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In dem alten Warfendorf Rysum
beginnt meine "Tour de Krummhörn". Mein Startpunkt ist die Kirche im Zentrum,
die von außen nicht verrät, was sie an Wertvollem beherbergt: Eine der ältesten
spielbaren Orgeln Europas, die einst mit Kühen bezahlt wurde.
In Rysum rolle ich durch eines
der schönsten Dörfer der Region, Landessieger im Wettbewerb "Unser Dorf soll
schöner werden". Gleich neben der Kirche liegt die Mühle, die von der intakten
Dorfgemeinschaft wieder aufgebaut wurde. Hier kann man nicht nur den leckeren
Ostfriesentee trinken, sondern sogar mit kleinen Gruppen übernachten.
Meine Fahrt führt entlang am
"Gasthof im Gulfbof" und der Traditionsgaststätte am Markt. Beim Bäcker hole ich
mir eine Stärkung für die Weiterfahrt in das nur zwei km entfernte Warfendorf
Loquard, einem früheren Häuptlingssitz. Loquards Ortskern wurde komplett
"dorferneuert" und bietet manchen idyllischen Flecken zum Verweilen. Im
Supermarkt kaufe ich noch schnell die ersten Postkarten. Als Geheimtipp wird mir
die klitzekleine Landschlachterei in der Kastanienallee empfohlen. Beim
Herausfahren aus dem Ort bleibe ich an der "Grundschule im ehemaligen Gulfhof"
stehen. "Junges Leben in alten Mauern" ist ein europäisches Projekt der
Extraklasse. Weiter geht's am Naturdenkmal "Appeltuun" vorbei nach Campen.
Schon bald stehe ich schon vor
dem Landwirtschaftsmuseum, zwei mächtigen Gulfhöfen. Links Museum und rechts
Kulturscheune mit plattdeutschen Musicalaufführungen. Schon toll, was die
Krummhörn zu bieten hat. Der Gang durch das Museum weckt Erinnerungen an meinen
Opa, der auf einem solchen Hof gearbeitet hat.
Beim Rausgehen fällt der Blick
auf den nahen Campener Leuchtturm. Die Straße führt direkt zum Eiffelturm der
Nordsee. Die Stahlkonstruktion ist atemberaubend und ähnelt tatsächlich dem Turm
in Paris. Nach 320 Stufen bin ich oben. Von hier aus kannst Du bei guter Sicht
bis nach Borkum sehen. Und Du siehst den Trockenstrand. Den Trocken … was?
Ein Ostfriesenwitz? Ein Strand
ohne Wasser, nicht vor, sondern hinter dem Deich? Ich schwinge mich in den
Sattel und bin gleich da: Strandkörbe, Beachvolleyball, Abenteuerspielplatz aber
kein Wasser - Dafür musst Du über den Deich, und ich sehe erstmals auf meiner
Tour die Nordsee. Hier starten übrigens auch die Wattwanderungen. Ich habe
Glück, das Wasser ist da und ich laufe hinein ... erfrischend kühl. Nach meinem
Bad wieder auf dem Deich, sehe ich, wo Herbert und Inge ihren nächsten
Campingurlaub verbringen: auf dem
Campingplatz hier am Deich in Upleward.
Zwischen Land und Meer liegen
die Salzwiesen. Auf den ersten Blick gleichen sie einer ganz normalen Wiese.
Doch Salzwiesen werden bis zu 250 Mal im Jahr überflutet. Hier leben ganz
spezielle Pflanzen und Tiere, die sich auf höchst unterschiedliche Weise auf ein
Leben mit dem Salz eingestellt haben.
Mein Kurs geht weiter, vorbei an
sportlichen Inlineskatern, nach Hamswehrum. Hier gönne ich mir ein wenig Kunst
und treffe mich mit dem Inhaber der Galerie, um über die Kunstlandschaft
Krummhörn zu fachsimpeln. Von Hamswehrum ist es ein Katzensprung nach Groothusen.
Die mächtige Kirche ist geöffnet. Allein die beeindruckende Orgel belohnt mein
Eintreten, und im Chorraum findet auch noch eine Kunstausstellung statt. Durch
den idyllischen Ortskern fahre ich zur beeindruckenden Osterburg und habe Glück,
eine Führung mitzuerleben, absolut lohnenswert und liebenswürdig. Das Schild
"Frische Eier" fiel mir schon beim Hinfahren auf und für mein Krabbenbrot mit
Spiegelei am Abend nehme ich mir zehn Frische mit, gleich neben der Burg.
Auf
dem Fahrradweg geht es vorbei an einem Reha-Zentrum für Pferde (gibt's hier
wirklich) nach Manslagt. Wie fast in jedem Dorf gibt es eine Hinweistafel mit
allem Wissenswerten. Und weil ich Hunger habe, gehe ich erstmal ausgiebig zum
Mittagessen. Im Gasthof gibt man mir den Tipp, mir das Bronzemodell anzuschauen.
"Manslagt um 1950" in Bronze gegossen mit einem schönen Platz zum Verweilen.
Nach kurzer Rast nutze ich den Schwung der abfallenden Warft und halte Kurs auf
Pilsum, das Dorf der Musik. Schon von weitem grüßt die Backsteinkirche.
Beim Eintreten setzt ein
atemberaubender Klangkörper ein. Der örtliche Posaunenchor probt für ein
Konzert. Kultur pur in der Krummhörn. Der Chorleiter rät mir, meinen Tee im
Restaurant gleich um die Ecke zu trinken. In der früheren Brauerei ist ein
erstklassiges Restaurant mit einem tollen Ambiente. Der Wirt empfiehlt noch
einen Käseeinkauf. Den gibt es zwar auch im Dorfmarkt, aber beim Käsehof ganz in
der Nähe ist er exklusiver. Durch alte Lohnen bahne ich mir den Weg zur Straße
zum Diekskiel, die mich an den Deich führt.
Vorbei an den Mühlen des
Windparks mit Info-Zentrum geht es über den alten Schafweg zum
Deicharbeiterdenkmal und von dort zum kleinsten aber wohl bekanntesten
Leuchtturm Deutschlands, dem Pilsumer Leuchtturm. Hier kann man sogar heiraten
und gerade heute finden hier zehn Trauungen statt.
Ich fahre am Nationalpark
Wattenmeer entlang durch das Vogelschutzgebiet nach Greetsiel. Durch die
Küstenschutzmaßnahme "Leybucht" erhielt Greetsiel eine Vordeichung in Form eines
Speicherbeckens mit Schleuse und Sielanlage. Dieses Gebiet wurde zusammen mit
angrenzenden "Pütten" (Kleientnahmestellen für den Deichbau) unter Naturschutz
gestellt. So entstand ein Eldorado für viele Wat- und Entenvögel. Vogelliebhaber
können bequem vom Deich oder von Beobachtungshütten die Vogelwelt beobachten
ohne diese zu stören.
Das Fischerdorf
Greetsiel mit seinem
bezaubernden Flair beherbergt mich für heute Nacht und die Auswahl an
Restaurants und Eisdielen ist beeindruckend. Nachdem ich mir mein Quartier
gesucht habe führt mich der erste Weg in den Fischkutterhafen. Hier herrscht
reges Treiben und meine Urlaubsstimmung überzeugt mich, heute nicht selbst zu
kochen. Ich bewahre meine frischen Eier auf und gönne mir einen leckeren
Fischerschmaus, begleitet von den kräftigen Stimmen des Shantychores beim
Hafenkonzert. Dies war für mich heute eine Erlebnistour durch das ursprüngliche
Ostfriesland entlang der Krummhörner Deichlinie.
Die Ferienregion Krummhörn ist
eine Kulturlandschaft mit einer großen Vielfalt an Museen, kulturellen
Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten. Doch die Gemeinde hat noch mehr zu bieten.
Den tiefsten Punkt Deutschlands in Freepsum, die Manningaburg in Pewsum, die
dorferneuerten Ortschaften Eilsum, Grimersum und Visquard, das kleinste Dorf
Woquard und die kleinste Kirche in Woltzeten. Aber auch die Herrlichkeit Jennelt
mit den Sarkophagen in der Kirche und die Murmelhochburg Uttum mit dem
Mühlencafe laden die Radfahrer zum Verweilen ein, nicht zuletzt die Kirche in
Canum mit anspruchsvollen Musikkonzerten. Krummhörn ist Ostfriesland pur zum
Genießen mit allen Sinnen.
Im Nationalpark lässt sich die
Natur pur erleben, entdecken und erforschen. Die Mitarbeiter des
Nationalpark-Hauses Greetsiel laden ein, diesen faszinierenden Lebensraum zu
erkunden. Es zeigt in einer neu konzipierten Dauerausstellung auf
spannende Art und Weise den Lebensraum Wattenmeer. Themenschwerpunkte sind die
Vogelwelt, der Deichbau und die Fischerei. Viele interessante Angebote drinnen
und draußen sind ein Erlebnis auch und gerade für die Familie mit Kindern.
Mehr
Infos unter:
www.nationalparkhaus-greetsiel.info
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