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Im Januar 1979 wird Schah Reza Pahlewi zum Verlassen des
Landes gezwungen, und Ayatollah Chomeini ergreift die Macht im Iran. Die
junge islamische Republik erhebt von Anbeginn an den Anspruch, die Fackel der
islamischen Revolution auch in andere Länder zu tragen. Im Dezember 1979 folgt
der Einmarsch der sowjetischen Armee nach Afghanistan. Am folgenreichsten hat
sich dann aber ein drittes weltpolitisches Ereignis erwiesen: Im September 1980
überqueren völlig überraschend irakische Truppen den Grenzfluss Schatt el-Arab
und dringen in breiter Front auf iranisches Gebiet vor. Damit beginnt ein
achtjähriger Krieg zwischen Iran und Irak. Erst im August 1988 wurden die Kampfhandlungen
aufgrund eines vorläufigen Waffenstillstandes eingestellt.
Auf den ersten Blick erscheint der Einmarsch des Irak nach
Iran im September 1980 schwerverständlich, denn der Irak hat seit 1973 voll an
dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung der Golf-Staaten teilgehabt. Nach dem
blutigen Sturz des Königshauses im Jahre 1958 haben zunächst einmal zehn Jahre
lang rivalisierende revolutionäre Gruppen und Offizierscliquen um die Macht
gerungen und das Land nicht zur Ruhe kommen lassen. Erst der Staatsstreich der
Ba'ht-Partei im Sommer 1968 leitete dann eine längere Periode politischer
Beruhigung und Stabilisierung ein. 1970 wurde ein umfassendes Agrarreformgesetz
erlassen, und in den folgenden Jahren konnten die Grundbesitzstruktur und die
Organisation der Bodenbewirtschaftung erfolgreich umgestellt werden. Das Jahr
1975 brachte dann auch ein vorläufiges Ende der blutigen bürgerkriegsähnlichen
Auseinandersetzungen in Kurdistan.
Die meisten deutschen Medien haben nach Kriegsausbruch 1980
Saddam Hussein zum allein schuldigen Aggressor erklärt. Sogar Außenminister
Genscher ist dieser Interpretation gefolgt. Eine solche Sicht der Dinge
erscheint aber zumindest sehr einseitig. Die Islamische Republik Iran machte
seit ihrer Etablierung im Frühjahr 1979 nie ein Hehl daraus, dass sie die vor
allem im Unterirak lebenden Schiiten befreien wolle von der "Unterdrückung durch
das gottlose Regime der Ba'th-Führungsclique". Auch haben iranische Ayatollahs
mehrfach dazu aufgerufen, die im Irak gelegenen Wallfahrtsstätten und
Grabmoscheen von Kerbela und Nedjef zu erobern – die höchsten Heiligtümer der
Schiiten überhaupt.
Dieser offensichtlichen Bedrohung durch den militanten
islamischen Fundamentalismus Irans wollte Saddam Hussein mit einem
Präventivschlag zuvorkommen. Die Invasion führte nur deshalb nicht zu einer
vernichtenden Niederlage Irans, weil die irakische Armee und ihre Führung
noch schlechter waren, als selbst Experten vermutet hatten. Die Rechnung Saddam
Husseins ging nicht auf. Statt eines raschen und fast mühelosen Siegs folgten
viele Jahre ermüdenden Stellungskrieges, den der Irak nur dank einer haushohen
Materialüberlegenheit an Flugzeugen und Panzern durchhalten konnte. Erst in den
letzten Kriegsjahren gelang es dann, Moral und Schlagkraft der irakischen
Truppen deutlich zu verbessern.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Iran und Irak
haben der Wirtschaftsblüte und der Dynamik der Landesentwicklung in den anderen
Erdölstaaten am Arabisch-Persischen Golf zunächst keinen Abbruch getan. Im
Gegenteil: Da aufgrund der Kriegshandlungen sowohl der Ölexport Irans als auch
derjenige des Irak erheblich zurückgingen, stieg der Rohölpreis
knappheitsbedingt im Herbst 1980 nochmals kräftig an. Das führte zu Rekordeinnahmen sowohl der OPEC insgesamt als auch
Saudi-Arabiens. Die Scheichtümer und Emirate am Golf verdienten aber auch
ausgezeichnet an all den vielfältigen Dienstleistungen, die für die beiden Krieg
führenden Parteien zu erbringen waren: Bau von Ausweich-Pipelines und
frontferneren Ölverladestationen, Schmuggel von Waffen und Konsumgütern,
Reparatur beschädigter Supertanker, Transport von Gütern aller Art mit
Lastkraftwagen auf dem Landweg nach kriegsbedingter Gefährdung der
Schifffahrtsrouten usw.
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