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Reiseinbericht: Westweg im Schwarzwald

 

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Unsere Reise mit dem Fahrrad führt über den 260 km langen und abgelegenen Westweg im Schwarzwald. Auf der ganzen Strecke berührt er nur 12 Ortschaften. Er ist legendär, es gibt ihn seit 1900. Seitdem verbindet er die spektakulärsten Aussichtspunkte und größten Namen des Schwarzwaldes.

Wir starten unsere Tour in Pforzheim. Der Weg schlängelt sich vorbei an Fichten, Bergwiesen und verwunschenen Tälern, in denen die Bäche rauschen. Im Nordschwarzwald liegen noch heute die Wunden, die das Sturmtief Lothar am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 in die Hänge riss, offen zutage. Längst sind die Hanglagen aufgeforstet, trotzdem überrascht uns der Schwarzwald mit seinen kahlen Kuppen und den schier endlosen Flächen, die den Besucher erbarmungslos der Sonne aussetzen: Den Schliffkopf mit seinen 1055 Metern haben wir bei stolzen 31 Grad Celsius passiert.

Inzwischen liege ich im schattigen, leicht feuchten Gras des Mischwaldes. Nach Stunden über schmale Pfade mit mäßig steilen dafür aber technisch anspruchsvollen Anstiegen ist unsere kleine Expedition zum Erliegen gekommen. Eine Panne zwingt uns zu einer Pause. Die nächsten Orte liegen 20 Kilometer entfernt, die nächste Straße, die nicht nach einem geländegängigen Rad verlangt, können wir erst in sechs Kilometern erreichen. Es sind schmerzliche Kilometer, wir müssen teuer erarbeitete Höhenmeter aufgeben.

Nach dem Werkstattbesuch in Wolfach geht es am nächsten Tag weiter. Angesichts der steigenden Temperaturen sind wir froh um jeden Meter, den wir nicht bergan fahren müssen. Wir rollen Richtung Hornberg, irgendwann geht es rechts ins Oberprechtal, und dort ist unsere Schonzeit vorbei. Alle paar Meter springt die Kette jetzt auf ein größeres Kitzel, um den Kraftaufwand beim Treten im Rahmen zu halten. Der Schweiß perlt über die Stirn und in die Augen. An einem Brunnen ist klar: Zeit zum Wasserfassen. Oben auf den Gipfeln und Höhenwegen gibt es weder Brunnen noch Quellen. Und die Kioske sind nur da, wo Touristen sind.

Zwei Plattfüße und fünf Stunden später erreichen wir mit verschmierten Händen den Brend (1150 Meter), es dämmert schon. Die Wirtin des Naturfreundehauses empfängt uns mit den Worten: "Beeilt euch mit dem Duschen, dann gibt es auch noch was Warmes zu essen." Beim kühlen Bier schließlich erinnert mich mein Körper an den Tag: die schmerzenden Oberschenkel, das Jucken in den Augen, die Blessuren vom unfreiwilligen Abstieg, ach ja, und so richtig sauber sind die Hände beim eiligen Duschen dann auch nicht geworden. Durst und Hitze verblassen, der schmerzende Hintern war nicht so schlimm und die Kraftlosigkeit in den Beinen bei den ungezählten Aufstiegen ging schließlich auch vorbei.

 

Autor: Hans Oberhofer Email: hans.o [at] alpenjodel [dot] de

 

 

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