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Die Küstenstraße von Flensburg nach Skagen

 

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An der Westseite Jütlands braust die Nordsee, dänisch Vesterhavet genannt, an der Ostseite die sanftere Ostsee mit dem Kattegat, dem "Katzenloch". Wo Jütland hoch im Norden mit dem Leuchtturm von Skagen endet, begegnen sich die beiden Meere und bilden das nicht nur bei Seeleuten bekannte Skagerrak. Dorthin führt unsere Fahrt, und zwar parallel zur Ostseeküste.

Etwas westlich von unserem Ausgangspunkt Flensburg verläuft die deutsche A 7 auch auf dänischer Seite als Autobahn weiter. Aber da wir ja nicht im Eiltempo nach Norden hetzen, sondern uns zur Küste hin orientieren wollen, halten wir uns lieber an den Grenzübergang von Kupfermühle nach Kruså auf der alten Durchgangsstraße, die dank der Autobahn weit weniger Verkehr aufweist.

Da wir genug Zeit haben, zweigen wir bei Kruså, gleich nach Passieren der Grenze, rechts auf die A 8 ab, um unsere Küstenfahrt hier gleich mit einem Abstecher zur Insel Als (deutsch: Alsen) zu beginnen. Sie ist mit 315 km2 Jütlands größte Insel. Wir fahren an der Küste der Flensburger Förde entlang über KaIlund und genießen bezaubernde Fördeblicke, bevor wir nun nach Sønderborg und damit auf die Insel Als kommen, passieren wir Dybbei. Hier befinden sich die Düppeler Schanzen, die 1864 von preußischen Truppen gestürmt wurden. Heute stehen sie unter Denkmalschutz. An das historische Ereignis erinnern noch ein paar Kanonen und ein kleines Museum auf der 68 m hohen Anhöhe, auf der auch eine alte Windmühle wieder aufgebaut wurde.

"Hauptstadt" der Insel Als ist Sønderborg, ein liebenswertes Küstenstädchen mit einem richtigen Schloss, das aus einer Burg des 12. Jahrhunderts entstand. Die Stadt ist durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Die Insel ist wirklich eine Rundfahrt wert. Außer schönen Stränden besitzt sie rund 800 Hünengräber und einige Schlösser, dazu malerische Reetdachkaten und viel Landwirtschaft. Vom 81 m hohen Høgebjerg bei Asserballe kann man beinahe die ganze Insel überschauen und sogar bis Fünen blicken. Für die Rückfahrt von Sønderborg zu unserer Hauptroute kehren wir wieder nach Kruså zurück, aber diesmal über Grasten, wo sich die Sommerresidenz der dänischen Königin befindet. Der Schlosspark kann bei Abwesenheit der Königsfamilie besichtigt werden.

Mit Åbenrå beginnt die Reihe der rund ein Dutzend Hafenstädte an Jütlands Ostküste - die Westküste ist damit weit spärlicher ausgestattet. Die aus dem Mittelalter entstandene Fischer- und Handelstadt Åbenrå liegt am Ende des 10 km weit ins Land hineinragen Fjord. Die Altstadt mit der St. Nikolai-Kirche und dem Schloss Brundlund von 1411 lohnt einen Rundgang. Wir gönnen uns den Spaß, im Museum die "Buddelschiffe" die 200 Schiffsmodelle in Flaschen zu bestaunen.

Ging es bisher ziemlich flach zu, so wird die Landschaft hinter Åbenrå hügelig, wobei die Höhen fast bis 100 m ansteigen. Glanzpunkt ist dabei der 97 m hohe Knivsbjerg rechts neben der Straße. Auf ihm versammelt sich jedes Jahr die hier ansässige deutsche Minderheit. Auf einer Freilichtbühne wird jeweils im August "Hamlet" in deutscher Sprache aufgeführt.

Der nächste Fjord lässt an dieser Strecke nicht lange auf sich warten. Es ist der Fjord von Haderslev, der sich vom breiten Åbenrå-Fjord deutlich unterscheidet. 16 km lang windet er sich förmlich als schmales Band flussähnlich ins Land hinein bis zur Stadt. Außer dem Freilichtmuseum mit Bauernhäusern und Bockwindmühle lohnt auch der 250 ha große "Haderslev Dam" einen Besuch - das ist ein See von 5 km Länge, auf dem im Sommer ein Motorboot Rundfahrten anbietet und an dessen Ufern sich ein hübscher Park erstreckt.

Unser nächstes Ziel Kolding - natürlich auch wieder mit Fjord - bildet den Schnittpunkt der Straße zwischen der Hafenstadt Esbjerg im Westen mit Fährverkehr nach England und der über zwei Brücken erreichbaren Insel Fünen im Osten, der Heimat des Dichters Hans Christian Andersen. Zu den Sehenswürdigkeiten Koldings gehört der Geographische Garten mit 2000 Pflanzen aus aller Welt, darunter der größte Bambuswald Nordeuropas und 200 verschiedene Rosenarten.

Bisher führte unser Weg am Kleinen Belt entlang, wie das Stück Ostsee zwischen Jütland und Fünen heißt - hinter Kolding nähern wir uns nun immer mehr dem Kattegat. Östlich an der Küste führen zwei Brücken vom Festland zur Insel Fünen (dänisch: Fyn), Sie wurden 1935 und 1970 gebaut und liegen etwas südlich von Fredericia. Der Stadtname erinnert an den Dänenkönig Frederik III., der die Festung am Ende des Dreißigjährigen Krieges gründete. Als einzige dänische Stadt besitzt Fredericia 5,5 km lange Wallanlagen. Heute konkurriert hier moderne Architektur mit den Wällen aus dem 17. Jahrhundert. Wo immer auf der Welt sich heutzutage ein Denkmal für den "Unbekannten Soldaten" befindet: Das wohl erste dieser Art steht seit 1858 am Stadttor Prinsensport in Fredericia und ist dem" Tapferen Landsoldaten" gewidmet. An kriegerische Zeiten erinnern auch die Kanonen auf den Bastionen des Walls.

Zu den schönsten Fjorden Jütlands gehört der Vejie-Fjord, der nach der gleichnamigen Stadt benannt wurde. Seine Uferhänge ragen ziemlich steil auf, so dass sogar eine Serpentinenstraße die Steigung überwinden muss - einzigartig in Dänemark. Sie führt vorbei am 93 m hohen Munkebjerg, der außer einer schönen Aussicht auch ein elegantes Hotel mit Golf- und Tennisplatz und bemerkenswert guter Küche bietet. Es ist ruhig gelegen, wenn auch nicht ganz billig. Technisch brillant ist die Autobahnbrücke über den Fjord angelegt. Nur ein paar Kilometer nordwestlich kann man in Jelling bei zwei Wikinger-Grabhügeln aus dem 10. Jahrhundert die beiden berühmten Runensteine aus dem Jahr 960 sehen, auf denen Dänemarks Name zum ersten Mal erwähnt ist. Ein Stück weiter nordwestlich liegt Givskud mit einem Löwenpark, in dem auf 60 ha Fläche Löwen und weitere 75 Tierarten leben. Er ist mit dem Auto befahrbar und zwischen Mai und September täglich geöffnet. Dort gibt es auch ein Freizeitgelände ("Sommerland") mit einem Kinderzoo. Ein weiteres Kinderparadies findet sich 28 km westlich von Vejle: "Legoland" bei Billund, eine vielseitige SpielzeugweIt aus über 20 Millionen Legosteinen mit zahlreichen Attraktionen. Das Legoland ist von April bis Oktober täglich geöffnet.

Nach diesen Ausflügen ist es höchste Zeit, an die Weiterfahrt zu denken. Von Vejle geht es auf der E 45 zum nächsten Fjord bei Horsens, dem ein paar Inselchen vorgelagert sind. Von Horsens aus nehmen wir die Küstenstrecke nach Århus. An der Küste fahren Sie über Odder, das größte Dorf Jütlands mit Europas ältester Branntweinbrennerei im Museum, nach Norsminde, wo ein beliebter Kro (Landgasthof) zum Essen und Übernachten einlädt. Von dort geht es weiter durch ein liebliches Sommerhausgebiet oberhalb der Küste zum ehemaligen Herrensitz Moesgård, in dem ein großartiges vorgeschichtliches Museum untergebracht ist.

Mit Århus wird es dann städtisch! Die Großstadt mit 250.000 Einwohnern besitzt Dänemarks zweitgrößten Hafen und bedeutende alte und moderne Bauten. Das Freilichtmuseum "Den gamle By" sollte man unbedingt besichtigen. Hier sind 60 Fachwerkhäuser aus ganz Dänemark zu einer kleinen Stadt vereinigt, in der alle herkömmlichen Handwerke betrieben werden. Beim Bummel über das Kopfsteinpflaster der alten Wege scheint man um Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückversetzt. Die Straßen sind ganzjährig zugänglich, während Ausstellungen und Veranstaltungen nur zwischen Mai und September zu sehen sind. Von den 10 Museen der Stadt hat jedes seinen Reiz, doch am originellsten ist wohl das "Danske Brandvoernsmuseum", Nordeuropas größtes Feuerwehrmuseum mit rund 60 Fahrzeugen.

Bei Århus zweigt von der direkten Nordverbindung wieder eine Küstenstrecke ab. Sie führt nach Djursland und die Mols-Bjerge, eine ganz ursprüngliche Hügellandschaft, in der die unseren Schildbürgern vergleichbaren Mols-Bauern wohnten, über die köstliche Narrengeschichten im Umlauf sind. In dieser Landschaft liegt das Bilderbuch-Städtchen Ebeltoft, in dem - wie in Ribe - noch allabendlich der Nachtwächter seine Runden zieht. Aus dem Mini-Rathaus von 1576 machten die Ebeltofter ein Museum und bauten der Verwaltung ein neues Rathaus. Im Hafen kann man die alte Fregatte "Jylland" von 1860 besichtigen. In der Stadt arbeiten auch noch zwei kunstvolle Glasbläser.

An Djurslands östlichstem Vorsprung - es ist eine richtige Halbinsel - liegt mit Grenå ein viel besuchtes Seebad mit gutem Strand. In der Umgebung von Grenå gibt es ein paar hübsche Schlösser wie Sostrup. Auf dem Rückweg von der Halbinsel kommen wir bei Auning zum Herrensitz Gammel Estrup aus dem 15. Jahrhundert, der als Museum der jütländischen Herrenhäuser eingerichtet ist und zugleich das Dänische Landwirtschaftsmuseum beherbergt. Schließlich erreichen wir dann die Stadt Randers.

Der Randers-Fjord schneidet 25 km ins Land hinein. Von der Stadt Randers behaupten die Dänen, die hier hergestellten Handschuhe wie auch die hier lebenden Mädchen seien unvergleichbar. Samstags ist die Stadt sehr lebendig, wenn die Bauern aus dem Umkreis hier auf dem Erik-Menved-Platz ihren Markt halten.

Unser nächstes Ziel heißt Aalborg. Der Weg führt uns immer in Küstennähe über den Mariager-Fjord nach Hadsund und ab Als durch ein beliebtes Feriengebiet mit Orten wie 0ster Hurup und Dokkedal. Hier gibt es viele Campingmöglichkeiten und im Hinterland auch Quartiere auf Bauernhöfen. Und natürlich Tausende von Ferienhäusern. Am Ende der Strände stoßen wir schließlich auf den Limfjord, der Jütland von Ost nach West durchzieht und an dessen Ufern auch die Stadt Aalborg liegt.

Aalborg ist - nach Århus - Jütlands zweitgrößte Stadt und die viertgrößte von ganz Dänemark. Drei Waren kommen für die Dänen vorzugsweise von hier: Aquavit, Zigarren und Zement. Was den Aquavit betrifft, so bestellen die Dänen gewöhnlich einen "Aalborger". Aber da wir ja noch weiterfahren wollen, verzichten wir auf das Stadtgetränk von Aalborg. Umso reizvoller ist dafür der Gang durch die Stadt mit ihrem Nebeneinander von historischen und modernen Häusern. Besondere Sehenswürdigkeiten Aalborgs sind das Nordjütische Kunstmuseum und das prachtvolle Bürgerhaus Jens Bangs Stenhus. In der Stadt finden sich zahlreiche Denkmäler, darunter das "Gåsepigen" (Gänsemädchen). Es gibt auch eine viel besuchte "Fressstraße", die Jomfru Ane Gade, mit zahlreichen Restaurants, Diskotheken und Lokalen. Viel Abwechslung bietet auch der Vergnügungspark "Tivoliland". Ursprünglich war Aalborg mit dem gegenüberliegenden Limfjord-Ufer durch eine Fähre verbunden, heute ist der Limfjord untertunnelt.

Wir fahren zunächst nahe dem nördlichen Limfjord-Ufer entlang nach Osten bis nach Hals. Von dort geht es am Strand entlang, dem hier teilweise eine Art Watt vorgelagert ist, nach Norden. Über kleinere Ferienorte wie Bisnap und Hou erreichen wir schließlich Sæby, ursprünglich ein Fischerdorf, heute ein beliebter Badeort. Ab Sæby folgen wir der E 45 nach Frederikshavn. Von hier fahren die Fährschiffe nach Schweden und Norwegen, aber auch zur der etwas abgelegenen Insel Læsø. Noch immer sind einige der alten Bauernhäuser auf Lese nicht mit Reet, sondern mit einer dicken Schicht von Tang gedeckt, was sie ungemein malerisch und fotogen machen. Einsame Strände gibt es hier noch reichlich, dazu auch einige Unterkunftsmöglichkeiten - ein hübsches Plätzchen für geruhsame Ferientage.

Nun wird Jütland immer schmaler. Dabei wissen wahrscheinlich nur die wenigsten, dass dieser Teil Jütlands erst in den letzten Jahrtausenden allmählich angespült wurde - das Meer schenkt hier also neues Land. Ein wahres Gedicht ist der Sandstrand von Ålbræk, der sich feinsandig, breit und von Dünen begleitet 20 km hinzieht. Die Dünen zu beiden Seiten der Straße wachsen jetzt immer höher. Nord- und Ostsee rücken immer näher aneinander. An der Nordsee, also westlich, ragt die Düne bei Kandestederne, die Råbjerg Mile, 41 m hoch und wandert alljährlich 8 m nach Osten. Hier ist Jütland nur noch wenige Kilometer breit. Von der Ostsee zur Nordsee wandert man in einer Stunde! Es ist eine großartige, beinahe unwirkliche Landschaft, in der sogar eine Kirche von den Sandmassen bedeckt wurde, so dass heute nur noch der Turm an die alte Kirche von Skagen erinnert.

Skagen - das ist der Name der Landspitze, über die sich ein Roman schreiben ließe. Es ist auch der Endpunkt dieser Küstenstraße. Vor 5000 Jahren lag dieses Land noch unter dem Meer. Doch bereits seit 1413 besitzt Skagen Stadtrecht, und vor rund 100 Jahren wurde es dann von Künstlern entdeckt. Heute lebt die Stadt ebenso von Touristen wie vom Fischfang. Hier lassen wir uns zum Schluss unserer Fahrt eine zünftige Fischmahlzeit schmecken.


 

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