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Es ist 7:30 Uhr und noch dämmerig, der Himmel grau verhangen.
Es ist kalt aber trocken. Die Förster, mit umgehängten Jagdhörnern,
Sprechfunkgeräten und Gewehren, treffen ihre letzten Vorbereitungen. Um 8 Uhr
werden sie die Jagd anblasen. Die Treiber, Waldarbeiter und Bauern der Umgebung,
stehen beisammen, umwinselt von ihren Hunden. Der Chef der Domänenverwaltung
geht von Gruppe zu Gruppe, bespricht letzte Einzelheiten.
Die ersten Jagdgäste treffen ein. Als alle versammelt sind,
zähle ich 15 Schützen. Vier „Triebe” sind heute vorgesehen. Die Schützen werden
lautlos hinter vorbereiteten niedrigen Verstecken aus Fichtenreisig sitzen,
während die
Treiber lärmend mit ihren Hunden durch die Dickungen ziehen und die Sauen aus
dem Unterholz treiben, damit die Schützen sie "auf die Schwarte" legen können.
Das Ansitzen kann lange dauern, bis zu anderthalb Stunden je Trieb, und mancher
Schütze saß schon umsonst in der Kälte.
In der Soisberger Kuppenrhön leben etwa 200 Wildschweine.
Diese Zahl verdoppelt sich im Laufe eines Jahres. Deshalb sollen in dieser Zeit
auch 200 Tiere geschossen werden. Jedes Jahr gibt es fünf offizielle Jagdtage
mit geladenen Gästen, an denen auf Sauen gejagt wird. Zwischen Februar und
November ist Jagdruhe.
Gejagt wird heute an den Hängen des Seulingswaldes. In einem
kleinen Transporter werden die Schützen in den Wald hinaufgefahren, ein Förster
ruft in regelmäßigen Abständen den Namen eines Jagdgastes auf. Der Aufgerufene
springt vom Wagen und geht zu seinem
Reisigversteck. Allmählich leert sich der Wagen. Weit weg hört man Hornklänge,
die Treibjagd hat begonnen. Ganz langsam nähert sich das Rufen der Treiber und
das Gekläff der Hunde. Es ist kalt, aber man muss sich ganz ruhig verhalten. Der
Schütze, dem ich zugeteilt bin, macht im Sitzen Zielübungen, den Mantel hat er
über die Knie gebreitet. Ein Schnaps tut gut.
Die ersten Schüsse hallen durch den Buchenwald, erst
vereinzelt, dann in schneller Folge. Bei uns rührt sich nichts. Abblasen.
Einsammeln der Jäger. Die toten Sauen werden später geholt. Am Sammelplatz sehe
ich die ersten "Brüche" an den Hüten. Freudige Erregung. Gratulationen. Drei
Schuss für ein erlegtes Wildschwein gelten als sehr gut. Manche haben mehr
gebraucht.
Weiter geht es zum nächsten Trieb. Diesmal hat auch mein Schütze Jagdglück. Drei
Schuss. Die Sau überschlägt sich und bleibt liegen. Der Nachbar hat drei kleine
Keiler erlegt. Bei Schwarzwild darf man, höre ich, auf Jungtiere schießen; nur
nicht auf Bachen, Mutterwildschweine, solange sie Frischlinge führen.
Am Mittag trifft sich alles an einer großen Feuerstellen
im Wald. Die Gäste, die Treiber, die Förster. Man sitzt vor Baumstümpfen, isst
Erbsensuppe und spricht über die Jagd.
Nach dem Essen gehe ich mit den Treibern. Hügelauf, hügelab,
mir wird warm. Hoho und Hussa schreien die Treiber, wenn in einer Dickung etwas
aufgetan wird. Die Sauen flüchten heftig grunzend. Ein Förster hält über
Sprechfunk Kontakt mit den anderen. Warten, weitergehen, Hussa, Hoho.
Weit weg höre ich Schüsse.
Nach dem vierten Trieb sind alle mit dem heutigen Jagdtag
zufrieden. Fast alle Gäste kamen zum Schuss. Das Wetter war günstig, es regnete
nicht wie im vergangenen Jahr. Hinter dem Forsthaus
reiht man indessen die erlegten Tiere auf - legt die Strecke. Die Treiber
entzünden Fackeln, stellen sich entlang der Strecke auf und die Förster verblasen die Strecke auf ihren Jagdhörnern. Der Chef der Domänenverwaltung
meldet: 34 Sauen. Nach einer kleinen Ansprache folgt ein allgemeines Begutachten
und
Händeschütteln. Man trifft sich in Bad Hersfeld zu Tee mit Rum und Stollen. Die
Gäste aus Nürnberg, Tauberbischofsheim und Frankfurt verabschieden
sich.
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