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Stützt das Erdöl die Herrscher am Golf?

 

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Die Staaten des Arabischen Golfs — gemeint sind hier Kuwait, Saudi-Arabien, Bahrain, Qatar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman — konfrontieren den Betrachter mit einem offensichtlichen Paradox: Einerseits hat dort seit Ende der 1950er Jahre unter dem Einfluss der Erdölproduktion ein Schwindel erregender ökonomischer und gesellschaftlicher Wandel stattgefunden; andererseits sind die politischen Regimes, wie das Auge im Inneren eines Tornados, überraschend stabil geblieben. Zum Teil seit Jahrhunderten finden wir dort die gleichen Familien an der Spitze eines Systems monarchischer Herrschaft, das in der modernen Staatenwelt zunehmend anachronistisch wirkt und in den Medien gelegentlich auch als "mittelalterlich" bezeichnet wird.

Wie ist dieses Beharrungsvermögen der politischen Regimes der Golfstaaten zu erklären? Auf den ersten Blick scheint es sich hier tatsächlich um einen Fall "struktureller Innovationsunfähigkeit" zu handeln, wie sie für die Gesellschaften des Nahen Ostens in der letzten Zeit des Öfteren behauptet wurde, oder, modernisierungstheoretisch gesprochen, um ein Nachhinken des politischen Subsystems gegenüber dem Rest der Gesellschaft. Im Gegensatz zu diesen Auffassungen ist es die These meines Beitrags, dass diese Regimes nicht trotz, sondern gerade wegen der Erdölproduktion und des von ihr verursachten sozialen Wandels stabil geblieben sind. In der Form des Rentier- und Verteilungsstaates stellten die Einnahmen, die die Golfstaaten aus der Erdölproduktion zogen, die monarchische Herrschaft auf Dauer. Stabil blieb dabei aber nur die Oberfläche. Unterhalb der Kontinuität der Herrscherfamilien wandelten sich institutionelle Strukturen, traten neue, politische Herrschaft abstützende gesellschaftliche Koalitionen an die Stelle der alten.

Die Entstehung des modernen Staatensystems, seit seinem Beginn im europäischen Spätmittelalter, drehte sich immer um zwei institutionelle Angelpunkte: die Entwicklung einer systematischen Kapazität zur Eintreibung von Abgaben von der Bevölkerung und, als Voraussetzung dazu, die Herausbildung eines repressiven Apparates, der innergesellschaftliche Gewalt zunehmend monopolisierte. Die gesellschaftliche Basis dieser Entwicklung war Koalitionsbildung, d. h. ein Prozess, in dem alte Eliten entweder unterdrückt oder in neue Koalitionen staatstragender Eliten kooptiert wurden. Anhand südostasiatischer Beispiele ist dieser Prozess der Koalitationsbildung und Staatsformation in jüngster Zeit unter dem Begriff der Strategischen Gruppen modelliert worden.


 

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