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"Kimochi ga ii" steht im Japanischen für
harmonische Atmosphäre, angenehme Entspanntheit und Wohlgefühl. Kurzum: Es steht
für all das, was ein ausgiebiges Bad in einer heißen Quelle, dem so genannten Onsen, ausmacht. Heiß muss das Wasser sein. So heiß, dass Europäer sich erst
langsam daran gewöhnen müssen. Hat man den Sprung in den mindestens 40 Grad
heißen „Kochtopf” aber erst einmal geschafft, heißt es Augen zu und genießen.
Schnell verfliegt der Stress des Alltags, ist man erst mal in die wohlige Wärme
des Wassers eingetaucht. Probleme und Sorgen lösen sich dann quasi in Dampf auf.
Vulkane und unterirdische Magmaströme
bescheren den Japanern ihre heiß geliebten Quellen. Das bis zu 90 Grad heiße
Wasser besitzt angeblich magische Kräfte, die nicht nur inspirierend und gut für
die Seele sind. Je nach Schwefel-, Eisen-, Kalzium-, Magnesium- oder
Natriumgehalt wirkt es auch gegen Hautkrankheiten, Rheuma, Gicht und viele
sonstige körperliche Leiden und Gebrechen. Baden hat eine lange Tradition in
Japan. Noch heute finden sich vereinzelt öffentliche Badehäuser, Sento genannt,
die früher das heimische Badezimmer ersetzten und wichtiger Mittelpunkt
gesellschaftlichen Lebens waren. Da man sich außerhalb des Beckens gründlich
wäscht, ist das eigentliche Baden eine Art Ritual, bei dem man Körper und Geist
gleichermaßen reinigt und miteinander in Einklang bringt.
Der älteste Onsen-Badeort ist Kusatsu in der Präfektur Gunma nordwestlich von Tokio. Berühmt ist Kusatsu für das so genannte Zeitbad (Jikanvu), dessen Wasser aus einer über 60
Grad heißen, höchst schwefel- und eisenhaltigen Quelle kommt und
traditionellerweise mit hölzernen Paddeln auf 47 bis 48 Grad „kalt geklopft”
wird. Unter Aufsicht eines mit Stoppuhr bewaffneten Bademeisters tauchen die
Badegäste ins Becken, in dem man nur maximal drei Minuten – daher der Name
Zeitbad! – verharren darf. Ein extrem heißes Onsen-Abenteuer!
Badeorte mit
heilkräftigen heißen Quellen, Schlamm- oder Sandbädern findet man fast überall
im Land, am Meer, an Seen, in waldigen Fluss-Schluchten oder auf Berghöhen. Das
Nonplusultra aller Badefreuden sind Onsen-Bäder unter freiem Himmel, die so
genannten Rotenburo. Ein Dorado für ein solches Badeerlebnis ist die
Izu-Halbinsel etwa 100 Kilometer südwestlich von Tokio. Eine Oase der
Entspannung direkt am Meer ist das Hokkawa-Onsen einige Kilometer östlich der
Stadt Ito. In gut versteckter Lage unterhalb eines Felsens kann man es schnell
verfehlen. Ein wichtiger Anhaltspunkt ist daher das kleine Badehäuschen direkt
an der Küstenstraße, an dem man bezahlt. Von dort führt der Weg geradewegs ins
Paradies. In der entspannenden Wärme des natürlichen Felsbeckens genießt man
dann den Sonnenuntergang über dem Meer — ein großartiges Erlebnis, das
seinesgleichen sucht!
Aber Izu hat noch mehr zu bieten. Auf dem Weg ins
Inselinnere stößt man auf viele weitere traumhafte Open-Air-Bäder, die meist
gegen eine Gebühr öffentlich zugänglich sind, selbst wenn sie zu einem Hotel
gehören. Darunter der ultimative Geheimtipp japanischer Onsen-Kultur, das „Tsuribashiso".
Das wunderschön gelegene Onsen-Hotel lässt keine Badewünsche offen. Neben einem
Freiluftbad auf dem Dach gibt es zwei an den nahe gelegenen Bergbach gebaute
Holzbecken, in denen man sich erholen kann.
Das absolute Highlight dort ist das Teebad, zu dem man — in den
traditionellen Baumwollbademantel Yukata gehüllt — über eine nostalgische
Hängebrücke gelangt. Es liegt unmittelbar über einem Wasserfall und ist
sozusagen der Gipfel der Genüsse! Nachdem der hauseigene Bademeister vor den
Augen der Gäste eine vorbereitete Essenz aus Grünem Tee in das frisch
eingelassene Thermalwasser gemischt hat, wartet ein Badeerlebnis der besonderen
Art, das nicht nur die Seele geschmeidig macht, sondern auch die Haut. Nach dem
paradiesischen Bad unter einem nächtlichen Sternenhimmel wartet auf den Gast im
komfortablen Zimmer bereits ein köstlich zubereitetes japanisches Abendessen.
Mit einem gut durchwärmten Körper, satt und müde, schlüpft man schließlich in
die Futons. Spätestens jetzt weiß man, was ein gutes Kimochi ist.
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