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Trubel und Einsamkeit,
Naturschönheiten, 40 Kilometer weißer Sandstrand, und über 1.900 Sonnenstunden
jährlich, so steht's im Reiseführer. Wir sind gespannt, was wir von all dem
finden.
Der Name Usedom geht auf das
slawische Wort "uznam" zurück, das so viel bedeutet wie Mündung.
Tatsächlich liegt die 42 Kilometer lange und an manchen Stellen nur wenige
Hundert Meter breite Insel im Mündungsdelta der Oder. Sie wurde 1999 zum
Naturpark Usedom erklärt, Teile davon sind Naturschutzgebiet.
Wir fahren mit unserem Wohnmobil
durch Wälder und vorbei an Binnenseen. Keine Spur von Jubel und Trubel, dafür
ländliche Idylle. Ruhig geht es am Waldparkplatz Bansin zu, auf den uns ein
Stellplatzschild an der Straße aufmerksam macht. Still, sauber und funktionell,
zum Strand ist es nicht weit, und der im Hochmoor gelegene Mümmelkensee ist
einen Spaziergang wert.
Und natürlich Bansin selbst,
ebenso wie Heringsdorf und Ahlbeck. Die drei Kaiserbäder bilden den Mittelpunkt
des touristischen Lebens auf Usedom. Vor allem in Heringsdorf hielt sich Kaiser
Wilhelm Il. häufig und gern auf. Heute tummeln sich hier Touristen und
Badegäste, angelockt von Noblesse und architektonischem Prunk. Auch wir sind
beeindruckt von den herausgeputzten Gebäuden, allerdings ist es für unseren
Geschmack ein wenig zu voll auf der Promenade.
Kurzer Fotostopp an der
Seebrücke von Ahlbeck, die als einziges historisches Bauwerk dieser Art an der
Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns erhalten blieb – übrigens auch dank Loriot:
Der Humorist nutzte diese Seebrücke 1991 für die Schlussszene in seinem Film
"Papa ante Portas". Der mehr als 100 Jahre alte, weiße Holzbau mit den vier
Türmchen beherbergt ein gut besuchtes Restaurant – für Touristen ein Muss.
Nach dem Besuch der Kaiserbäder
steht uns der Sinn nach Ruhe und Natur. Da sind wir im Hinterland, der so
genannten Usedomer Schweiz, genau richtig. Unser Camper bleibt auf dem
Campingplatz, und wir radeln vorbei an prächtig blühenden Wiesen und über sanfte
Hügel.
Gerade mal 600 Seelen leben in
Benz, einem von Wald und Feldern umgebenen schmucken Dorf. Nicht nur uns gefällt
es hier, auch Otto Niemeyer-Holstein, Altmeister deutscher Landschaftsmalerei,
griff hier einst zu Stift und Skizzenblock. Der ganze Stolz von Benz ist die um
1830 erbaute Holländerwindmühle, die 1972 in den Besitz des Landschaftsmalers
überging und somit vor dem Verfall gerettet wurde.
Rauschende Schilfgürtel,
verschwiegene Buchten und jede Menge Wasservögel prägen den Lieper Winkel,
Usedoms stillsten Landstrich. Wir erkunden die flache Halbinsel einen ganzen Tag
lang, bestaunen Trachten und Fischereigeräte im Museumshof Rankwitz sowie die
älteste Dorfkirche Usedoms in Liepe.
Nach einem erfrischenden Bad im
Achterwasser geht's nach Rankwitz. In der alten Fischräucherei stehen wir vor
einer schweren Entscheidung: Hering oder Forelle, Aal oder Heilbutt? Nach
eingehender Beratung entscheiden wir uns für Räucheraal nach altem Hausrezept.
Wir schwelgen im siebten kulinarischen Himmel.
Danach ziehen wir um mit unserem
Camper, vom Süden in den Norden. Hier locken fünf Campingsterne auf dem
Familienplatz Pommernland in Zinnowitz.
Usedoms Norden ist das richtige
Ziel für ruhige Tage. Die einzige Ausnahme bilden Peenemünde und Zinnowitz
selbst. Mit seiner so genannten Blechbüchse hat sich der Ort zum kulturellen
Zentrum der Insel gemausert. Die Vineta-Festspiele, multimediales
Open-Air-Theaterspektakel, locken jedes Jahr Tausende Besucher an. Erzählt wird
eine Episode aus der legendenumwobenen Stadt. Wir sitzen mittendrin und genießen
die farbenfrohe Show.
Nicht ganz
so farbenfroh präsentiert sich Peenemünde, wo im Dritten Reich Raketen
entwickelt und abgeschossen wurden. Von 1937 bis 1945 fungierte Wernher von
Braun als Technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Das
Historisch-technische Informationszentrum erinnert an die Rakete V2, an
Jagdflugzeuge und Hubschrauber, und der Besucher erfährt vieles über die
verheerenden Folgen der neuen Waffen. Außerdem ist im Hafen das größte
U-Boot-Museum der Welt.

Steilküste,
Wassertümpel und Feuchtwiesen prägen das Bild der Halbinsel Gnitz, die zum
Radeln geradezu einlädt. Der befestigte Radwanderweg ist 20 Kilometer lang. Die
dem Achterwasser zugewandte reizvolle Naturlandschaft ist vielleicht die
schönste Ecke Usedoms überhaupt.
Wir bewundern in Netzelkow die
turmlose, mittelalterliche Backsteinkirche, auf deren Ostgiebel sich Hahn und
Kreuz als Wetterfahne drehen. Kurz vor Lütow stoßen wir unter einer knorrigen
Eiche auf das einzige Großsteingrab Usedoms. Wissenschaftler datieren es auf
mindestens 3.500 Jahre.
Am Ortseingang stellen wir
unsere Fahrräder ab, um zu Fuß zum Naturschutzgebiet Südspitze Gnitz zu
gelangen. Immer wieder erhaschen wir traumhafte Ausblicke übers Achterwasser und
den Peenestrom. Möwen und Schwäne begleiten uns auf unserer Wanderung.
Gerade mal 200 Meter misst die
schmalste Stelle Usedoms bei Koserow, wo sich im Ortsteil Lüttenort das
Gedenkatelier des Künstlers Otto Niemeyer-Holstein befindet. Hier, wo sich
Ostsee und Achterwasser fast berühren, baute er sein skurriles Zuhause um einen
ausrangierten S-Bahn-Wagen herum. An diesem malerischen Ort mit seinen
kunstvollen Gärten entstanden seine Landschaftsbilder.
Und für uns schließt sich hier
der Kreis. Wir haben Usedom in vollen Zügen genossen. Ein Eiland wie im
Bilderbuch, voller friedlicher.
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