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Hamminkeln liegt am rechten
unteren Niederrhein, zwei Drittel des Stadtgebietes gehören zum Naturpark Hohe
Mark. Erst am 1. Januar 1995 erhielt Hamminkeln die Stadtrechte! Die junge
Stadt hat dennoch eine interessante Vergangenheit.
Geografische Lage,
Verkehrsanbindung Die Stadt Hamminkeln liegt im Norden des Kreises Wesel an der
Grenze zum Münsterland. Im Norden grenzte das Stadtgebiet an Isselburg, Bocholt,
Rhede und Raesfeld (alle Kreis Borken), im Osten an die Gemeinden Hünxe und
Schermbeck (beide Kreis WeseI), im Süden an die Stadt Wesel, im Westen an Rees
(Kreis Kleve). Hamminkeln wird von der Issel durchflossen. Die niedrigste Stelle
im Stadtgebiet mit 14 Metern über NN liegt am Hagener Meer, die höchste Erhebung
mit 55 Metern in den "Brüner Bergen".
Die Autobahn A 3 durchquert das
Stadtgebiet und verbindet Hamminkeln mit dem Ruhrgebiet und den Niederlanden. In
Nord-Südrichtung verläuft die Bundesstraße B 473 (Bocholt-Wesel) durch das
Stadtgebiet, die B 70 passiert die Stadt im Osten, die B 8 im Westen. Die
Bahnhöfe in Hamminkeln und im Ortsteil Dingden liegen an der Zweigstrecke
Wesel-Bocholt, die alle 60 Minuten befahren wird. Ebenfalls im Stadtgebiet liegt
der Bahnhof Mehrhoog an der Strecke Duisburg-Arnheim, der ebenfalls mindestens
im Stundentakt bedient wird. Das Stadtgebiet ist durch fünf Buslinien, ein
Anrufsammeltaxi (AST) und einen Bürgerbus erschlossen.
Wichtigste Daten und Wappen
In
ihrer heutigen Form entstand die Stadt Hamminkeln 1975 aus den sechs ehemals
selbständigen Gemeinden Dingden, Brünen mit Marienthal, Loikum und Wertherbruch
und dem Gemeinteil Mehrhoog der Gemeinde Haffen-Mehr sowie Hamminkeln und
Ringenberg. Von den ca. 28.000 Einwohnern sind 52 Prozent Katholiken, 35 Prozent
Protestanten, 13 Prozent haben ein anderes oder kein Bekenntnis. Das Stadtwappen
zeigt auf grünem Grund unten einem silbernen Wellenbalken (er symbolisiert die Issel), oben einen silbernen Rundschild, auf dem eine schwarzen Lilienhaspel und
sieben kleine Rundschilde liegen Die Farbe Grün steht für Wiesen, Wälder und
Felder. Die Lilienhaspel ist das heraldische Zeichen der Herzöge von Kleve. Die
kleinen Schilde stehen für die sieben Ortsteile, die sich in der Stadt vereinigt
haben.
Aus der Ortsgeschichte
An der Geschichte der Stadtteile
Hamminkelns im Mittelalter waren fast immer die Herren des Schlosses Ringenberg
beteiligt, die sich ursprünglich "Herren von Dingden" nannten. Um 1200 bauten
sie Burg Ringenberg in einer strategischen Grenzlage. Hier grenzten das
Erzbistum Köln, das Bistum Münster und die Grafschaft Kleve aneinander. Bis 1329
stand die Burg allein in der sumpfigen Isselniederung. Dann erließ der Graf von
Kleve einen Aufruf an seine Untertanen, das Bruchland zu kolonisieren.
Niederländer kamen mit ihren Familien. Sie entwässerten die Isselniederung um
die Burg. Dafür erhielten sie das entwässerte Land als Eigentum und Privilegien
wie eigene Gerichtsbarkeit, Verwaltung und Steuerfreiheit. Die im
Dreißigjährigen Krieg zerstörte Burg baute Alexander Freiherr von Spaen als
Schloss wieder auf. 1758 verteidigten bei Mehrhoog die Preußen erfolgreich die
Reeser Schiffsbrücke gegen eine große französische Übermacht. Am Ende des
Zweiten Weltkrieges war Hamminkeln Schauplatz einer der größten
Luftlandeoperation der Alliierten. Ein Treffen von Veteranen aller beteiligten
Nationen im Frühjahr 1995 bekräftigte den Willen zur Aussöhnung. Anfang 1995
wurde Hamminkeln durch einen Erlass des Innenministers des Landes
Nordrhein-Westfalen zur Stadt ernannt.
Sehenswürdigkeiten
Schloss Ringenberg wurde in
heutiger Form 1661 fertig gestellt, im 18. Jahrhundert folgten weitere
Veränderungen. Das Schloss ist (mit Ausnahme des Standesamtes und des
Restaurants) an die "Derik-Baegert-Gesellschaft" zur Förderung von Künstlern
verpachtet, dementsprechend ist es nur teilweise zugänglich (Schloss Ringenberg,
Schlossstraße 8, 46499 Hamminkeln).
Die evangelische Kirche in
Ringenberg wurde nach Plänen des holländischen Architekten Vierevandt erbaut und
1754 fertig gestellt. Die ältesten Teile der evangelische Kirche in der
Marktstraße in Hamminkeln wurden im 11./12. Jahrhundert erbaut, Anfang des 15.
Jahrhunderts wurde sie vergrößert und zu einem gotischen Bauwerk umgestaltet.
1872 und 1878 erhielt die Kirche ein neugotisches Gesicht. Bei
Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1904 bis 1906 entdeckte man über der
Scheidewand zur Sakristei ein etwa viermal sechs Meter großes, um 1450
entstandenes Christopherus-Fresko (geöffnet vor und nach den Gottesdiensten).
Eine aus dem Rahmen fallende
Sehenswürdigkeit ist die 1936 geweihte katholische Kirche in Ringenberg. Sie ist
eine der schönsten und architektonisch interessantesten Dorfkirchen unserer
Zeit, entworfen von Dominikus Böhm. Die Kirche des
Augustinereremitenklosters Marienthai wurde 1256 geweiht. Vom weltlicher Stifter Sueder IV von Ringenberg existiert eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1258. Bis
1806 wurde das Kloster von Augustinereremiten bewohnt und bewirtschaftet. Heute
ist die einschiffige, spätgotische Saalkirche ein Zentrum zeitgenössischer
sakraler Kunst der Stilrichtung des rheinischen Expressionismus; besonders zu
erwähnen sind die kostbaren Fenster und das Bronzeportal. Sehenswert ist auch
der angrenzende kleine Friedhof. dessen Grabsteine künstlerisch gestaltet sind
und keine Geburts- oder Sterbedaten tragen, um an die kurze Spanne des irdischen
Lebens zu erinnern.
An die ehemals sieben
Brennereien erinnert die Brennerei Bovenkerck. Das Backsteingebäude mit der
aufwändig gestalteten Fassade wurde 1900 erbaut. Schnäpse und Liköre werden hier
nicht mehr hergestellt.
Die Küningsmühle in Dingden,
1350 erstmals urkundlich erwähnt, entstand in heutiger Form in der ersten Hälfte
des 19. Jahrhunderts; der Mühlenbetrieb wurde 1968 eingestellt. Voll
funktionsfähig ist dagegen die 1844 erbaute Turmwindmühle Nordbrock, die ein
technisches Museum ist. Weiter zu erwähnen ist die Windmühle Weßling von 1848 in
Hamminkeln, das Wahrzeichen des Ortsteiles. Sie ist aus einem Wehrturm
entstanden und wurde 1830 zur Mühle umgebaut. Die Königsmühle in Dingden stammt
aus dem Jahr 1852. In Loikum steht noch die Kappenmühle, die bis 1941 in Betrieb
war. Romantisch im Wald gelegen und von Gräften umgeben ist das Gut
Venninghausen im Stadtteil Brünen (Besichtigung nur nach Absprache). Mittelpunkt
des Anwesens ist ein Hallenhaus, das gotische Ursprünge hat. Einer alten Legende
zufolge soll Anfang des 15. Jahrhunderts der "arge Ritter Rowatasche" auf Gut
Rodehorst gewohnt haben, bevor das Haus 1432 von der Bocholter Bürgerwehr
erobert und zerstört wurde. Das heutige Gutshaus im Stile des niederländischen
Barocks entstand zwischen 1650 und 1700.
Bildung und Kultur
Eine Bildungseinrichtung
besonderer Art ist die Akademie Klausenhof in Dingden. Sie widmet sich der
berufliche Aus- und Weiterbildung und hat ein Ruf weit über die Grenzen
Deutschlands hinaus.
Das Kulturleben wird geprägt von
acht Heimat- und Bürgervereinen, der Musikschule Ringenberg, der Big Band "Young
People", dem ProCampesinos-Chor, mehreren Volkstanzvereinen und -gruppen, ferner
von den Gesangsvereinen, Chören, Spielmannszügen und Schützenvereinen. Das
Heimathaus Dingden zeigt Exponate zur Handwerksgeschichte und zum bäuerlichen
Leben sowie Fundstücke aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit (Hohe Straße 1,
46499 Hamminkeln-Dingden, 02852/4316). Im Atelierzentrum der
Derik-Baegert-Gesellschaft finden Kunstausstellungen und Konzerte statt (Schloss
Ringenberg), teilweise im Rahmen internationaler Kunstprojekte. Weitere Konzerte
werden auf Gut Rodehorst veranstaltet, Ausstellungen in der Galerie Isshorst und
im Rathaus der Stadt. Die Marienthaler Abende, der Mittsommer- und Martinsmarkt
sind beliebteste Ausflugsziele.
Das Brauchtum mit seinen
traditionellen Festen halten 15 Schützenvereine hoch, die 16 Schützenfeste
veranstalten. Hinzu kommen die Hamminkelner Kirmes "Bellhammi", die Dingdener
Kirmes "Dingfest" sowie Kirmessen in den Stadtteilen Mehrhoog und Brünen. Auf
dem Loikumer Bauernmarkt kann man freitags regionale Produkte erwerben und im
Bauernmarktcafe den Kuchen der Landfrauen genießen.
Sport und Freizeit
Nur acht Städte tragen
bundesweit das Prädikat "Pferdefreundliche Gemeinde" - Hamminkeln gehört dazu.
Vom Kinder-Ponyreiten bis zu geführten Ausritten im Gelände, von Reit- und
Fahrlehrgängen bis zu sportlichen Turnieren und Planwagenfahrten reicht das
Angebot. Auch Ferien auf einem Reiterhof werden geboten. Die Wanderreitroute
"Für Radfahrer werden rund 230 Kilometer ausgebaute und markierte Radfahrwege
angeboten. Die "Niederrheinroute", die "Kulturroute an Lippe und Ijssel" und
vier Rundkurse des Hamminkelner Verkehrsvereins führen durch das Stadtgebiet.
Fast 160 Kilometer Wanderwege und ein Nordic-Walking-Park mit rund 100
Kilometern ausgeschilderter Wege erschließen die Stadt.
Ein wichtiges Ausflugsziel ist
auch das Naturschutzgebiet Büngernsche Heide und Dingdener Heide. Es liegt
nordöstlich von Dingden und besteht aus einer fast 500 Hektar großen
Heidelandschaft mit moorigen Teilflächen. Dabei handelt es sich um eines der
größten Feuchtwiesenbiotope in Nordrhein-Westfalen.
Der Branchenmix im Stadtgebiet
gilt als ausgewogen. Die textilverarbeitende Industrie hat einen Schwerpunkt in
Dingden - einige der Betriebe bieten Betriebsführungen an, die sich ideal mit
einem Besuch im Bocholter Textilmuseum verbinden lassen. Weitere wichtige
Branchen sind der Maschinen- und Anlagenbau, Hoch- und Tiefbau, Garten- und
Landschaftsbau, die Bergbauzulieferindustrie, das Transportgewerbe sowie Handel
und Reparatur mit bzw. von landwirtschaftlichen Geräten. Erwähnenswert sind die
Brauerei und die Süßmosterei im Ortsteil Hamminkeln, sowie die Brennerei in
Ringenberg. Die ländliche Prägung der Gemeinde ist in der Wirtschaftsstruktur
noch gut nachzuvollziehen. Über 400 landwirtschaftliche Betriebe weisen eine
Fläche von mehr als fünf Hektar auf. Im Vordergrund stehen Milchviehwirtschaft,
Schweinemast und Geflügelzucht, aber auch Getreide- und Gemüseanbau.
Die Verwaltung der
Stadt Hamminkeln
befindet sich in der Brüner Straße 9, 46499 Hamminkeln, 02852-880.
Persönlichkeiten
Aus Hamminkeln stammt Wilhelm
von Lans (1861-1947), Kapitän von der S.M.S. Iltis, der sich 1900 im Kampf um
die Taku-Forts in China auszeichnete und später Vize-Admiral in der kaiserlichen
Flotte wurde.
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