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Für manche bedeutet Judentum
die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk, für andere die Zugehörigkeit zur jüdischen
Religion. Denn das Judentum ist aus dem Volk Israel hervorgegangen, als es noch
keinen Unterschied zwischen religiösem und weltlichem Bereich gab. Die
israelitische Geschichte endet mit der Zerstörung Jerusalems durch die Babyionier (587 v.Chr.). Seit der Neugründung des Staates nach der babylonischen
Gefangenschaft im Jahre 538 v. Chr. spricht man vom Judentum und von Juden.
Wichtigster Glaubensinhalt des Judentums ist das Bekenntnis zum einen Gott, der
die Welt geschaffen und mit den Menschen einen Bund geschlossen hat.
Heute gibt es Juden auf der
ganzen Welt, die zum Volk Israel gehören, ohne in Israel zu leben. Die
Geschichte des Judentums ist auch von Verfolgungen, Unterdrückung, Verschleppung
und Exil geprägt. Ihren traurigen Höhepunkt fanden diese Erfahrungen in der
Vernichtung von sechs Millionen Juden zur Zeit der Nationalsozialisten in
Deutschland.
Die insgesamt etwas mehr als 14
Millionen Menschen umfassende Religionsgemeinschaft der Juden, von denen im
Staat Israel jedoch nur ungefähr drei Millionen leben, zerfällt in folgende
Gruppen: Orthodoxe, Chassidim, Konservative und Liberale sowie die aus diesen
hervorgegangenen Reformjuden, die vor allem in den USA, aber auch in England
anzutreffen sind. Der wesentliche Unterschied zwischen den Orthodoxen und den
übrigen Gemeinschaften besteht im Verständnis eines bestimmten
Glaubensgrundsatzes.
Moses Maimonides, der von
11351204 lebte und einer der einflussreichsten jüdischen Denker überhaupt war,
hatte in seinen 13 Glaubensgrundsätzen das Judentum vom Christentum und dem
Islam abgegrenzt und zugleich eine Gesamtdarstellung der Glaubensinhalte
gegeben.
Der strittige 9.
Glaubensgrundsatz lautet: "Die Aufhebung: Das heißt, dass diese Tora (auch:
Thora) nicht aufgehoben und dass von Gott keine andere außer ihr gegeben werden
wird. Zu ihr wird nichts hinzugefügt, nichts von ihr abgestrichen werden, weder
hinsichtlich des Wortlautes, noch hinsichtlich der Auslegung."
Diesem Glaubensgrundsatz
entsprechend vertreten die Orthodoxen die wortwörtliche Auslegung der
unwandelbaren Tora (wörtl. Weisung, Lehre), worunter in erster Linie die fünf
Bücher Moses verstanden werden. Zentrum der Orthodoxie ist neben den USA der
Staat Israel.
Neben den Orthodoxen sind die
aus dem osteuropäischen Raum abstammenden Chassidim, die "Frommen", zu erwähnen,
die in den USA, aber auch in Europa verbreitet sind. Wie die Orthodoxen halten
sie das Religionsgesetz streng ein. Im Mittelpunkt des Chassidimismus steht der
einflussreiche und verehrte Rebbe, dem gelegentlich auch wundertätige Kräfte
zugesprochen werden.
Die Konservativen - zahlenmäßig
in den USA stärker vertreten als Orthodoxe oder Reformjuden - wollen einerseits
am jüdischen Gesetz festhalten, halten aber eine Änderung bestimmter, für
veraltet gehaltener Gesetze für möglich.
Das liberale Judentum und das
Reformjudentum haben ihre Wurzeln in einer aufklärerischen Reformbewegung des
19. Jahrhunderts, der so genannten Haskala, die besonders von dem Philosophen
Moses Mendeissohn (1729-1786) gefördert wurde. Sie brachte praktische religiöse
Reformen mit sich, insbesondere im Bereich des jüdischen Erziehungswesens und
des Gottesdienstes in der Synagoge (z.B. Orgelspiel, Einführung der
Landessprache, Familienbänke statt gesonderter Galerien für Frauen,
Unbedecktlassen des Hauptes beim Gebet). Seit Anfang der 1970er Jahre dürfen
auch Frauen Rabbiner werden. Rabbiner nennt man die Leiter der jüdischen
Gemeinden. Sie sind für die Befolgung der Rechtsvorschriften und die religiöse
Erziehung zuständig. Sie arbeiten auch als Seelsorger und vollziehen Trauungen.
Für ein Verständnis des
Judentums ist die Bedeutung des Tenach entscheidend. Damit ist die Heilige
Schrift gemeint. Tenach oder Tanach ist ein Kunstwort, das keine eigentliche
Bedeutung hat und aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Abschnitte
zusammengesetzt ist, in welche die jüdische Heilige Schrift eingeteilt ist: Tora
- Newiim - Chetuwim.
Die Tora besteht aus den fünf
Büchern Mose. Die Newiim sind u.a. die Prophetenbücher: Josua, Richter, Samuel,
Könige, Jesaja, Jeremia und Ezechiel sowie 12 "kleine" Propheten. Mit den
Chetuwim (Schriften) sind u.a. die Psalmen, die Sprüche, das Buch Hiob,
Hoheslied, Ruth, Klagelieder, Prediger und Esther sowie die "geschichtlichen
Schriften" Daniel, Esra und Nehemia gemeint.
Da es für Juden kein "Neues
Testament" gibt, sprechen sie natürlich auch nicht vom Tenach als ihrem Alten
Testament. Neben dem Tenach sind für das Judentum die Schriften der Rabbinen
ausschlaggebend. Unter den Rabbinen (von Rabbi: "mein Meister") versteht man
autorisierte Personen, welche die Heilige Schrift auslegen dürfen. Die
wichtigsten Werke von Rabbinen sind: die aus sechs Teilen bestehende Mischna,
die sowohl die Erklärung und Auslegung der Tora umfasst, außerdem aber auch
Rechtslehren und Satzungen enthält, die nicht in der Tora enthalten sind.
Die Mischna wurde ihrerseits
wieder diskutiert. Diese teils erläuternden, teils kritischen Erörterungen
wurden in der Gemara ("Vollendung") zusammengefasst. Mischna und Gemara bilden
zusammen den Talmud ("Studium", "Belehrung"), der aus vielen einzelnen Büchern
besteht und den Gläubigen hilft, den Tenach richtig zu verstehen.
Unter anderem müssen Juden
zahlreiche Speisegesetze einhalten, die so genannten Kaschrut. Alles, was
verzehrt wird, muss koscher (rein) sein. Tiere müssen vorschriftsmäßig
geschlachtet werden, und ihr Fleisch soll ganz ausgeblutet sein. Schweinefleisch
ist verboten. Milchspeisen und Fleischgerichte dürfen nicht zusammen verzehrt
werden.
Die wichtigsten Glaubensinhalte
Im Mittelpunkt der jüdischen
Religion steht der Glaube an den einen und einzigen heiligen und ewigen Gott,
der sein Volk Israel "aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Dienstbarkeit"
herausgeführt hat. Dieser Gott hat Israel unter den übrigen Völkern "erwählt"
und mit ihm einen Bund bis zum Ende aller Tage geschlossen, damit Israel die
Tora erfüllt. Der Mensch wird als Gottes Geschöpf, nach seinem "Ebenbild"
geschaffen. Er soll Gott ähnlich werden, d.h. ihn durch sein Tun nachahmen, ihm
nachfolgen. Der Mensch besitzt einen freien Willen und kann daher zwischen Gut
und Böse, Rechtschaffenheit und Sünde usw. unterscheiden. Zu den weiteren
Grundvorstellungen des jüdischen Glaubens gehört der Glaube an den Messias bzw.
an die messianische Zeit.
Das hebräische Wort Messias
bedeutet der "Gesalbte". Nach jüdischem Glauben ist der Messias der König eines
zukünftigen Gottesreiches auf Erden, in dem Friede und Gerechtigkeit herrschen.
Juden warten darauf, dass der Messias am Ende der Zeiten erscheint. Dann werde
alles besser und anders. Der Messias wird nach jüdischer Glaubensüberzeugung aus
dem Stamm Juda kommen und Jerusalem zu seiner Hauptstadt machen. Der Prophet
Elija wird das Kommen des Messias ankündigen. Die Christen glauben, dass Jesus
von Nazareth dieser Messias war.
Die Zehn Gebote:
der Dekalog
1.
Ich bin JHWH, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Gottesbild
machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde
unten oder im Wasser unter der Erde. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern
niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr,
dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge
ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation;
bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden
meine Huld.
2. Du
sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr
lässt nicht ungestraft den, der seinen Namen missbraucht.
3.
Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede
Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. (
... )
4.
Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der
Herr, dein Gott, dir gibt.
5. Du
sollst nicht morden.
6. Du
sollst nicht die Ehe brechen.
7. Du
sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du
sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen.
10. Du
sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder
seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem
Nächsten gehört.
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