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Die Yasiden (Yasidi)
sind ein kurdischer Stamm von etwa sechzigtausend Seelen, der weit verstreut
vornehmlich in der Umgebung von Mosul, aber auch bei Aleppo und in Persien lebt.
Sie sollen Ende des 14. Jh. zuerst in Basra aufgetaucht sein. Ihr Name ist
wahrscheinlich als Engelanbeter zu erklären. Sie selbst nennen sich Davasin nach
dem Gebiet einer früheren nestorianischen Diözese. Die Mohammedaner haben ihnen
die Schimpfnamen Teufelsanbeter und Lichtauslöschen beigelegt, die andeuten
sollen, dass sie bei ihrem Kultus Orgien veranstalten, doch werden sie von allen
Reisenden als sittlich sehr hoch stehend gerühmt. In Wahrheit ist ihr Glaube ein
Mischprodukt aus zahlreichen Elementen. Er verbindet den zoroastrischen
Dualismus mit jüdischen Speisegeboten, mit den christlich-nestorianischen Riten
der Taufe und des Abendmahls, mit den islamischen Bräuchen der Beschneidung und
Verehrung sufischer Heiliger und heidnischen Anschauungen (Seelenwanderung,
Orakel, Tänze). Als Stifter ihrer Religion betrachten sie (wahrscheinlich zu
Unrecht) den um 1160 gestorbenen ShaiCH Adi, zu dessen Grab bei Lalesh sie
wallfahren. Er war ein bekannter Mystiker, dessen sufische Schriften aber nicht
von den orthodoxen Moslems beanstandet worden sind. Für ihre Lehre berufen sie
sich auf angeblich vor der Schöpfung entstandene Schriften in arabischer
Sprache, nämlich "das Buch der Offenbarung", das "Schwarze (d. h.
verehrenswerte) Buch" und einen Hymnus auf Adi.
Die yasidische Dogmatik nimmt
an, dass sich Gott nach der Weltschöpfung zur Ruhe gesetzt hat und die
Weltregierung durch den Engel Pfau (Melek Ta'us) wahrgenommen wird, dessen aus
Metall gefertigte Figuren bei Prozessionen umher getragen werden. Dieser
totemistisch als Pfau symbolisierte Logos ist ein gutes Wesen, das das Beste der
Menschen will, wenn sie seine Wege auch oft nicht begreifen und ihn deshalb für
böse halten. Dass er den Moslems als Teufel erscheinen musste, ist bei deren
kompromisslosem Monotheismus begreiflich. Gott, der Pfau und Adi scheinen als
eine Dreieinigkeit aufgefasst zu werden. Zwischen diesen höchsten Wesen und den
Menschen stehen eine Anzahl von Mittelwesen, Engeln, Heiligen usw.
Die Yasiden halten sich für die
besten Menschen, weil sie von einem Zwillingspaar abstammen, das in einem Kruge
entstand, in dem Adams Samen neun Monate lang aufbewahrt worden war. Die anderen
Sterblichen, an deren Entstehung auch Eva beteiligt war, sind ihnen gegenüber
von geringerem Wert. Diese Auffassung hat zur Folge, dass die Yasiden sich von
allen anderen abschließen und niemanden in ihre Gemeinde aufnehmen. Diese
zerfällt in Laien und Geistliche verschiedener Grade. An der Spitze stehen ein
geistlicher und ein weltlicher Herrscher. Der Kultus besteht in Waschungen,
Hymnengesang, Musik, ekstatischen Tänzen, Anzünden von Sesamöl-Lampen vor
Heiligengräbern und dem Darbringen von Opferspenden. Der Verwendung von
Kügelchen aus der Erde am Grabe Adis wird heilende und heiligende Kraft
zugeschrieben; sie bilden deshalb auch die letzte Speise des Sterbenden, bevor
er mit gekreuzten Armen und dem Gesicht nach Osten bestattet wird. Ein Priester
sucht durch ein Traumorakel zu klären, in welcher Gestalt die Seele des
Verstorbenen wiedergeboren werden wird, um ihre sittliche Läuterung
fortzusetzen.
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