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Wild- und Freizeitparks in der Heide

 

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Die Prospekte versprechen Krokodilringkampf und Bermuda-Delphinshow. Hier das Vergnügen des Geschwindigkeitsrausches auf einer so genannten "Monza-Piste", dort die Autokolonnen der Gäste. Lärm erfüllt hüben, Abgas drüben die Luft.

Auf einigen dieser großen Kommerz-Areale scheinen die Tiere nur Statisten eines Disney-World-Rummels zu sein. In anderen Wildtierhaltungen dagegen stehen für das Abenteuer wirklich noch Fuchs und Luchs. Dennoch genügt keine dieser Anlagen den Ansprüchen, die man vernünftigerweise an einen Wildpark stellen kann.

Von Fernsehsendungen verwöhnt, erwarten zahlreiche Besucher in diesen Parks und in unseren Naturschutzgebieten wilde Tiere in großer Zahl und Artenvielfalt. Doch die Lüneburger Heide lässt sich nicht mit amerikanischen und afrikanischen Nationalparks vergleichen. Während in den Wildreservaten der beiden großen Kontinente Eingriffe in die Natur Ausnahmen bleiben, wird das norddeutsche Heidegebiet land- und forstwirtschaftlich genutzt, hier wird gejagt und gefischt. Auerochs, Wisent und Wildpferd sind der Kultivierung dieses Landstriches bereits im frühen Mittelalter gewichen. Die Bären verschwanden im 15. Jahrhundert, der letzte Luchs wurde 1658 erlegt, die Wildkatzen überlebten immerhin bis ins 18. Jahrhundert. Ebenso lange hielten die Wölfe aus. Von den Säugetieren unter dem Wild sind somit nur noch Reh, Hase und Wildschwein in nennenswertem Bestand heimisch in der Heide.

Das Vogelleben ist zwischen Aller und Elbe glücklicherweise vielfältiger: Wiedehopf und Graureiher, Kranich und Schwarzstorch, Blauracke und Kolkrabe – anderswo sind sie längst verschwunden.

Bei dem lebhaften Interesse Natur liebender Ausflügler an Tieren im Wald liegt nichts näher, als Wildgehege einzurichten. Beispielhaft für eine solche Anlage ist der Nationalpark Bayerischer Wald. Doch ein ihm entsprechender Park als öffentliche Einrichtung, die die Natur vor Schaden bewahrt und gleichzeitig Besucher über Tiere und biologische Zusammenhänge unterrichtet, gibt es in der Heide leider nicht. Stattdessen haben einige private Unternehmer Chancen im Geschäft mit Tieren gewittert und Gehege in autobahnnahen Lagen eröffnet.

Der "Wildpark Lüneburger Heide" bei Nindorf am Walde wird wohl am ehesten einer Schutzaufgabe gerecht. Von den zur ursprünglichen und zur gegenwärtigen Fauna der Heide gehörenden Tieren sind es beispielsweise Rothirsch, Wisent, Bär, Luchs und Wolf, Dachs, Fischotter, Weißstorch und Uhu, die während einer fast zweistündigen Wanderung durch den Park beobachtet werden können. Die Gehege sind freilich nicht alle gleich gut angelegt. So werden Fuchs und Dachs in einem Zwinger gemeinsam gehalten, der ihnen kaum Unterschlupf gewährt. Und Huftiere aus felsigen Gebieten, wie etwa die Mähnenspringer mit ihren lang ausgewachsenen Klauen, gehören nicht auf eine Wiese. Man sollte auf diese nordafrikanischen Wüstenbewohner und andere exotische Tiere verzichten. Der Wildpark verlöre nichts von seiner Anziehungskraft, würde man sich auf einheimisches Wild beschränken und dieses den Besuchern vertraut machen durch Informationen über Lebensgewohnheiten, Ansprüche und auch über die zivilisatorischen Gefahren. Die Damhirsche, die in viel zu großem Rudel und bei zu geringem natürlichem Futterangebot auf Besucher und Bäume losgelassen werden – hier betteln und dort Rinde schälen –, sind es freilich nicht, die all-gemeingültige Erkenntnisse über Verhaltensweisen vermitteln können. Dennoch: Die Grundlagen für einen Park der Erholung, der Zucht und Erforschung bedrohter Tierarten sind in Nindorf zweifellos bereits vorhanden.

Ein anderes Ziel verfolgt der Vogelpark in Walsrode. Er soll die Begeisterung weitergeben an all jene, die sich noch einen Blick für die Schönheiten der Natur und ihrer Geschöpfe bewahrt haben. Dieser Zweck wird sicher erfüllt. Ansonsten ist der Park eher zufällig im Heidegebiet entstanden. Seine Besitzer hatten einst allein aus Passion Vögel gehalten und wollten daraus kein Geschäft machen. Heute ist es ein lukratives Unternehmen mit vorbildlichen Gehegen und Volieren. Eine große Freiflughalle verbessert die Bedingungen des Lebens in Gefangenschaft, die Temperaturregulierung gewährleistet eine stabile Gesundheit der etwa 5000 Vögel, und mit der jährlichen Brut von rund 200 Vogelarten trägt dieser schöne, gepflegte Park auch zur Erhaltungszucht bei. Doch 1000 Artvarianten — davon an Papageien etwa ein Viertel — kann selbst ein Fachmann an einem Besuchstag nicht erfassen.

Während alle diese Wildtierhaltungen trotz einiger Mängel ebenso sinnvolle wie sehenswerte Einrichtungen sind, kann man dies über einen "Safaripark" nicht mehr so einfach sagen. Die Tiere sind wie die Besucher selbst, dem Lärm und den Abgasen der Autokolonnen ausgesetzt. Das Ganze dient dem Geschäftemachen während der guten Jahreszeit und dem Nervenkitzel eines Abenteuer suchenden Publikums.

Auch der "Serengeti"-Großwildpark in Hodenhagen gehört in diese Kategorie. Nirgendwo zum Beispiel erklärt ein Schild dem Besucher, welche sechs verschiedenen Antilopenarten er bereits im ersten Gehege neben Giraffen und Watussi-Rindern zu sehen bekommt. Das Durcheinander ist zuweilen unerträglich: Da leben Tiere aus vier Erdteilen zusammen in einem Gehege, nordamerikanische Bären und afrikanische Affen in einem anderen. Da die Baribals und Paviane gute Kletterer sind, müssen sie die einzige ausbruchsichere Anlage eben notgedrungen gemeinsam bewohnen.

Der Erholungswert für die Besucher, deren Autos sich in Schlangen durch die Gehege bewegen, entspricht vielleicht dem einer Autobahnreise durch eine schöne Gegend. Eine Wanderung durch die Heide wäre sicher gesünder. Eine ideale Form der Wildtierhaltung gibt es in der Lüneburger Heide nicht. Ein solches Konzept verlangte, die Tiere in artgemäßer Umgebung vorzustellen mit ebenso sachlich richtiger wie ansprechender Information, Erhaltungszucht bedrohter Arten zu betreiben und wissenschaftliche Forschung zu erlauben. Zuviel verlangt? Wohl nur für den, der in Tieren nur eine billige Ware und eine Möglichkeit zum Geldverdienen sieht!


 
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