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Das Ferienhaus stand allein auf einer hohen Düne, gleich daneben ein noch
höherer Aussichtspunkt. Abends saßen wir neben dem offenen Kaminfeuer, aßen
geräucherten Fisch zu Weißbrot, tranken ein kräftiges Bier und blickten
versonnen über den Strand auf die Sonne, die als rot glühender Ball im Meer
versank. Am nächsten Morgen in der Früh, wenn der Himmel klar war, lohnten sich
die wenigen Schritte auf den Aussichtspunkt: Im Osten schwebte wieder als rot
glühender Ball die Sonne hinter dem Blåberg empor.
Erlebt wurde dies am Henne Strand an der jütländischen Westküste Dänemarks.
Reiseführer erwähnen diese Ortschaft nur als Abstecher in zwei Zeilen, wenn die
Fahrt von der Hafenstadt Esbjerg aus weiter nördlich führt. Es ist ja auch
schwer festzuhalten, was pure Natur ist und deshalb gerade deutsche Urlauber
seit Jahren anzieht: Weißer Strand, so weit das Auge reicht, die höchsten Dünen
in Europa, fischreiche Auen in herber Heidelandschaft.
Dänemark Ferienhaus
Das Ferienhaus zeigt sich hier am typischsten als eine dänische Einrichtung. Es
gilt dem Dänen, der eine geringe Grundrente erhält, als Zubrot im Alter, der
Staat unterstützt das. Die Europäische Gemeinschaft muss daher akzeptieren, dass
kein Ausländer in Dänemark ein Ferienhaus kaufen darf. Das hat sogar
Dänemark-Fan Siegfried Lenz zu spüren bekommen, als er sein altes Haus in
Dänemark verkaufte und ein neues erwerben wollte.
Diese Ferienhauspolitik hat bisher im Großen und Ganzen einen Ausverkauf der
Landschaft verhindert. Kleine Bausünden gibt's allerdings auch. So blickten wir
am Henne Strand über die unattraktive Appartement-Anlage Udsigten, die wiederum
auf einen großen Parkplatz am Strand blickt. Und das Hotel gleich nebenan ist
auch kein Schmuckstück.
Der Gast registriert das als notwendiges Übel. Wenn er auf den Aussichtspunkt
gleich neben dem Hotel gestiegen ist, hat er einen weiten Blick über die
Ortschaft, die Ansammlung von Ferienhäusern, die Dünen, den Strand. Wie in einer
Wildwest-Stadt führt die Straße durch Dünen hindurch zum Strand, an ihren Seiten
links und rechts die Geschäfte.
Die Dünen sind so zahlreich und so hoch, dass man beim Durchstreifen dieser
urtümlichen Landschaft schnell außer Atem gerät. Der Blåbjerg, acht Kilometer
landeinwärts gelegen, ist mit seinen 64 Metern Dänemarks höchste Wanderdüne,
inzwischen waldbewachsen und ein schönes Wanderziel.
Wer wandern will, ist hier richtig am Platz. Wer sich zum Henne Strand zwischen
Blåvands Huuk im Süden und Nymindegaab im Norden am Beginn des Ringkobing Fjords
aufmacht, der hat viele Wanderwege vor sich. Zum Beispiel kann er die wenigen
Kilometer am Strand entlang bis zur Mühlenau wandern, die hier in die Nordsee
mündet. Das Audelta bietet nicht nur Kindern Spielmöglichkeiten, ein kleines
Hotel hat auch Restaurationsbetrieb mit Smörrebröd beispielsweise. Zwischen
Henne Strand und Blåbjerg ist die Lyngbo Heide, ein archaisch anmutendes
Naturschutzgebiet. Bis Houstrup Strand gibt es verschlungene Wege, nördlich
davon ist ein langer Wasserlauf, der vielleicht eine Verbindung zwischen
Ringkobing Fjord und Nordsee war. Im flachen Gewässer, gesäumt von Schilf und
hohen Dünen tummeln sich Enten und Schwäne.
Ähnlich wie am Henne Strand ist ungefähr 15 Kilometer südlich am Vejers Strand
auch eine Straße, die zwischen Dünen zum Strand führt. Doch die Atmosphäre ist
ganz anders. Vom übrigens viel feineren Sandstrand aus sieht man keine Häuser in
den Dünen, da gibt es eine Schutzzone. Von der Straße aus sind nur ein paar hoch
gelegene Häuser zu sehen. Alles erscheint ein wenig geschützter und intimer. Am
Ende der zum Strand führenden Straße links und rechts die Einkaufsmöglichkeiten
— und ein Räucherhaus, dem ein Bistro angegliedert ist. Frisch geräucherter
Fisch kann hier gekauft und genossen werden. Auch in der Nordsee geangelter
Fisch von Touristen wird hier geräuchert.
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