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Der Charme des Auesees

 

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Es gibt höchstwahrscheinlich nur wenige Niederrheiner über 50, die nicht in einem Baggersee schwimmen gelernt haben. Mit Vater, der heimtückisch irgendwann ganz allmählich die Luft aus dem Schwimmreifen ließ, bis man stolz merkte, dass es auch ohne geht. Und ganz bestimmt gibt es viele, die heimliche Erinnerungen an niederrheinische Sonnenuntergänge mitsamt einem unvergleichlichen Gefühl von Freiheit, Abenteuer und einer gewissen Portion Anarchie hegen. Damals war es zwar auch schon verboten, Zäune zu durchlöchern, um ans Seeufer zu gelangen, aber irgendwie haben alle, die dies hätten ahnden könnten, alle Augen zugedrückt. Weil sie womöglich selbst am Wochenende ... ?

Das alles war lange bevor sich der Baggersee zu einem festen Bestandteil der so genannten Naherholung mauserte. Mit Strandbad, Pommesbude, Duschen und ordentlicher Liegewiese samt Aufsichtspersonal. Auch wenn der herzhafte Geschmack von Grenzüberschreitungen heute für immer dahin ist: Seinen Charme hat der Baggersee deshalb nicht verloren. Vielleicht umschwirren die Ufer ja heutzutage allabendlich nicht nur Heere von Mücken - die gab es schon damals - sondern auch Erinnerungen an die vergangene Zeit oder wenigstens eine Ahnung davon. Den Handtuchhockern des 21. Jahrhunderts ist es zu gönnen.

Kaum irgendwo haben wir so viele Baggerseen auf engem Raum wie am Niederrhein. Und kaum irgendwo so viele Chancen, große Romantik auf kleinstem Raume zu genießen. Insbesondere im Sommer nutzt die Bevölkerung des Niederrheins und des Ruhrgebiets die Bade-, Wander-, Radfahr- und Wassersportmöglichkeiten rund um den Auesee als nahe gelegenes Freizeitparadies.

Am Auesee finden bei sommerlichen Temperaturen täglich bis zu 20.000 Menschen Bade- und Erholungsmöglichkeiten. Nahezu ganzjährig ist der Auesee ein beliebtes Tauch- und Ruderrevier. Der Rundwanderweg, teilweise beleuchtet, wird von Spaziergängern und Laufsportlern, z. B. der Dreiwiesenlauf mit über 1.000 Teilnehmern, stark frequentiert. Beliebt sind auch der Hundefreilauf, die Surfflächen, die Angelufer und die Vogelbeobachtungshütte.

Eines der schönsten Freibäder Deutschlands ist das RheinBad. Eine riesige Liegewiese mit Blick auf den Rhein, dazu eine attraktive Wasserlandschaft mit Sprungturm bieten sich für einen kurzweiligen Tagesausflug an.

Zur stillen Erholung eignet sich das Naturschutzgebiet "Weseler Aue". Bis Ende der 40er Jahre wurden am Auerand Ziegeleien betrieben. Später siedelten sich auf den Brachflächen typische Bäume und Sträucher der Weichholzaue an. Zu dieser Zeit wurde die Aue bei stärkeren Hochwässern noch regelmäßig überflutet. Heute finden dort zahlreiche Vogelarten naturnahe Lebensräume. In den Gewässern lebt neben dem häufiger anzutreffenden Teichmolch auch der seltene Kammmolch. Im Winter ist die Aue mit den umliegenden Grünlandflächen ein stark frequentierter Rast- und Äsungsplatz für überwinternde Wasservögel. Eine besondere Attraktion stellen die arktischen Wildgänse dar. In den Wintermonaten kommen im Durchschnitt zwischen 150.000 und 180.000 Gänse an den Niederrhein.


 
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