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Wanderung durch den Veldensteiner Forst

 

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In Pegnitz beginnt unsere Wanderung in jenen Winkel der Fränkischen Schweiz, den die Natur selbst auf sonderbare Weise verhüllte, um dem Wanderer seine Schönheit zu offenbaren. Das Flüsschen, das nicht nur der Stadt, sondern auch jenem berühmten und oft gelästerten Pegnesischen Blumenorden den Namen gab, soll unser Führer sein. Kaum 400 Meter vom Marktplatz entfernt, quillt es aus der Erde. Hier, zu Füßen des prächtigen Schlossbergs, ist ihm noch nichts von jener Hypochondrie anzumerken, welche ihm Schiller in einem Sinngedicht nachsagte. Glasklar entströmt die Pegnitz dem Berg und eilt plätschernd an dem kunstvollen Fachwerkbau der Zaußenmühle vorbei ins Tal hinaus.

Wir folgen ihr, und kaum zehn Minuten später, bei einer alten Sägemühle, verschwindet das Flüsschen in dem lockeren Werkkalk des dahinter liegenden Wasserbergs, um dort seinen Lauf unterirdisch fortzusetzen. Knapp 800 Meter weiter erleben wir die zweite Geburt der Pegnitz aus einer Felskluft am Osthang des Wasserbergs. Dann erwartet uns wieder das gewohnte Talbild der Fränkischen Schweiz. Graue Felswände, lichter Kiefernwald und blumenübersäte Wacholderhänge, während unten der von Erlen gesäumte Fluss sich durch die Wiesen schlängelt.

Bei Weidelwang, wo der hölzerne Kanonier auf einem mächtigen Dolomitfelsen einsame Wacht hält und an die wunderbare Rettung des Dörfchens im Dreißigjährigen Krieg erinnert, stehen wir dann vor der dunklen Kulisse des größten nordbayerischen Forstes. Mit 230.970 Hektar ist der Veldensteiner Forst einer der größten Deutschlands. Man ahnt, warum dieser Forst zu einem letzten Zufluchtsort des Königs der Wälder wurde: Stunde um Stunde wandern wir durch den Wald, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Das Knacken dürrer Äste und das aufgeregte Gezeter eines Eichelhähers sind die einzigen Geräusche, welche die Stille unterbrechen. Und doch wird der Wald nie eintönig. Haben wir eben noch einen dunklen Fichtenschlag durchquert, so treten wir Minuten später in einen lichten Föhrenwald, aus dem weiße Birkenstämme leuchten und dessen Boden mit üppigem Heidelbeerkraut bedeckt ist, zwischen dem die gelben Kappen der Pfifferlinge blinken. In der abwechslungsreichen Natur der Fränkischen Schweiz wachsen Küchenschelle, Pfingstnelke, Felsenkraut, und Frauenschuh auf dem karstigen Juraboden.

Dort, wo die Pflanzendecke den Boden frei lässt, entdecken wir immer wieder weißen Sand, der uns zweifeln lässt, ob wir uns überhaupt noch in der Fränkischen Schweiz befinden. Doch dann stehen wir plötzlich wieder vor mächtigen Dolomitfelsen, die mitten im Wald aufragen und in die Frost und Regen Höhlen und Tore genagt haben. Was bedeutet dieses merkwürdige Nebeneinander? Es sind die Spuren des Kreidemeeres, das über dem Weißjura den so genannten Veldensteiner Sandstein abgelagert hat, aus dem nur die höchsten Riffe der Jurazeit emporragen. Dass aber unter der dünnen Sanddecke das Wasser, wie überall in der Frankenalb, sein Zerstörungswerk fortsetzt, beweisen die zahlreichen Dolinen. Dutzende unterirdischer Wasserläufe fließen in 20 bis 60 Meter Tiefe unter dem Wald der Pegnitz zu und erweitern die natürlichen Spalten zu Höhlen.

Inzwischen hat die Sonne über den Baumwipfeln schon den Mittagspunkt überschritten. Ohne die vorzügliche Markierung hätten wir uns längst in dem Labyrinth der Waldwege und Forststraßen verirrt. Da erwartet uns eine weitere Überraschung. Schon seit einiger Zeit sind uns häufiger Spaziergänger begegnet, und auf einmal stehen wir mitten im Wald vor einem schönen Rastplatz mit klobigen Holzbänken und -tischen für den müden Wanderer, einem Blockhaus zum Schutz bei schlechtem Wetter und einem Kinderspielplatz mit Turnstangen und Kletterbäumen. Dieser Rastplatz – einer von vielen – ist ein Werk des "Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst", der den Veldensteiner Forst zu einem Naherholungsgebiet ausgebaut hat, das bei Besuchern aus nah und fern immer beliebter wird. Im Mittelpunkt des Waldes, beim Forsthaus Hufeisen, liegt das Prunkstück des neuen Naturparks, das große Wildgehege.

Wenig später verlassen wir wieder die Straße, um den Rückweg nach Pegnitz anzutreten. Und wieder erleben wir den seltsamen Wechsel, das Hineintauchen in die Natur und die Vergangenheit. Wo gibt es das noch? Reine Luft, Stille, und all das nur wenige Kilometer von der Autobahn entfernt.


 

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