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Sri Lanka (bis 1972 Ceylon) ist die Perle des Indischen
Ozeans. Ein kostbares Juwel, umgeben von der smaragdenen Fassung des unendlichen
Ozeans. Sie ist die Insel der paradiesischen Schönheit und Fruchtbarkeit, die
gleich einer Oase in der unermesslichen Wüste des Indischen Meeres grünt. Von
den ewig rhythmischen Wellen der Brandung umgeben, zieht ein grüner Kranz von
Palmenhainen, die das Innere der Insel wie ein Geheimnis verhüllen, an einer
flachen, von eingeborenen Fischervölkern belebten Küste entlang. Einst war
dieses Eiland der äußerste Süden eines riesigen Kontinentes, von dem es im Laufe
einer unendlichen Reihe von Jahren durch die Kraft kosmischer Gewalten und der
nagenden Flut des Weltenmeeres losgelöst wurde. Noch heute sehen wir im Norden
der Insel die Reste jener versunkenen Länderbrücke, welche wie die Ruinen einer
zerstörten Welt aus dem Meere emporragen.
Sri Lanka hat eine
bewegte geschichtliche Vergangenheit. Schon im Altertum war Lanka, wie es in
der altsinghalesischen Geschichte genannt wird, der Mittelpunkt geistigen und
wirtschaftlichen Lebens im fernen Osten. Der ungeheure Reichtum, den die
göttliche Fruchtbarkeit der Insel gebar, lockte den Ehrgeiz und die Habgier drawidischer Völker, die unter mächtigen Königen vom indischen Festland über
jene Meerenge zogen und das Eiland bevölkerten. Unter dem ewigen Wechsel von
Aufbau und Zerstörung fanden es um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts die
Portugiesen und später die Holländer, von denen wir noch heute die Reste
wirtschaftlicher Kultivierung vorfinden. Von 1796 bis 1948 war die Insel eine englische Kronkolonie,
die unabhängig von Indien verwaltet wurde. Unter dessen Verwaltung
wurde der Wert seiner weltwirtschaftlichen Bedeutung in hohem Maße gesteigert.
Von dem alten Lanka zeigt uns
das heutige Sri Lanka nur noch die Trümmer einer längst verblichenen, hohen
Geisteskultur, deren Ursprung etwa 2.000 Jahre zurückliegen mag. Ihre Anfänge
wurden unter der starken Einwirkung des schöpferischen Geistes, welcher die
Lehre Buddhas hervorzurufen vermochte, zu ungeheurer Blüte und Entfaltung
gebracht, um später durch den Vandalismus brahmanistischer Zerstörungswut
erstickt zu werden. Unter schweren Kämpfen suchten die Singhalesen ihre Heimat
vor den fanatischen Horden der von Norden hereinbrechenden Drawiden zu schützen,
doch ihr Widerstand versank in den Wogen 'des Barbarismus, der die Insel wie ein
sturmgepeitschtes Meer überflutet hat. Lankas alter Boden ist blutgetränkt. Doch
über der rötlichen Erde schwebt ein warmer Hauch, der aus dem Geiste der
Zerstörung ein blühendes Leben voll Fruchtbarkeit erweckt hat.
Das Innere Sri Lankas war der Schauplatz gewaltigen Völkerringens. Dort ist eine Welt
monströser Ruinen im Laufe der Jahrtausende von einem leidenschaftlich
sprießenden Wachstum überwuchert worden. Endlose Trümmer gigantischer Städte und
Tempel sind von der Wildnis dichten Dschungels bedeckt, und in stiller
Bewunderung stehen wir vor den Resten alter Pracht und Herrlichkeit, die der
Geist Gautama Buddhas aus der Erde dieses Landes geschaffen hat. Sri Lanka, auf
dessen Boden der von Gautama versenkte Same seiner Lehre die reichsten Früchte
trug, bewahrt noch heute das Erbe seines göttlichen Sohnes, dessen Einfluss wir
in der Größe und Erhabenheit, die uns in den vielen buddhistischen Kultstätten
Sri Lankas begegnet, bewundern können.
Doch der Wandel der Zeiten hat
dem ehrwürdigen Gesicht der Vergangenheit den Ausdruck einer neuen Zeit gegeben,
in der wir nur noch die verblassten Spuren märchenhaften Seins entdecken können.
Wir sehen deshalb in den Ruinen Sri Lankas vor allem das frühe Lanka der Antike,
dessen wunderbare Schätze ich während meiner Reise in das Innere der Insel
schauen konnte. Das moderne Sri Lanka dagegen zeigt außer den Reizen seiner
märchenhaften Tropennatur die gewaltigen Auswirkungen, die der Geist der neuen
Zeit in ihm wachgerufen und gefördert hat. Unter der Herrschaft Englands hat
sich Sri Lanka mit seinen unerschöpflichen Quellen wirtschaftlichen Reichtums im
Laufe eines Jahrhunderts einen hervorragenden Platz in der Weltwirtschaft
erobert. Seine Erzeugnisse wurden durch die organisatorischen Fähigkeiten seiner Kolonisatoren und die Kultivierung seiner wirtschaftlichen Werte auf ein
bedeutsames Maß gesteigert. Die dadurch erreichte Produktivität des
Inselbodens war geradezu erstaunlich. Unter seinen
Kolonien besaß England wohl kein zweites Inselreich, das ihm bei seiner
relativen Kleinheit solche Werte lieferte. Auch im Weltverkehr ist Sri Lanka's Hafen
Colombo zu einem der
bedeutungsvollsten Handelsplätze des Ostens geworden, und längst sind seine
schützenden Mauern zu eng, um alle die Schiffe, welche die Welt an Sri Lankas Küste
schickt, zu fassen. Die hauptsächliche Ausfuhr besteht in Tee. Inzwischen ist die
Kultivierung von Kaffee, Zimt, Kakao, Gummi und Chinarinde zugunsten dieser
stets wachsenden Teekulturen weit in den Hintergrund getreten, und heute schon
übersteigt die Teeproduktion Sri Lanka's bereits das Erträgnis des riesigen
indischen Reiches. Kaum ist die Masse der Bevölkerung (21 Millionen Einwohner) in der
Lage, die enormen Erfordernissen der Arbeitsleistungen, die aus dieser
gesteigerten Produktivität notwendig werden, zu genügen. Es werden zu diesem
Zweck aus dem südlichen Indien die Heere tamulischer Arbeiter angeworben, welche
hauptsächlich in den Teepflanzungen Verwendung finden. So wiederholt sich heute
jene Invasion des Altertums, die der Vergangenheit Sri Lanka's eine so bedeutende
Wendung gab. Nur sind jene, deren Vorfahren früher als Eroberer Lankas kamen,
heute die Unterworfenen dieses Landes, in dem einst die Sonne ihres Reiches den
höchsten Stand erreichte.
Auch einen großen Reichtum an
Bodenschätzen besitzt Sri Lanka. Seine Edelsteine und Perlen, Minerale und Erze
bringen dem Lande einen ungeheuren Gewinn. Auch wertvolle Nutzhölzer, Areka- und Kokosnüsse, Gewürze
und Gummi zählen zu den hauptsächlichen Erzeugnissen des
Landes. Ab dem 19. Jahrhundert liefern Graphitminen ein weiteres Erträgnis,
während die Edelsteinfunde in Ratnapura immer seltener werden.
Die bunt
gemischte Bevölkerung, welche Sri Lanka besitzt, ist zweifellos auch den
wechselreichen historischen und weltpolitischen Ereignissen zuzuschreiben, die
sich im Laufe der Jahrhunderte in einer viel gestalteten Rassenvermischung
ausgewirkt haben. Unter seiner Bevölkerung finden wir fast alle Völker der Erde
vereinigt. Besonders die Eingeborenenviertel von Colombo, in denen sich dieses
Völkerbabel sammelt, sind die Schauplätze einer gemischten, wimmelnden
Lebendigkeit. Dort finden wir die ältesten Einwohner Sri Lankas, die Singhalesen,
Arier, Drawiden, Malaien, Araber und die interessanten portugiesischen und
holländischen Mischlinge, welche man Burghers nennt. In den Urwäldern Sri Lankas
wohnen noch heute die Ureinwohner Lankas, die Weddahs, welche in der
Abgeschiedenheit der Wildnis die Ursprünglichkeit ihrer Art und Rasse bis auf
den heutigen Tag bewahrt haben.
Die vorherrschende Religion ist der Buddhismus,
der fünf Jahrhunderte vor Christi seinen Eingang auf Sri Lanka fand und sich trotz
der starken hinduistischen Einflüsse in reinster Form erhalten hat. Die Erde
Sri Lankas ist deswegen dem Buddhisten heilig, denn dort hatte die Lehre und der
Geist Gautamas einen festen Stützpunkt gewonnen und seinen Siegeslauf in die
östliche Welt genommen. Noch heute findet man in Anuradhapura, der ältesten
Kultstätte buddhistischen Glaubens auf Sri Lanka, den heiligen Bobaum, der als das
Symbol der Erleuchtung Buddhas der Erde Sri Lankas entsprossen ist und als ein
lebendiges Wahrzeichen den Geist einer großen Vergangenheit verkörpert.
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