelsstand der Ballöner erhoben und erhalten eine Urkunde.

Nach einer Stunde ist das wunderliche Luftfahrzeug entleert, zusammengefaltet, verpackt und auf einen Autoanhänger verladen. Unsere phantastische Reise endet in einem Münsterländer Wirtshaus, wo das Erlebnis Stunde um Stunde, Bier um Bier phantastischer wird.


 
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