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Der Caodaismus
ist die drittgrößte Religion im heutigen Südvietnam. Die Religion, die von dem
Gott Cao Đài (annamitisch = großer Palast) offenbart wurde, ist eine
synkretistische Lehre, die die Glaubensformen des östlichen Indochina
Konfuzianismus, Taoismus, Buddhismus und katholisches Christentum — zu einer
neuen Universallehre zu verschmelzen sucht und sich in großem Umfange der
Kundgebungen von spiritistischen Medien bedient.
Der Begründer Ngô
Văn Chiêu war Beamter im Dienste des Deuxième Bureau der französischen Regierung
in Cochinchina. Auf seinem Posten in Phu-coq, am Golf von Siam, pflegte er mit
Hilfe von jungen weiblichen Medien Geister zu zitieren. Einst meldete sich so
1919 der Geist Cao Đài, in dem er eine Form Gottes erkannte, die unter dem
Symbol eines (die Welt überblickenden) Auges zu verehren ist. Am Weihnachtsabend
1925 offenbarte sich Cao Đài beim Tischrücken einer Gruppe von jungen Sekretären
in Saigon und befahl ihnen, sich von Ngô Văn Chiêu belehren zu lassen. Später
erklärte er, dass der reiche frühere Mandarin Lê văn Trung als Haupt der neuen
Religion ausersehen sei. Diesem wurde bei einer spiritistischen Sitzung seine
neue Mission mitgeteilt. Der damals fünfzigjährige Mann war bisher ein Wüstling
und Opiumraucher gewesen, bekehrte sich unter dem Eindruck seiner Berufung aber
zu einem reinen sittlichen Leben. Dies machte so großen Eindruck auf die
Öffentlichkeit, dass der Caodaismus schnell zahlreiche Anhänger gewann.
Bei einem vom 18.
bis zum 20. November 1926 veranstalteten Fest in Tay-ninh wurde die neue
Religion offiziell proklamiert, und Trung übernahm in ihr die Stellung des
Papstes (Giáo Tông). In der Folgezeit wurde in Tay-ninh ein großer Tempel als
Zentralheiligtum errichtet und die Sekte als eine Art Kirche mit einer der
katholischen nachgebildeten Hierarchie organisiert (Kardinäle, Erzbischöfe,
Bischöfe, Priester, Priesterschüler und kleine Würdenträger), in der alle
Stellungen mit Ausnahme der des Papstes auch von Frauen bekleidet werden können.
Als Lê văn Trung
1934 sich "desinkarnierte" (starb), wählte ein Konzil einen Nachfolger. Die Zahl
der Bekenner dieser Religion soll heute über drei Millionen betragen, von
Südvietnam hat sie sich auch auf Nachbargebiete ausgedehnt. Durch die soziale
Betreuung ihrer Anhänger, indem sie in das Wirtschaftsleben eingriff, die
Schulpflicht einführte und schließlich auch eine eigene Verwaltung und eine
Privatarmee schuf, ist die Lehre im Kampf gegen den Kommunismus in Indochina zu
einem bedeutsamen Machtfaktor geworden.
Die Metaphysik
des Caodaismus will ein Überbau über den fünf Zweigen des großen Weges sein, die
zur Vollendung führen, nämlich: Konfuzianismus, Geisterverehrung, Christentum,
Taoismus und Buddhismus. Sie lehrt die Seelenwanderung und ihre Ethik predigt
die Brüderlichkeit aller Menschen und die Güte auch gegenüber Tieren und
Pflanzen.
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