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Es ist
eigentlich nur einen Katzensprung entfernt von der Städtelandschaft an Rhein und
Ruhr, verkehrsmäßig gut erschlossen, auch Züge fahren oft und meistens
pünktlich. Aber schon ein knappes Stündchen hinter Münster, direkt Richtung
Norden, reibt man sich die Augen. Eine Landschaft breit und behäbig zieht
vorbei. Nach links und rechts findet der Horizont kaum Begrenzungen, das Land
hat Platz, sich auszudehnen, schmucke Dörfer, geräumig angelegte Bauernhöfe
säumen den Weg. Und wenn man aussteigt aus Auto oder Zug weht ein anderer Wind.
Er schmeckt nach Weite und Moor, ein bisschen nach Salz von der entfernten See,
nach Acker und Viehzucht, jetzt, im Vorfrühling schon nach aufbrechendem Grün,
das die dunklen Schatten der Baumalleen zart durchsetzt.
Mitten hindurch zieht
sich der Fluss, der dieser Landschaft ihren Namen gibt: Emsland. Meppen ist die
Hauptstadt des Landkreises, fast genau in der Mitte gelegen, zwischen Ruhrgebiet
und Nordsee, auch eine Stadt des "kleinen Grenzverkehrs", der eine Verbindung zu
den Niederlanden schafft. Aber vor allem eine Stadt, an der der Strom der Zeit
vorübergegangen zu sein scheint, nicht eine Spur von Hektik, in früher
Morgenstunde übertönt das Läuten der Kirchenglocken den Verkehrs lärm auf den
Straßen rund um die Innenstadt. "Gibt es etwas Neues"? fragt in der
Fußgängerzone eine Früheinkäuferin eine andere. "Ne, ich glaube nicht, und die
Zeitung hab ich noch nicht gelesen."
Die meisten Fremden, die in Meppen Station
machen, sind Leute auf der Durchreise. Geschäftsreisende - Geschäfte gibt es
halt überall -, ein paar ziellose Bummler, die durch die Landschaft reisen, am
Wochenende natürlich einige Kegelclubs, Ausflügler, die abseits der Großstädte
ein Wochenende auf dem Lande genießen wollen. Der große
Urlauberstrom aber zieht vorbei, nach Norden, an die See oder auf die Inseln.
"So richtigen Urlaub buchen hier eigentlich ganz wenige", weiß man im
historischen Rathaus am Markt. Dabei ist Meppen das Zentrum des flächengrößten
Landkreises in der Bundesrepublik.
Viele
Emsländer bieten Ferien auf dem Bauernhof an zu Preisen, zu denen es sich leben
lässt. In den gemütlichen Hotels oder Gaststätten hängen oft Bilder an den
Wänden, die die "Lebensqualität" dieser Region dokumentieren:
Charakterköpfe und Gesichter, die Gelassenheit ausstrahlen und Selbstsicherheit.
Viele Ähnlichkeiten mag man entdecken, wenn man unter die Leute geht. Die
Sprache ist bedächtiger, die Zeit wird nicht mit der Uhr in der Hand gemessen,
sie gleitet vorbei, ruhig wie die Ems, an deren Ufern Angler sitzen, Statuen
gleich - aus der Entfernung zeigt nur der Rauch aus der Pfeife, dass sie leben.
Dennoch:
Tourismus ist kein Fremdwort. An Angeboten mangelt es nicht. Das größte Kapital,
das auch gar keiner "Erschließung" bedarf, ist die Landschaft, die sich
gemächlich ausbreitet, durchsetzt mit Wäldern und Mooren, durchzogen von Ems und
Hase und vielen kleinen Straßen, die selbst den notorisch Eiligen das Rasen
abgewöhnen können.
Viel Natur gilt es hier zu entdecken, die nicht extra unter
Schutz gestellt werden muss, denn so sehr strapaziert wird sie nicht.
Touristisch ist auch noch nicht alles organisiert, der Urlauber darf sich selbst
auf die Reise machen. Zu Fuß oder per Rad, mit dem Kanu oder auf dem Rücken der
Pferde. Kenner haben Zweifel zu erklären, wann sich das Land am Schönsten zeigt:
Im Frühling, wenn sich allmählich milderes Klima gegen die rauen Winde aus dem
Norden durchsetzt, im Sommer, wenn weiße Wölkchen unter einem durchsichtig
blauen Himmel segeln, im Herbst, wenn Farbenpracht die weite Landschaft
aufleuchten lässt. Der Winter, in der Tat, das ist nicht jedermanns Sache.
Düster ist dann das Land, Bäume stehen wie Mahnwachen in den Alleen, dunkel
zieht die Ems dahin, in der sich der bleiche Winterhimmel spiegelt.
Eine der
faszinierendsten Landschaften des Emslandes rund um Meppen ist das Moor, die
letzten zusammenhängenden größeren Flächen dieser Art in Deutschland. Im Laufe dieser
Jahre wurde ein Großteil dieser Fläche kultiviert, während des Zweiten
Weltkrieges durch Straf und Kriegsgefangene - das berühmte "Lied der
Moorsoldaten" ist ein Zeugnis dieser bitteren Vergangenheit. Inzwischen wurde
ein großer Teil der Moorlandschaft industriellen und landwirtschaftlichen
Zwecken nutzbar gemacht, der Rest soll als Landschaftsdokument erhalten
bleiben.
Doch es gibt
im Landkreis Meppen auch den Tourismus modernerer Art. Der Campingplatz der
Stadt beispielsweise ist während der Sommermonate fast immer ausgebucht. Eine
gewisse Berühmtheit hat auch Schloss Dankern erlangt, ein Freizeitzentrum, das
in Regenzeiten "Ferien unterm Dach" erlaubt. Denn inzwischen haben Gastronomie
und Fremdenverkehrsgewerbe im Emslandkreis durchaus bemerkt, dass etwas für
die Region zu holen ist.
Für Autofahrer ist es kein Problem, nahe und
interessante Ziele in der Umgebung anzusteuern: An die Nordsee, ins Osnabrücker
Land oder über die Grenze nach Holland, und das nicht unbedingt auf überstauten
Autobahnen. Nicht zu vergessen, den Rückzug in die Steinzeit, die sich zum
Beispiel in den Hünengräbern des Hümmlings zeigt. Dort kann man übrigens auch
ein Nationalgericht probieren: Den Bockweitenjanhinnerk, eine
Pfannkuchenspezialität aus Buchweizen. Er wird als heimische Spezialität in
vielen Cafés angeboten.
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