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Für die meisten Amerikaner ist der Yellowstone Park der
Nationalpark schlechthin, weil er am Anfang aller US-Nationalparks steht.
Bereits 1872 wurde er durch Kongressbeschluss ins Leben gerufen. Damals lag der
Park noch weit jenseits aller dichter besiedelten Gebiete und großen Städte. Um
so erstaunlicher ist es, dass die Idee, ganze Landstriche der kommerziellen
Nutzung zu entziehen, schon zu jener Zeit realisiert wurde, als der rugged
individualism, der rücksichtslose Individualismus, noch in voller Blüte stand.
Doch Amerika ist nie ein Land gewesen, dessen Bürger sich nur von Profitgier und
Nützlichkeitsdenken leiten lassen, wie man in Europa immer wieder hören kann.
Im Yellowstone Nationalpark habe ich mich nie tage- oder gar
wochenlang aufgehalten. Anders als die Amerikaner reizen mich, den Europäer,
weniger Kuriositäten oder Absonderlichkeiten in der Natur, ich empfinde sie
vielmehr als eine Störung natürlicher Ordnung und Schönheit.
Gewiss, die Gebiete am oberen Yellowstone und am Yellowstone
Lake, die Landschaften am Firehole River sind sehr schön. Die Wasserfälle des
Yellowstone, der tief in die Felsen gegrabene Canyon, die weiten Ausblicke über
Berge und Täler, die sich dem Reisenden immer wieder von den Straßen aus
eröffnen, suchen ihresgleichen.
Aber was die Menschen zum Yellowstone Park lockt, sind nicht
diese Erlebnisse, sondern all die Merkwürdigkeiten einer noch nicht zur Ruhe
gekommenen Natur, heiße Quellen, brodelnde Schlammlöcher, zischende Geysire,
regenbogenbunte Sinter-Terrassen und dampfende, nach Schwefel riechende Bäche –
eine Natur, die geradezu höllisch anmutet. Zu Hunderten warten die Menschen
geduldig und standhaft, bis der Old Faithful, der bekannteste unter den Geysiren
des Yellowstone Park, seinen Wasser- und Dampfstrahl ausstößt. Danach zieht man
befriedigt von dannen.
Mich haben derlei Absonderlichkeiten der Natur schon immer besonders
angezogen. Ich lasse sie nicht aus, wenn sich die Gelegenheit bietet, sie zu
sehen. Den Grand Tetons
gebe ich allerdings bei weitem den Vorzug vor dem Yellowstone Park.
Viele Stunden habe ich am Jenny und am Leigh Lake verbracht,
ich wanderte am Jenny Lake den Kaskaden-Bach hinauf und setzte mich am Leigh
Lake auf einen ins Wasser gestürzten Kiefernstamm, wo ich eine ganze Stunde lang
vor mich hin träumte, obwohl ich schon längst wieder hätte unterwegs sein
müssen. Denn im Park übernachten mochte ich nicht, die
Hotels dort sind meist
teuer und schlecht. So hatte ich noch viele Stunden zu fahren, wenn ich eine
Übernachtungsmöglichkeit außerhalb des Grand Teton oder des Yellowstone Park
finden wollte. |